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Fahrlehrer kritisieren Verkehrsplaner

Jüngst kritisierte die FDP die Reduktion der Fahrspuren am Nordring als verfehlt. Peter Baumann, Präsident der Berner Fahrlehrer, bemängelte das Pilotprojekt bereits vor der Umsetzung. Und fand bei der Stadt kein Gehör.

Empörung am Nordring: Peter Baumann, Präsident der Berner Fahrlehrer, übte schon im April Kritik an der geplanten Verkehrsführung.
Empörung am Nordring: Peter Baumann, Präsident der Berner Fahrlehrer, übte schon im April Kritik an der geplanten Verkehrsführung.
Susanne Keller

Beim Wort Verkehrsplanung sieht Peter Baumann rot. Der Präsident der Interessengemeinschaft der Berner Fahrlehrer hat, wie er sagt, mit den städtischen Verkehrsplanern Frustrierendes erlebt. Das letzte Mal Anfang April, als diese ihn zwecks Orientierung über das Pilotprojekt am Nordring einluden. Zu Gunsten eines nicht befahrbaren Mittelstreifens sollte in beide Fahrtrichtungen eine Spur aufgehoben werden, dies die Absicht der Planer. Der Mittelstreifen soll die Fussgänger schützen, die die Strasse meist überall, nur nicht auf den Fussgängerstreifen überqueren. «Mit dem breiten Mittelstreifen ermutigt man die Fussgänger, die Strasse irgendwo zu überqueren», moniert Baumann.

«Machen, was wir wollen»

Aber auch die Umsetzung des Spurabbaus gleich nach der Kreuzung Viktoriarain/Nordring und unmittelbar vor der Bushaltestelle Gewerbeschule ist laut Peter Baumann «Unsinn». «Steht ein Bus an der Haltestelle, kommt es zu Rückstaus bis über die Kreuzung, was den Abbiegeverkehr in Schänzlistrasse und Viktoriarain behindert.» Auch sei der Spurabbau gefährlich, weil er so plötzlich komme.

Argumente, die von den Verkehrsplanern an der Sitzung im April abgeschmettert worden seien, sagt Baumann. «Sie erklärten: ‹Das haben wir so beschlossen. Einsprachemöglichkeiten gibt es keine. Der Nordring gehört der Stadt, und wir können dort machen, was wir wollen.» Tatsächlich wurde das Projekt wie geplant umgesetzt.

«Nachbessern, falls nötig»

Unsinnig findet Baumann auch die Situation bei der Haltestelle Morgarten. Bis zum Tellplatz werde der Individualverkehr einspurig geführt. Danach bis zur Bushaltestelle Morgartenstrasse wieder zweispurig und nach der Bushaltestelle wieder einspurig, weil dort die neue Busspur beginnt. Baumann: «Diese ist nicht entsprechend beschriftet, was gegen die eidgenössische Signalisationsverordnung ist.»

Verkehrsplaner Jukka Etter kennt die Bedenken Baumanns, betont aber, dass das Nordring-Projekt breit abgestützt sei. Weil ein Spurabbau vor der Kreuzung Viktoriarain/Nordring das Projekt unnötig vergrössert hätte, habe man davon abgesehen. Erfahrungsgemäss, würden die meisten Autofahrer ohnehin vor der Kreuzung die linke Fahrspur benützen. Deshalb, so Etter, sei der Spurabbau kein Problem. «Wir beobachten die Situation, falls es nicht funktioniert, werden wir nachbessern.»

Nachmarkiert werden solle die Busspur bei der Haltestelle Morgartenstrasse. Laut Etter ist die Strasse dort aber nicht zweispurig, sondern lediglich überbreit und biete nur Platz für das Nebeneinander von Personenwagen. Den Vorwurf, die neue Verkehrsführung ermutige die Fussgänger, die Strasse irgendwo zu überqueren, weist Etter zurück. Das Verhalten der Fussgänger sei nicht illegal (siehe Box). «Der breite Mittelstreifen soll lediglich Sicherheit bieten.»

«Mitreden dürfen wir nicht»

«Warum nachbessern, wenn man es von Anfang an richtig machen könnte?», fragt sich Peter Baumann. Ihn stört, dass die Planer sachliche Kritik und Verbesserungsvorschläge nicht ernst nähmen. Weil er von dieser Praxis genug hat, überlegt er sich, ob er noch für die Berner Fahrlehrer an der Info-Plattform Verkehr teilnehmen soll. Dort werden Vertreter von Pro Velo, der Fussgänger, des öffentlichen Verkehrs, des VCS und TCS von der Stadt über Verkehrsthemen informiert. «Mitreden dürfen wir aber nicht», sagt Baumann.

Verkehrsplaner Etter verteidigt dieses Vorgehen beim Nordring: Für die Vertreter der Verbände würden oft die eigenen Anliegen im Vordergrund stehen. «Die Stadt muss jedoch Lösungen finden, die möglichst allen Verkehrsteilnehmern gerecht werden.»

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