Ewige Jugend im Generationenhaus

Das Generationenhaus schärft sein Profil – mit neuer Struktur und einem kulturellen Jahresprogramm. Dafür verantwortlich zeichnet Detlef Vögeli, der vom Stapferhaus Lenzburg geholt wurde.

Neuer Wind im Generationenhaus: Leiter Till Grünewald (links) und Kurator Detlef Vögeli. Foto: Christian Pfander

Neuer Wind im Generationenhaus: Leiter Till Grünewald (links) und Kurator Detlef Vögeli. Foto: Christian Pfander

Stefanie Christ@steffiinthesky

Während in den überirdischen Gängen die Kinder mit ihren Puppenwagen herumtollen, eine Gruppe älterer Damen Karten spielt und Geschäftsleute im Café auf ihren Laptops herumtippen, wird im Keller des Berner Generationenhauses gebaut. In den katakombenartigen Räumen riecht es nach Holzspan, eine Tribüne wird an die grobsteinige Wand gezimmert.

Blätter mit Aussagen zum Altern liegen am Boden arrangiert und lassen erahnen, dass hier ab dem 27. April Wandbeschriftungen die Besucher leiten werden. Dann, wenn die Ausstellung «forever young. Willkommen im langen Leben» eröffnet.

Kuratiert wird die Ausstellung, für die in den vergangenen Monaten öffentlich Personen im Alter zwischen 10 und 100 Jahren für Videointerviews gesucht wurden, von Detlef Vögeli. Der Berner ist kein Unbekannter in der Schweizer Kulturlandschaft.

Während neun Jahren sorgte er mit seinen niederschwelligen, interdisziplinären Themenausstellungen im Lenzburger Stapferhaus national für Aufsehen, etwa mit «Geld. Jenseits von Gut und Böse» (2014–2016) oder der viel beachteten Schau «Heimat. Eine Grenzerfahrung» (2017–2018), für die unter anderem 1000 Personen zu ihrem Heimatverständnis befragt wurden.

Über das Altern

«Ich muss zugeben, es war nicht die einfachste Personalakquise», sagt Till Grünewald, Leiter des Berner Generationenhauses, mit einem Schmunzeln. Vor einem Jahr ist es ihm dennoch gelungen und seither arbeitet er zusammen mit Detlef Vögeli am ersten Jahresprogramm, das sich um Fragen der «Ageing Society» – zu Deutsch: alternde Gesellschaft – dreht.

«Das Zusammenleben der Generationen ist seit der Eröffnung im Oktober 2014 das Kernthema des Hauses. In Ergänzung zum generationenübergreifenden Beratungsangebot wollen wir künftig mit einem thematischen Programm den gesellschaftlichen Dialog über Generationenfragen anregen. Und uns damit noch stärker als Kompetenzzentrum für Generationenfragen positionieren», so Till Grünewald.

In der Eröffnungsausstellung will dies Detlef Vögeli auf seine bewährte Art tun: «Wir wollen einen Dialog über das Altern in einer alternden Gesellschaft anregen, ohne belehrend zu sein. Es ist uns wichtig, auf Augenhöhe mit dem Publikum zu kommunizieren und die richtigen Fragen aufzuwerfen – etwa, wie sich eine Gesellschaft des langen Lebens anders oder weiterdenken lässt.» 

Dafür stehen dem Projektleiter Vögeli im Untergeschoss des Generationenhauses ein langer Korridor und vier Ausstellungsräume zur Verfügung. Zugänglich wird «forever young» dereinst vom Bahnhofplatz aus sein. Der prominente Eingang soll in der Bevölkerung zusätzliches Bewusstsein für das Berner Generationenhaus schaffen.

Mitten im Leben

«Es war ein Wunsch aller eingemieteten Institutionen des Generationenhauses, dass ein Jahresprogramm entsteht», so Till Grünewald. Bisher wurden Veranstaltungen mit Partnern koordiniert, neu verantwortet das Generationenhaus also sein eigenes gesellschaftskulturelles Programm.

Für diese Neuausrichtung wurde auch die Struktur angepasst: Das Generationenhaus untersteht nun einer Kommission und nicht mehr direkt der Verwaltung der Burgergemeinde Bern – analog etwa zum Naturhistorischen Museum.

«Es ist ein spannendes Haus, ein komplexes Gebilde, in dem viele Fäden zusammenlaufen», sagt Detlef Vögeli. Er freue sich darauf, das gesamte Potenzial auszuschöpfen, schliesst er.

Dann schlendert Vögeli zusammen mit Till Grünewald vom Café des Generationenhauses zum pittoresken Innenhof. Dorthin, wo eine Gruppe älterer Männer im frühlingshaften Morgenlicht Boccia spielt, während die Kinder mit ihren Puppenwagen herumtollen.

Ausstellung «forever young»: ab 27.4., Generationenhaus Bern.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt