Zum Hauptinhalt springen

Migros springt ab – Fast Food steigert den Umsatz

Bis vor drei Jahren hat die Spavetti AG der Migros-Aare Frischgemüse ge­liefert. Als die Migros dieses bei den Produzenten bezog, brach bei Spavetti der Umsatz ein. Rettung brachte die steigende Nachfrage nach Con­venience-Produkten.

Schneiden, waschen, schleudern: Der Migros-Beutelsalat wird bei der Spavetti AG mit modernsten Maschinen produziert.
Schneiden, waschen, schleudern: Der Migros-Beutelsalat wird bei der Spavetti AG mit modernsten Maschinen produziert.
Stefan Anderegg

«Noch näher beim Produzenten» titelte die Migros Aare im Juni 2014 eine Medienmitteilung und erklärte, man werde für das Label «aus der Region, für die Region» die Gemüseproduzenten vermehrt bei der Anbauplanung unterstützen. Als Dienstleistungsplattform werde die Obst- und Gemüsezentrale(OGZ) in Ins definiert, hiess es weiter.

OGZ ist ein Dienstleister des Landi-Riesen Fenaco und kümmert sich seither um das Verpacken und Liefern von regionalem Frischgemüse für die Migros Aare. Vorher tat das unter anderem die Spavetti AG in Kerzers. Als die Gemüsegrossistin kein Frischgemüse mehr an Migros Aare liefern konnte, musste sie einen Umsatzeinbruch von 10 Prozent in Kauf nehmen.

Bei der Spavetti AG relativiert man diesen Rückgang. VR-Präsidentin Daniela Spavetti betont, dass andere Migros-Genossenschaften nach wie vor mit Frischgemüse beliefert würden. «Zudem hat uns die Migros Aare rechtzeitig informiert. Sie war fair und reduzierte die Gemüsebezüge sukzessive innert dreier Jahre», sagt Spavetti.

Keine Entlassungen

Schon 2010 hatte die Firma ihren Schwerpunkt in den Bereich Convenience verlagert. Zusätzlich abgefedert wurde der ­Umsatzeinbruch mit einem veränderten Verhalten der Konsumenten, die vermehrt auf Convenience setzen, das heisst, auf genuss- und pfannenfertige Salate und Gemüse. «Damit generieren wir jetzt 70 Prozent unseres Umsatzes», sagt Geschäftsführer Olivier Grimm.

Im Bereich Convenience verzeichnet Spavetti seit 2011 einen Umsatzzuwachs von über 20 Prozent. Dies auch, weil der Kerzerser Gemüsegrossist immer mehr Gastrobetriebe mit bereits gewaschenen, gerüsteten und geschnittenen Salaten und Gemüsen beliefert. Der Trend, dass heute niemand mehr mühsam Gemüse und Salat zu­bereiten will, kommt Spavetti entgegen. Zudem sparen Gas­trobetriebe mit Convenience-Produkten Personal und Geld.

Die Spavetti AG produziert ihre Convenience-Produkte im Detailhandel ausschliesslich für den orangen Riesen. Dank dem Trend zu Bequemlichkeit bezieht die Migros Aare Salate in Beuteln und Schalen in immer grösseren Mengen. Deshalb führte der Abbau beim Frischgemüse nicht etwa zu Entlassungen. «Wir verschoben das Personal in den Convenience-Bereich und investierten dort mehrere Millionen Franken in neue Maschinen», sagt Grimm.

Migros Aare spart nicht

Neu gibt es zwei Produktionsstrassen für Convenience-Salat: Nach dem Schneiden fährt dieser auf dem Fliessband durch drei eiskalte Bäder, wird zum Schluss geschleudert und verpackt. Aber auch für diese hocheffizienten Maschinen braucht es Menschen: Sie füttern das Fliessband mit Salat, kontrollieren, stoppen bei Problemen, geben je nach Rezeptur von Hand Kabis oder Karotten dazu, wägen und etikettieren die Salatbeutel, wenn es die Verpackungsmaschine aus irgendeinem Grund nicht tut.

Bei der Migros Aare begründet man den Direkteinkauf von Frischgemüse bei den Produzenten so: «Damit generieren wir ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis für unsere Kundschaft», schreibt die Pressestelle. Und: «Die Produktion kann besser auf die Marktlage abgestimmt werden». Die Migros Aare spare aber kein Geld, sondern investiere in eine «leistungsfähige Gemüseregion».

Setzen auf Convenience: VR-Präsidentin Daniela Spavetti und Geschäftsführer Olivier Grimm mit Fertigsalat aus dem Seeland. Bild: Stefan Anderegg
Setzen auf Convenience: VR-Präsidentin Daniela Spavetti und Geschäftsführer Olivier Grimm mit Fertigsalat aus dem Seeland. Bild: Stefan Anderegg

Hinter den Kulissen wird allerdings gemunkelt, die Migros Aare optimiere das Geschäft auf Kosten von Dritten, Angestellte von Spavetti würden deshalb Minusstunden anhäufen. Das könne vorkommen, aber saisonbedingt, sagt Olivier Grimm. Dafür würden die Mitarbeitenden im Sommer oft Überstunden schieben.

Bleibt die Frage, welche Vorteile der Slogan «näher zum Produzenten» für die Gemüsebauern hat. Kriegen sie mehr Geld für ihre Produkte? Nein. Ulrich Kilchhofer, Präsident der Genossenschaft Gemüseerzeuger Seeland, sagt: «Gemeinsam mit dem Obst- und Gemüsezentrum in Ins sind wir näher an der Migros Aare und können schneller auf die Kundenbedürfnisse reagieren.» Er ist überzeugt, dass damit die Gemüseanbauregion gestärkt wird, was sich langfristig auch positiv auf die Produzentenpreise auswirken könnte.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch