Essen aus dem Ziegler statt aus Zürich

Bern

Die Kinder in 19 Tagesschulen und Tagesstätten erhalten ihr Essen nun nicht mehr aus Zürich, sondern aus der ehemaligen Spitalküche des Ziegler.

Mitarbeiter Patrick Pires giesst in der Quartierküche das Wasser von Kichererbsen ab.

Mitarbeiter Patrick Pires giesst in der Quartierküche das Wasser von Kichererbsen ab.

(Bild: Nicole Philipp)

Egli an Safransauce, Kartoffel-Rüebli-Püree und Erbsli mit Mais: Das haben heute 650 Kinder in Bern am Mittag gegessen. Morgen stehen für sie Kichererbsensalat mit Cherrytomaten und Gemüsekuchen mit Süsskartoffeln und Käse auf dem Menüplan.

Zubereitet wurde das Essen für Kinder, die über den Mittag in einer Tagesschule oder in einer Tagesstätte essen. Seit Anfang Woche haben sie einen neuen Chefkoch: Tobias Bigler. Er stand bisher im Kursaal am Herd. Nun hat er in die Küche des ehemaligen Zieglerspitals gewechselt. Dort kocht er für 19 Schulen und Kitas.

Er leitet die erste Quartierküche der Stadt. 2,5 Millionen Franken hat sich die Stadt den Umbau der alten Spitalküche im Ziegler kosten lassen. Dafür werden die Berner Kinder künftig nicht mehr von Zürich aus mit Essen beliefert.

Die grössten Abnehmer sind die Schulen Brünnen, Sulgenbach, Marzili und Teile des Pestalozzi. Doch auch den kleinen Mittagstisch im Muesmatt-Schulhaus, wo es jeweils nur gut ein Dutzend junge Esser hat, beliefert die Ziegler-Küche dreimal pro Woche.

Bloss gekühlt

Schulen und Kitas erhalten das Essen gekühlt in Chromstahlschalen angeliefert. Kurz vor dem Mittag kommen die Schalen in den Kombidämpfer und werden aufgewärmt. Also dasselbe wie vor den Sommerferien, neu jedoch aus Bern statt aus Zürich?

«Nein», sagte Tobias Bigler am Donnerstag am Rand einer Medienorientierung. Der Unterschied: Das Zürcher Cateringunternehmen «Menu and More» hat pasteurisiertes Essen in Vakuumsäcken geliefert. Das Essen aus der Ziegler-Küche ist bloss gekühlt und kommt in wiederverwendbarem Geschirr.

«Das ist eine Kombination, wie ich sie mir nicht besser wünschen kann.»Franziska Teuscher (GB)?Bildungsdirektorin der Stadt Bern

Für Bildungsdirektorin Franziska Teuscher (GB) gibt es zwei weitere wichtige Unterschiede: Das Essen wird nun nach den strengen Ernährungs- und Qualitätsrichtlinien der Stadt Bern gekocht. Und: In der Küche stehen auch Arbeitslose, die sich dort in einem halbjährigen Programm auf eine Anstellung in einer Restaurantküche vorbereiten können. «Feines und gesundes Essen für die Kinder und gleichzeitig ein Arbeitsintegrationsprogramm: Das ist eine Kombination, wie ich sie mir nicht besser wünschen kann», sagte die Gemeinderätin.

Stadt bezahlt Mehrkosten

Die Verköstigung der Berner Kinder ist nun allerdings auch teurer als vorher mit den Mahlzeitenlieferungen aus Zürich. Wie viel mehr die Stadt für das Essen künftig zahle, sei unmöglich zu erfassen, sagt Teuscher. Die Mehrkosten übernimmt die Stadt. Die Eltern zahlen weiterhin neun Franken pro Mahlzeit. Und ab nächstem Jahr wird es sogar billiger: Neu wird es nach Einkommen abgestufte Tarife geben. Drei Franken für Eltern, die wenig verdienen, sechs Franken für jene mit mittlerem und neun Franken für jene mit hohem Einkommen.

Trotz der neuen Quartierküche wird in der Stadt Bern nach wie vor häufiger in den Schulen selber gekocht als angeliefertes Essen aufgewärmt. So gibt es im Türmli-Schulhaus in der Länggasse, in der Laubegg, im Statthalter-Schulhaus und auch im Haupthaus des Pestalozzi weiterhin eine Schulküche. Rund 1800 der täglich 2400 Schul- und Kita-Essen in der Stadt Bern werden noch nach althergebrachter Art vor Ort gekocht.

Die Stadt ist nach dem Inselspital das grösste Verköstigungsunternehmen in Bern. Sie rechnet damit, dass künftig noch mehr Kinder ein Mittagessen brauchen. Deshalb plant die Stadt weitere Quartierküchen, zum Beispiel in den neuen Schulen, die im Wyssloch in der Laub­egg und im Viererfeld in der Länggasse gebaut werden.

Berner Zeitung

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