Erziehungsdirektion stützt Sonderlösung

Bern

Die Stadt Bern ist mit einer Sonderlösung für den Unterricht jenischer Kinder vorgeprescht – der Kanton unterstützt aber das Projekt.

Keine Schulpflicht im Sommer: Die Kinder der Jenischen müssen im Sommer weiterhin nicht die Schulbank drücken.

Keine Schulpflicht im Sommer: Die Kinder der Jenischen müssen im Sommer weiterhin nicht die Schulbank drücken.

(Bild: Urs Baumann)

Um die Bildung Jenischer zu verbessern, will die Stadt Bern auf das neue Schuljahr spezielle Lernateliers anbieten. Zwei Speziallehrkräfte sollen während der Wintermonate den Fahrenden eine ihren Bedürfnissen angepasste Bildung vermitteln. Während des Sommers, wenn jenische Familien unterwegs sind, sollen die beiden Lehrpersonen mittels Fernkursen unterrichten. Die Stadt lanciert das Projekt, weil die bisherigen Sanktionsmöglichkeiten wie Bussen nicht fruchteten. Trotz Strafmassnahmen schickten einige jenische Eltern ihre Kinder nicht regelmässig in die Schule.

Nicht immer eine Anzeige

Rückendeckung bekommt die Stadt nun vom Kanton Bern. «Wir unterstützten das Projekt der Stadt», sagt Johannes Kipfer, Stellvertreter des Vorstehers des kantonalen Volksschulamtes. Der zuständige Schulinspektor begleite das Projekt und wache darüber. Dieses neue Konzept schöpfe die bestehenden Möglichkeiten weitgehend aus.

Aus Zürich erntet das Berner Projekt aber bereits Kritik. Der dortige Leiter des Schulamts hält nichts von einer Aufhebung der Sanktionen. Ob Schulen von der Pflicht entbunden werden sollen, notorische Schulschwänzer anzuzeigen, ist durchaus fraglich. Auch das Berner Volksschulamt will nicht gänzlich auf Anzeigen gegen fehlbare Eltern verzichten. Selbstverständlich werde der Schulbesuch während der Wintermonate weiterhin lückenlos eingefordert, heisst es dort. Nur sei nicht in jedem Fall eine Anzeige nötig, wenn die Schule im Gespräch mit den Betroffenen besser zum Ziel komme.

Aufgeweichte Schulpflicht

Beim Volksschulamt ist man sich aber auch bewusst: Wenn den Fahrenden das Recht auf ihre Lebensweise zugestanden werde, stehe das per se mit der umfassenden Schulpflicht im Widerspruch. Mit der bestehenden Regelung sei die Schulpflicht der Jenischen so oder so aufgeweicht. Eine vollständige Umsetzung des Lehrplans erfordere einen lückenlosen Besuch des Unterrichts auch während des Sommers. Das wiederum sei «mit der fahrenden Lebensweise nicht vereinbar», führt Kipfer aus. Der Kanton Bern akzeptiere aber den Status der Fahrenden als geschützte nationale Minderheit. Trotzdem sei er bemüht, auf dieser Basis für die Kinder das Optimum an Bildung zu ermöglichen.

Nun gibts in Bern künftig für rund zwanzig jenische Kinder eine Sonderlösung. Dies ist laut Volksschulamt gerechtfertigt, «wenn das verfassungsmässige Recht als Minderheit als Basis genommen wird», so Kipfer. Die Geschichte der Jenischen, welche sicher das Verhältnis der Fahrenden zur Schule belaste, habe für die Beurteilung des Konzepts aber keine Rolle gespielt.

Berner Zeitung

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