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Er zählt Verkehrskreisel

Bruno Ritschard zählt und fotografiert Verkehrskreisel in der Schweiz. Er will wissen, wie viele es insgesamt gibt. Vor einiger Zeit hat diese Zeitung den Mann aus Worblaufen vorgestellt – und nun nachgefragt, ob er alle Kreisel gezählt hat.

Bruno Ritschard daheim in Worblaufen. Hier verarbeitet er am Laptop seine gesammelten Daten zu den Verkehrskreiseln der Schweiz.
Bruno Ritschard daheim in Worblaufen. Hier verarbeitet er am Laptop seine gesammelten Daten zu den Verkehrskreiseln der Schweiz.
Tanja Buchser
Zwei Flösser treiben Baumstämme übers Wasser – zu sehen in Boningen SO.
Zwei Flösser treiben Baumstämme übers Wasser – zu sehen in Boningen SO.
zvg
«You» ist in der Mitte dieses Verkehrskreisels in Oftringen AG zu lesen.
«You» ist in der Mitte dieses Verkehrskreisels in Oftringen AG zu lesen.
zvg
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«Wie viele Verkehrskreisel gibt es in der Schweiz?» Diese Frage beschäftigt Bruno Ritschard (63). Er hat sich zum Ziel gesetzt, die Antwort zu finden. Seit seiner Frühpensionierung vor zwei Jahren ist der Vater zweier erwachsener Söhne mit Fotoapparat und Schreibzeug unterwegs. Fährt im Auto oder mit dem Zug von Kreisel zu Kreisel, macht ein Foto und hält Ort und Datum schriftlich fest. Daheim in Worblaufen überträgt der ausgebildete Informatiker die Daten in eine Tabelle auf seinem Computer.

Vor mehr als einem Jahr hat das «Forum» über Bruno Ritschards ausgefallenes Hobby berichtet. Damals, im September 2015, hatte er 601 Verkehrskreisel registriert. Heute sind es bereits 1604. Und Ritschard «kreiselt» weiter, wie er sein Hobby nennt. «Denn ich habe längst noch nicht alle erfasst. Ich schätze, dass es schweizweit 3000 Kreisel gibt, registriert ist die Anzahl leider nirgends», sagt er.

Ganz so einfach lässt sich sein Ziel allerdings nicht erreichen. «Laufend werden neue Verkehrskreisel gebaut oder bestehende entfernt.» Zu Beginn hat ihn seine Frau Sonja (65) praktisch überallhin begleitet. «Heute kommt sie nur noch mit, wenn wir mit dem Zug unterwegs sind und dann zu den Kreiseln spazieren. Lange Autofahrten mag sie nicht», sagt Bruno Ritschard. Gleichgesinnte kenne er keine, ausser ein paar wenige, die sich für originell oder kunstvoll gestaltete Kreisel interessieren. «Da findet durchaus mal ein Mailkontakt statt, jedoch sehr selten.» Ab und zu würden Bekannte fragen, ob er sich immer noch mit «Kreiseln» beschäftige, das Hobby betreibt er aber allein.

Viel Vorbereitung

Ist es draussen kalt und schneit es, sitzt Bruno Ritschard am Computer und plant. Anders als zu Beginn brauchen seine Kreiseltouren heute mehr Zeit. Die Kreisel in den nahe gelegenen Kantonen hat er fast alle erfasst. In seiner Tabelle fehlen unter ­anderen jetzt noch Graubünden, Genf und Tessin. «Das ist nicht in Tagesausflügen zu schaffen. Meine Frau und ich verbinden das ‹Kreiseln› mit Ferien. Die Fahrt hin mit dem Zug, und dann miete er vor Ort für sich ein Auto.

Das Wichtigste beim «Kreiseln» sei eine gute Planung. Dazu nutzt Bruno Ritschard das Internet. Auf Google Maps druckt er den entsprechenden Kartenausschnitt aus und markiert die ­darauf eingetragenen Verkehrskreisel. Entlang dieser Strecke verläuft dann ein Kreisel-Spaziergang oder – wenn die Kreisel zu weit auseinanderliegen – ­­die Fahrt mit dem Auto. «Bei der Vorbereitung berücksichtige ich, dass ich in kurzer Zeit so viele Kreisel wie möglich erfassen kann.»

Seinen persönlichen Rekord verbucht er im Kanton Wallis. Hier fotografierte er an einem Tag 70 Kreisel. Ärgerlich sei, wenn er daheim bemerke, dass er einen Kreisel auf der Karte aus­gelassen habe, dann müsse er nochmals hinfahren. Entdeckt er einen Kreisel, der nicht auf ­Google Maps eingetragen ist, dann meldet er dies dem Internetdienst. 70 Kreisel habe er seit seiner ersten Tour schon ange­ben können.

Faszination Recherche

Bei seinem Vorhaben spielt für Bruno Ritschard keine Rolle, wie ein Kreisel gestaltet ist. «Klar gibt es einige, die ich besonders originell oder schön finde», sagt er. Zum Beispiel jenen im aargauischen Oftringen, wo in der Mitte grosse Metallbuchstaben das Wort «You» bilden oder der Verkehrskreisel in Boningen, Solothurn, wo zwei Flösser Holzstämme durchs Wasser treiben. Gefertigt ist das Objekt aus Stein, Beton und Metall. Als «exotisch» bezeichnet er den Kreisel bei der Staumauer Grande Dixence im Wallis: «Schön ist er nicht, aber ich finde es irgendwie verrückt, dass dort ein Kreisel erstellt worden ist.»

Was Bruno Ritschard zum «Kreiseln» antreibt, ist «die Recherche, wo sich solche Verkehrsführungen in der Schweiz befinden, und den Überblick zu be­halten, wo neue gebaut und alte entfernt werden.» Dazu durchforstet er das Internet, sucht nach Hinweisen in Zeitungen und pflegt gute Kontakte zu den Tiefbau­ämtern in der Schweiz.

In zwei Jahren, schätzt Bruno Ritschard, werde er alle Kreisel erfasst haben. Mit dem Thema will er sich aber noch weiter beschäftigen, denn seit einiger Zeit hat er einen Wunsch: «Ich würde gerne jemanden finden, mit dem ich ein Buch über ausgewählte Kreisel und deren Entstehungsgeschichte realisieren kann. Denn, zum Teil löst der Bau eines Kreisels in einer Gemeinde heftige Diskussionen aus.» Im Moment fehle ihm aber einfach die Zeit, sich auch noch damit zu befassen.

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