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ETH-Idee findet Berner Unterstützer

Die Idee von Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann, auf dem Areal des Berner Inselspitals einen ETH-Standort zu realisieren, stösst in der Hauptstadt auf Zuspruch. Beim Bund dagegen weniger.

Philippe Müller
Unterstützt die ETH-Idee: Insel-Chef Uwe E. Jocham.
Unterstützt die ETH-Idee: Insel-Chef Uwe E. Jocham.
Andreas Blatter

Eine Milliarde Franken erhält der Kanton Bern jährlich aus dem nationalen Finanzausgleich (NFA). Gegenüber dieser Zeitung nahm Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP) Anfang Woche eine Idee auf, die 2012 ­bereits sein Vorgänger und Parteikollege Andreas Rickenbacher lanciert hatte: Erhielte der Kanton anstelle der NFA-Milliarde eine ETH-Milliarde, würde das Bern nachhaltiger vorwärtsbringen, ist er überzeugt.

«Eine ETH-Institution auf dem Areal des Berner Inselspitals wäre ein wichtiger Schritt, um Bern gleiche Bedingungen wie den anderen Medizinstandorten der Schweiz zu gewähren», sagt Ammann.

Zuspruch erhält er vom neuen Direktionspräsidenten der Insel-Gruppe, Uwe E. ­Jocham. «Ich halte dies für eine ­gute Initiative, welche die Stärken des Medizinalstandortes der Hauptstadtregion Schweiz ausbauen würde.» Jocham würde aber rein ­technisch den Begriff Eidgenössische Medizinische Hochschule (EMH) bevorzugen, um die ETH nicht zu sehr zu konkurrenzieren.

«Die Etablierung einer solchen EMH würde ich gerne unterstützen, sowohl in meiner Funktion bei der Insel-Gruppe als auch als Arbeitgeberpräsident des Kantons Bern.» Jochams Anspruch ist es, dass der Kanton Bern seine Anhängigkeit vom NFA Schritt für Schritt abbauen kann. Ein solches Schwerpunktprojekt könne diesen Prozess allenfalls beschleunigen.

«Bern muss sich wehren»

Auch die beiden Ständeräte ­Werner Luginbühl (BDP) und Hans Stöckli (SP) reagieren positiv auf das Vorangehen des ­Volkswirtschaftsdirektors. «Seine Analyse ist richtig. Der universitäre und medizinale Standortwettbewerb wird durch die ETHs verzerrt», sagt Luginbühl.

Und man dürfe nicht immer nur über den nationalen Finanzausgleich reden, sondern müsse auch die anderen Geldflüsse thematisieren. «Es ist wichtig, dass Bern auf die ungleichen Spiesse aufmerksam macht und auf Kompensationsmassnahmen beharrt.» Eine solche Massnahme könnte durchaus die Realisierung einer Medizin-ETH sein, zu der unter anderem auch das neu entstehende Forschungszentrum Sitem-Insel gehören könnte.

«Eher weniger realistisch scheint mir, dass Bern in die ETH-Ärzteausbildung, die nun startet, eingebunden wird. Dafür haben sich die ETHs bereits andere Partner gesucht», so Luginbühl weiter. Dass die ETH künftig im Bachelor-Studiengang Ärztinnen und Ärzte ausbildet, findet er ein weiteres Indiz für eine Wettbewerbsverzerrung. «Umso mehr muss sich Bern wehren.»

«Gewaltige Konkurrenz»

Befürworter einer solchen Kompensation ist auch Stöckli. «Der Medizinalstandort Bern sieht sich heute einer gewaltigen Konkurrenz ausgesetzt.»

Angesprochen auf die Möglichkeit, Stöckli und Luginbühl könnten etwa mit einer parlamentarischen Initiative für Bern einen ETH-Standort fordern, sagt Stöckli: «Das hat nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn man sich vorher Verbündete sucht und eine genügend grosse Basis hat.» Ähnlich sieht es ­Luginbühl, der dem Berner ­Regierungsrat den direkten Dialog mit der ETH empfiehlt.

Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) macht dem Kanton Bern kaum Hoffnung auf einen vollständig durch den Bund finanzierten ETH-Standort. Hingegen sei eine subsidiäre Unterstützung möglicherweise eine Option. «Eine Kooperation von Sitem-Insel mit dem ETH­Bereich wäre sicher einfacher zu realisieren», sagt WBF-Sprecherin Evelyn Kobelt.

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