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Emotionen um den Aareweg

Die Kritik am geplanten Weg hinter der Gonzenbachgiesse ist unverändert laut: An einem Infoabend legte sich das Publikum für den heutigen Aareweg vom Parkplatz Wehrliau zum Muribad ins Zeug.

Der heutige Uferweg mit den Alleebäumen – der Kanton will ihn aufgeben, über 3000 Petitionäre möchten ihn erhalten.
Der heutige Uferweg mit den Alleebäumen – der Kanton will ihn aufgeben, über 3000 Petitionäre möchten ihn erhalten.
Tanja Buchser

Ist es wirklich so schlimm, wenn der Uferweg zwischen dem Parkplatz Wehrliau und dem Muribad verschwindet? Gross war der Aufschrei, als im April bekannt wurde, dass die beliebte Verbindung mit ihren prägenden Alleebäumen verschwinden soll. Kanton und Gemeinde kapitulieren vor der Aare, die sich ungeplant rasch ins Ufer frisst und den heutigen Weg irgendwann durchbrechen wird. Ein neuer Weg am Hang hinter der Gonzenbachgiesse soll Ersatz bieten – allein, dagegen wenden sich weit über 3000 Leute mit einer Petition.

Noch Ende Mai wollte sich die verantwortliche Direktion von Regierungsrätin Barbara Egger der Öffentlichkeit nicht erklären. Einen Ortstermin mit der BZ lehnte sie rundweg ab. Am Montagabend war es anders. An einem Infoabend versuchte Projektleiter Thomas Wüthrich Verständnis zu wecken.

Vor weit über 100 Leuten referierte er über den Wert einer breiten Aare, die grössere Hochwasser schlucken kann und auch nicht mehr so an ihrer Sohle nagt. Vor allem aber könnten im gewonnenen Raum neue, dynamische Landschaften entstehen, hielt er fest. Die neu mit dem Fluss verbundene Gonzenbachgiesse wäre das beste Beispiel dafür.

Die geplante Auenlandschaft
Die geplante Auenlandschaft

Wüthrich verhehlte nicht, dass es ohne Konflikte nicht geht. Die Interessen von Hochwasserschutz, Trinkwasserversorgung, Ökologie und nicht zuletzt auch Naherholung liessen sich nicht immer unter einen Hut bringen. Deshalb müsse man von Ufer­abschnitt zu Uferabschnitt ab­wägen, welchem Interesse man den Vorzug geben wolle.

Direkt beim Parkplatz Wehrliau geniesse die Trinkwasserversorgung Priorität, beim Muribad sei es die Naherholung. Dazwischen aber habe die Ökologie mit einer dy­namischen Auenlandschaft Vorrang – genau im Gebiet der ­Gonzenbachgiesse mit dem umstrittenen Wegstück also, für das sich so viele Leute einsetzen.

Nur eine kleine Giesse

Entsprechend hart ging Petitionär Georg von Erlach mit den Planern und Behörden ins Gericht. Er geisselte die Wegverlegung als unnötig, ja gar als Risiko für die Wasserfassung. Der heutige Uferweg wirke nämlich auch als schützender Damm. Wie zuverlässig er dies tue, hätten die grossen Hochwasser der letzten Jahre gezeigt. Er habe stets gehalten, nicht zuletzt der stabilisierenden Alleebäume wegen.

«Wir wollen keine Steinwüste, keinen Kahlschlag, keine Zerstörung des Naherholungsraums», rief von Erlach in den Saal. Das millionenschwere Hochwasserschutzprogramm, das der Kanton in den letzten Jahren im Gebiet verwirklicht hat, bezeichnete er als Fehlplanung. Und davon zu reden, die revitalisierte Gonzenbachgiesse sei ein Gewinn, sei angesichts ihrer kleinen Dimensionen mehr als fragwürdig.

Hinderlich beim Schwimmen

In der teils emotionalen Diskussion mit dem Publikum waren die Kritiker in der Mehrheit. Infrage gestellt wurde insbesondere, ob der Auenschutz einen harten Verbau und damit den Erhalt der heutigen Verbindung wirklich nicht zulasse. Die Gonzenbachgiesse sei als solche vom Gesetz auch geschützt, stellte ein Votant fest, und eine Votantin ergänzte: Zu behaupten, die Gonzenbachgiesse sei ein vom Wasser des Abhangs gespeister Teich und damit gar keine Giesse, sei falsch. Bei einem Gewitter verfärbe sie sich wie die Aare braun.

Immer wieder klang auch die Sorge an, der Kanton werde mit der geplanten Wegverlegung ­wieder scheitern. Als störend wurden auch die Kiesbänke bezeichnet, die der Fluss seit dem Abschluss der Arbeiten am Hochwasserschutz abgelagert hat. Sie drückten nicht nur die Strömung hinüber zur Wehrliau, sondern seien auch hinderlich beim Aareschwumm.

Ein paar versöhnliche Töne gab es doch noch. Besonders in Richtung Gemeinde – sie hat bereits einen Marschhalt eingelegt und zeigte sich auch offen für juristische Abklärungen. Diese sollen zeigen, ob der Auenschutz wirklich so absolut gilt wie bislang angenommen.

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