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Freispruch für die Kontrolleurin

Der Afrikaner fuhr schwarz und wurde erwischt. Flugs gab er an, die Kontrolleurin habe ihn «Bananenfresser» geheissen. Nein, sagt das Obergericht – aus Mangel an Beweisen.

Eine Billetkontrolle geriet ausser Kontrolle (Symbolbild).
Eine Billetkontrolle geriet ausser Kontrolle (Symbolbild).
Keystone

Hat sie dem jungen Schwarzfahrer wirklich «Bananenfresser» ausgeteilt? Oder war am Nachmittag des 30. März 2013 auf dem Perron einer S-Bahn-Station in der Region Zürich nicht vielmehr von einem «Bananenland» die Rede? Oder vielleicht sogar von einer «Bananenrepublik»?

Auch nach über vier Jahren beschäftigt sich die Justiz mit einer Billettkontrolle, die ausser Kon­trolle geriet. Beteiligt war neben dem Schwarzfahrer die Kontrolleurin, die, so der Afrikaner, das verhängnisvolle Wort in den Mund genommen haben soll. Dazu ein zweiter Kontrolleur. Und ein Kollege des jungen Schwarzen – seine Aussagen lassen das Obergericht nun derart zweifeln, dass es das Urteil des Einzelgerichts in Bern umstösst und die Kontrolleurin freispricht.

Für den Kanton hat dies Verfahrens- und Verteidigerkosten von gegen 20'000 Franken zur Folge. Notabene für einen Fall aus Zürich, denn ursprünglich hatte der Afrikaner in Bern, wo er ebenfalls ohne gültiges Billett erwischt worden war, ein ähnliches zweites Verfahren angestrengt. Allein, diesmal erwiesen sich die Vorwürfe gegen das Kontrollpersonal von vornherein als haltlos, die Untersuchung wurde eingestellt. Weil Bern aber mittlerweile für beide Dossiers zuständig war, blieb die Geschichte aus Zürich letztlich an Bern hängen.

Bananen in allen Varianten...

Doch der Reihe nach. Als Richter Sven Bratschi die Kontrolleurin in erster Instanz zu einer bedingten Geldstrafe von 1600 Franken und einer Genugtuung von 500 Franken verurteilte, war klar: Der junge Schwarze hatte sich den «Ba­na­nen­­fresser» anhören müssen. Bratschi hielt zwar fest, dass Schwarzfahrer aus Afrika gerne mit Rassismusvorwürfen reagieren. Gleichzeitig betonte er aber, dass der Betroffene stimmig ausgesagt habe. Sein Urteil stützte er auch auf den zweiten Kontrolleur ab. Dieser hatte das Wort zwar so nicht gehört. Er hielt aber fest, dass die Kontrolleurin den Afrikaner aufgefordert habe, «zurück in den Busch» zu gehen.

Demgegenüber erinnert das Obergericht an den Kollegen des Afrikaners. Auch er wusste nichts vom «Bananenfresser», in seiner Version hatte die Kontrolleurin dem Schwarzfahrer vielmehr erklärt, die Schweiz sei «kein Bananenland». Auf Französisch übrigens, was für die erste Strafkammer unter Oberrichter Jean-Pierre Vicari all die Unsicher­heiten nur verstärkt: Vielleicht habe sie auf gut Deutsch auch gemeint, die Schweiz sei «keine Bananenrepublik».

Und ja, sogar wenn sie tatsächlich «mangeur de bananes» gesagt hätte, müsste das nicht zwingend «Bananenfresser» heissen. Der Ausdruck lasse sich auch weniger zugespitzt mit «Bananenesser» übersetzen.

... nähren die Zweifel

Für das Obergericht bleiben in dieser Situation «erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel» daran, dass die Kontrolleurin dem jungen Schwarzfahrer «Bananenfresser» ausgeteilt hatte. Nach dem Grundsatz «im Zweifel für die Angeklagte» sei sie frei­zusprechen.

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