Er pflegt den Schilderwald

Paul Schenk hält im Raum Fraubrunnen Wegweiser sauber. «Forum»-Leser François Huber, selber leidenschaftlicher Wanderer, durfte ihn bei den Unterhaltsarbeiten der Schilder begleiten.

François Huber schaut Paul Schenk, dem Bezirksleiter der Berner Wanderwege, interessiert zu, wie er die Wegweiser am Bahnhof Grafenried putzt.

François Huber schaut Paul Schenk, dem Bezirksleiter der Berner Wanderwege, interessiert zu, wie er die Wegweiser am Bahnhof Grafenried putzt.

(Bild: Franziska Rotenbühler)

Anastasia Presta

Wenn François Huber auf eine Wanderung geht, hat er seinen Rucksack, seine Wasserflasche und seinen Hund Vanjo dabei. Was er jedoch nie mitnimmt, sind Lappen und Putzmittel. An diesem Morgen aber schon.

Der 73-Jährige begleitet den Bezirksleiter der Berner Wanderwege Paul Schenk, der für die Unterhaltsarbeiten der Wegweiser zuständig ist. Damit geht für François Huber aus Büren zum Hof ein Wunsch in Erfüllung, welchen er dem «Forum» dieser Zeitung mitteilte.

Erfordert handwerkliches Geschick

Der 72-jährige Bezirksleiter Schenk geht an diesem Tag auf die erste Routenkontrolle dieser Saison. Seit 2011 hält der Rentner aus Münchringen ein Netz von 145 Kilometer Wanderwege im Bezirk Fraubrunnen in Schuss. Gestartet wird an diesem sonnigen Morgen am Bahnhof Grafenried. Als Erstes putzt Schenk den Wegweiser.

Er packt Sprühflasche und Lappen aus seinem Rucksack. Damit befeuchtet er die gelben Schilder und wischt den hartnäckigen Blütenstaub ab. Nicht selten sind die Wegweiser, wie hier, so hoch, dass er auf eine Leiter steigen muss. Nachdem er die Schilder vom Dreck befreit hat, schultert Schenk die Leiter und macht sich zusammen mit François Huber und Vanjo auf die vierstündige Putztour über Schalunen bis nach Bätterkinden.

«Es kommt vor, dass ich beschädigte Wegweiser ersetzen muss», sagt Schenk. In seinem Rucksack hat er gelbe Schilder als Ersatz mit dabei. Dann kommen Nägel und Hammer zum Einsatz. Und der passionierte Wanderer François Huber hat schnell erkannt: «Die Arbeiten an den Wegweisern erfordern handwerkliches Geschick», sagt er. Seit Leser François Huber pensioniert ist, geht er seiner Leidenschaft, dem Wandern, nach.

Diese Zeit hatte er, während er als Sektionschef für die Ergänzungsleistungen zu AHV und IV gearbeitet hat, nicht. Allein im letzten Jahr hat der Rentner 39 Wanderungen gemacht. «Mir gefällt vor allem der kulturelle Aspekt beim Wandern. Man hat genug Zeit, die Umgebung wahrzunehmen und zum Beispiel historische Gebäude zu betrachten», sagt er.

Wege müssen gut ausgeschildert sein

Damit er nicht vom Weg abkommt, besitzt er von fast jeder Region der Schweiz eine Karte. «Ich vertraue nicht immer den Karten auf meinem Handy. Es kann sein, dass ich während des Wanderns keine Internetverbindung habe, und so nützt mir die Onlinekarte nichts.»

Damit aber alle Wanderer wissen, dass sie auf dem richtigen Weg sind, müssen die Wege gut ausgeschildert sein. Da hilft Paul Schenk mit: «Zeigt ein Wegweiser in die falsche Richtung, muss ich ihn wieder korrekt ausrichten.»

«Es ist eine anspruchsvolle Arbeit, die körperlich anstrengend ist.»François Huber, Über die Unterhaltsarbeiten von Paul Schenk an den Wegweisern

Angekommen am Bahnhof Bätterkinden, holt Schenk ein letztes Mal Lappen und Sprühflasche aus dem Rucksack und putzt den Wegweiser. «Dies ist wirklich eine anspruchsvolle Arbeit, die körperlich anstrengend ist», sagt François Huber. «Ich schätze seinen Beitrag an den Unterhaltsarbeiten der Wanderwege sehr.» Vielleicht gehören von nun an auch Putzutensilien bei seinen nächsten Wanderungen in den Rucksack – um Paul Schenk unter die Arme zu greifen.

Berner Zeitung

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