Forscher suchen Therapien nach Mass

Bern

Massgeschneiderte Therapien sind das nächste grosse Ding in der Medizin. Die Universität Bern und das Inselspital haben ein Zentrum eingeweiht, das den Medizinstandort Bern stärken soll.

Professor Mark Rubin vor der Biobank des Inselspitals, in der 2,2 Millionen Proben von Körperflüssigkeiten lagern.

Professor Mark Rubin vor der Biobank des Inselspitals, in der 2,2 Millionen Proben von Körperflüssigkeiten lagern.

(Bild: Adrian Moser)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Die Erwartungen sind hoch: Die Universität Bern und das Inselspital haben am Montag das Zentrum für Präzisionsmedizin eingeweiht. Oder wie es modern auf Englisch heisst, das Bern Center for Precision Medicine. Das Zentrum hat zum Ziel, neue massgeschneiderte Medikamente und Methoden zu entwickeln, die die Qualität der Behandlungen erhöhen.

Die Berner Regierungsrätin Christine Häsler (Grüne) sagte an der Eröffnungsfeier von am Montagabend, dass der Regierungsrat sofort von diesem Projekt begeistert gewesen sei. Und sie fügte an: «Mir persönlich gefällt an der Idee der Präzisionsmedizin, dass der Mensch nicht als Massenphänomen behandelt wird, sondern dass die persönlichen Umstände jedes Patienten bei der Behandlung berücksichtigt werden.»

Die Medizin der Zukunft

Professor Mark Rubin ist der Leiter des Zentrums. Der 57-jährige US-Amerikaner verfügt über internationale Erfahrung in diesem Bereich. Er war Co-Leiter des entsprechenden nationalen Programms in den USA. «Die Präzisionsmedizin ist die Medizin der Zukunft. Sie hat zum Ziel, Patienten die richtige Therapie zur richtigen Zeit zu ermöglichen», sagte er bei der Eröffnung.

Die Präzisionsmedizin bezieht individuelle Merkmale wie genetische Prädisposition, Umweltfaktoren oder Lebensstil von Patienten in die Behandlung mit ein. Durch den Einbezug dieser Faktoren können Behandlungen massgeschneidert werden. So lassen sich Nebenwirkungen vermeiden und bei teuren Behandlungen Kosten sparen.

Ein mögliches Einsatzgebiet ist der Kampf gegen den Krebs. Sie ermöglicht die Entwicklung von Therapien, bei denen beispielsweise das körpereigene Immunsystem im Kampf gegen die Krankheit mobilisiert wird. Hier stossen bisherige Therapien an Grenzen, weil sie davon ausgehen, dass der Körper bei allen Menschen ähnlich oder gleich funktioniert. Patienten reagieren bei komplexen Krankheiten wie Krebs auf Therapieversuche aber unterschiedlich.

Sieben Projekte ausgewählt

Das neue Zentrum wird nicht in einem neuen Gebäude eingerichtet, sondern als Plattform mit einem kleinen Stab an Personal funktionieren. Diese wird interdisziplinäre Forschungsprojekte mit finanziellen Beiträgen anstossen und begleiten.

Wie Rubin am Montagabend bekannt gab, haben die Verantwortlichen sieben Forschungsprojekte ausgewählt, die das Zentrum finanziell unterstützen wird. Die entscheidende Frage für den Erfolg des Zentrums wird sein, wie gut es ihm gelingen wird, die Forscher an der Universität und am Inselspital zur Wahl neuer Wege zu motivieren.

Das Zentrum finanziert sich aus Mitteln der Universität und der Insel-Gruppe sowie aus Drittmitteln. Der Regierungsrat fördert die Gründung mit einem einmaligen Beitrag von 3 Millionen Franken. Bildungsdirektorin Christine Häsler machte klar, dass die Regierung auch ein Signal senden will: «Bern wird seinem Anspruch gerecht, ein führender Medizinstandort der Schweiz zu sein.»

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