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«Falscher Zahnarzt» wollte im Gefängnis Arbeitslosengelder

Der Bieler Zahntechniker, der im März in erster Instanz wegen schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden war, stellte nur zwei Tage vor seiner Verurteilung einen Antrag auf Arbeitslosenentschädigung. Jedoch erfolglos.

Ein Zahntechniker soll in Biel ohne Bewilligung als Zahnarzt gearbeitet haben. Das Regionalgericht befand ihn für schuldig.
Ein Zahntechniker soll in Biel ohne Bewilligung als Zahnarzt gearbeitet haben. Das Regionalgericht befand ihn für schuldig.
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Der Mann war als «falscher Zahnarzt von Biel» in die Schlagzeilen geraten, nachdem er während Jahren Patienten unsachgemäss zahnmedizinisch behandelt hatte. So schliff er unnötigerweise Zähne ab. Seine Opfer mussten sich später schmerzvollen Nachbehandlungen bei richtigen Zahnärzten unterziehen.

Noch während des laufenden Strafprozesses vor dem Regionalgericht Biel stellte der Mann am 22. März dieses Jahres einen Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. Mai, wie aus dem am Dienstag publizierten Urteil des Verwaltungsgerichtes des Kantons Bern hervor geht.

Am 24. März verurteilte ihn das Regionalgericht zu einer Freiheitsstrafe von 4,5 Jahren und zu einem fünfjährigen Berufsverbot. Der Mann wurde noch im Gerichtssaal verhaftet und in Sicherheitshaft gesetzt. Das Gericht sah die Gefahr, dass der Mann, dessen Vorgehen es als «äusserst uneinsichtig, unbelehrbar und dreist» bezeichnete, sonst einfach weitermachen würde.

Beschwerde gegen beco-Entscheid

Am 1. Juni liess der Mann die Regionale Arbeitsvermittlungsstelle (RAV) wissen, dass er im Gefängnis sitze und es ihm deswegen nicht möglich sei, am ersten Beratungsgespräch beim RAV teilzunehmen. In der Folge entschied das Berner Wirtschaftsamt beco, dass der Versicherte nicht anspruchsberechtigt sei.

Dagegen wehrte sich der Zahntechniker beim Verwaltungsgericht. Er behauptete in seiner Beschwerde, die Sicherheitshaft sei lediglich für sechs Monate angeordnet worden, so dass er ab 26. September anspruchsberechtigt sei. Am 16. September forderte ihn das Gericht auf, den genauen Zeitpunkt der Haftentlassung sowie sein danach gültiges Domizil anzugeben.

Nachdem er dieser Aufforderung nicht Folge geleistet habe und «eine Internetrecherche» ergab, dass es sich bei dem verurteilten Zahntechniker «offensichtlich um den Beschwerdeführer handeln muss», verzichtete das Gericht auf weitere Abklärungen zur Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen und wies die Beschwerde ab.

Urteil Obergericht steht noch aus

Über das Urteil des Bieler Regionalgerichtes wird noch das Obergericht zu befinden haben. Der verurteilte Zahntechniker hatte Berufung eingelegt. Vor erster Instanz hatte sein Verteidiger einen Freispruch gefordert. Das Gericht ging mit dem Strafmass von 54 Monaten gar über den Antrag der Anklage (44 Monate) hinaus.

Es hätte dem Mann gar eine Freiheitsstrafe von 5,5 Jahren (66 Monate) aufgebrummt, gewährte aber einen «Rabatt» von 12 Monaten, weil das Strafverfahren zu viel Zeit in Anspruch genommen hatte.

Die Machenschaften des «falschen Zahnarztes» hatten in Biel schon vor Jahren zu reden gegeben. 2009 kritisierte die Bieler Zahnarztgesellschaft, es sei «schwer verständlich», dass die Justiz das Treiben des Mannes nicht unterbunden habe.

Offenbar liess sich der Mann auch von zwei Berufsausübungsverboten, der Schliessung seiner Praxis und einer einmonatigen Untersuchungshaft vorerst nicht stoppen. Bis ins Jahr 2015 «behandelte» er weiterhin Patienten.

SDA/mib

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