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EWB wird zum Gemischtwarenladen

Energie Wasser Bern treibt den Wandel vom Energieversorger zum Gesamtanbieter zügig voran. Zu spüren gekriegt haben das auch die Angestellten.

Der städtische Energieversorger EWB verzeichnete im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Gewinnrückgang.
Der städtische Energieversorger EWB verzeichnete im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Gewinnrückgang.
Urs Baumann

Mehr Fernwärme, ein Rekord bei der Kehrrichtverwertung, dazu höhere Investitionen in die Elektromobilität und die Gebäudetechnik: Im vergangenen Jahr ist Energie Wasser Bern seinem Ziel, zum Rundumanbieter in ­Sachen Energie zu werden, erneut ein Stück nähergekommen.

Längst ist die Beschaffung und der Verkauf von Strom – das frühere Geschäftsmodell – nur noch einer von vielen EWB-Tätigkeitsbereichen. Und angesichts der sinkenden Preise und Erträge im Stromgeschäftnicht mehr der wichtigste. «Im Zentrum stehen die Wünsche der Kunden. Ihnen bieten wir künftig eine massgeschneiderte Lösung», sagte EWB-Chef Daniel Schafer am Freitag bei der Präsentation der Jahreszahlen.

Fokus auf die Fernwärme

Dazu setzt EWB in diesem Jahr einen strategischen Schwerpunkt auf den Ausbau des Berner Fernwärmenetzes nach Westen – auch, weil der Fernwärme bei der Verwirklichung der städtischen Umweltziele eine zentrale Rolle zukommt. Der Energierichtplan sieht vor, dass bis 2035 die Wärmeversorgung von Bern zu 70 Prozent auf erneuerbaren Energien basieren soll. Bei der produzierten Fernwärme ist das schon heute der Fall: Weil in der Energiezentrale Forsthaus 2017 so viele Tonnen Kehricht CO2-neutral verwertet wurden wie nie zu vor, stieg der Anteil erneuerbarer Energie bei der Fernwärmeproduktion auf rund 80 Prozent.

Im kommenden Herbst beginnen die Bauarbeiten, damit die Quartiere Stöckacker, Bümpliz und Bethlehem ans Netz angeschlossen und mit Wärme aus der Energiezentrale Forsthaus versorgt werden können.

Die Neuausrichtung hatte im letzten Jahr aber auch Auswirkungen auf die Firmenstruktur. «Wir haben eine grundlegende Reorganisation durchgeführt», sagt Daniel Schafer. Deren Ziel sei die Einführung von flacheren Hierarchien gewesen. «Wir haben die alte Kaderstruktur abgeschafft.» An ihre Stelle sei eine Art Management nach Zwiebelprinzip getreten: mit Geschäftsleitung und Verwaltungsrat innen, umgeben von einem 15-köpfigen Strategieteam und interdiszilinären Umsetzungsteams.

Die Reorganisation trage dem Anspruch des Unternehmens als Gesamtenergiespezialist Rechnung, sagt EWB-Chef Schafer: «Früher standen die einzelnen Bereiche wie Strom, Gas oder Fernwärme im Fokus. Neu arbeiten wir nicht mehr primär bereichsorientiert, sondern suchen über alle Bereiche hinweg die beste Lösung für den Kunden.»

Dem Vernehmen nach sind nicht alle glücklich mit der Neuorganisation. Die Zuständigkeiten seien unklar, zudem würden die Ansprechspersonen ständig wechseln, beklagten Angestellte gegenüber dieser Zeitung. Er sei sich bewusst, dass es auch Verunsicherung gebe, bestätigte EWB-Chef Daniel Schafer. «Gerade im Bereich Netze sind viele von der Reorganisation betroffen.» Trotzdem sei die neue, funktionale Organisation die logische Folge der Neupositionierung. Nun liege es an den Führungskräften, die Zweifler davon zu überzeugen. Benjamin Bitoun

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