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Erntedankfest auf Chinesisch

Am Samstag feiert die chinesische Community auf dem Bundesplatz mit Löwentanz, Tee und delikaten Mondkuchen ihr herbstliches Mondfest. Der wachsende Appetit chinesischer Investoren auf Schweizer Firmen tangiert die Festfreude nicht.

Chinesische Soft-Power: Löwentanz-Performance beim Mondfestival 2015 auf dem Bundesplatz.
Chinesische Soft-Power: Löwentanz-Performance beim Mondfestival 2015 auf dem Bundesplatz.
zvg

Für Chinesinnen und Chinesen, die im Ausland leben, sind die Tage des traditionellen Mondfests ein emotionales Wechselbad. Im Unterschied zum chinesischen Neujahrsfest im Frühjahr, das mit sieben Freitagen begangen wird, sind in den chinesischen ­Feriengewohnheiten zum Moon-Festival während der stressigeren Erntezeit im Herbst nur drei Ferientage vorgesehen. «Deshalb», sagt die in der Region Bern lebende Chinesin Tina Deng, «kommt mit dem Erntedankfest immer auch eine leichte Traurigkeit auf, weil wir Familie und Freunde vermissen.»

Anderseits, so Deng, symbolisiere der Vollmond in der chinesischen Vorstellung das Zusammenkommen von Menschen, man wünsche einander ein möglichst langes Leben unter dem anmutigen Licht des Monds, das man auf der ganzen Welt teilen könne. Insofern sei das Mondfest auch ein Moment des Trosts für Chinesinnen und Chinesen weitab von zu Hause. Zum Beispiel in Bern.

Mondfest per Smartphone

Natürlich sei die chinesische Festatmosphäre in der Schweiz «eher limitiert», und sie hoffe, dass das Fest vom Samstagnachmittag auf dem Bundesplatz in ihr etwas Heimatgefühle weckten, sagt Tina Deng. Sie selbst sei eingespannt in ihr Schweizer Leben als Mutter und Bildungsmanagerin, und deshalb seien ihre Mondfestaktivitäten weitgehend «heruntergekocht auf das Verschicken elektronischer Glücksbotschaften via Smartphone».

Für die Whatsapp-ähnlichen chinesischen Kommunikationsdienste Wechat oder QQ ist das Mondfest kommerzielle Hochzeit. Auch die Gespräche für diesen Text fanden ausschliesslich über Wechat statt.

Die Forscherin Hui Gao, die an der Universität Bern ihren Doktortitel erwarb, amtet als Sprecherin des Mondfest-OK. Sie hält fest, dass das Mondfest aus chinesischer Sicht auch als kultureller Brückenschlag verstanden werden könne. Die Vereinigung chinesischer Wissenschaftler in der Schweiz, die hinter dem Anlass steht, organisiert das Berner Mondfest deshalb unter dem Stichwort «Meet China» auch als Popularisierungsevent der chinesischen Kultur in der Schweiz. Mit weichen Mitteln sozusagen.

In den letzten Monaten war in der Schweiz vorwiegend von den harten wirtschaftlichen Muskeln Chinas die Rede. Nach der Nachrichtensendung «10 vor 10» von SRF haben sich chinesische Investoren bisher gut 80 Schweizer Firmen gegriffen. Die grossen politischen Parteien in der Schweiz sind ernsthaft besorgt.

Gute China-Stimmung

Carli Beeli, Gründer der China Switzerland Connection, die das Mondfest in Bern mitorganisiert, sagt, er habe den Eindruck, dass sich «im Geschäftsumfeld eine etwas vorsichtigere Stimmung» gegenüber China breitmache – gepaart aber mit dem gleichzeitigen Hintergedanken, dass China für Schweizer Firmen viele Chancen biete. Das persönliche Umfeld der chinesischen Commu­nity tangiere die China-kritische Stimmung aber bisher nicht. Das, fügt er an, wäre wohl anders, wenn sich chinesische Firmenübernahmen in der Schweiz negativ auswirken würden.

Auch Hui Gao nimmt bis jetzt kein negatives Feedback gegenüber Chinesinnen und Chinesen wahr. Die Mondkuchen – mit gesalzener und süsser Füllung – heute auf dem Bundesplatz bleiben eine kulinarische Erntedankdelikatesse. Und keine politische.

Mondfestival: Samstag, 14.30–17.30 Uhr, Bundesplatz. Mit Tanz-Performances, Teezeremonie, Kalligrafie, chinesischen Snacks. Unentgeltlich.

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