Für den Fall der Fälle

Asylwesen

Nach langen und zähen Verhandlungen hat Lyss eine Betriebs-und eine Sicherheitsvereinbarung zum Bundesasylzentrum Kappelen unterzeichnet.

<b>Asylsuchende im Zentrum Kappelen:</b> Lyss will Konflikten mit der Bevölkerung zuvorkommen.

Asylsuchende im Zentrum Kappelen: Lyss will Konflikten mit der Bevölkerung zuvorkommen.

(Bild: BT)

Sheila Matti

Eigentlich hat Lyss keine grösseren Probleme mit dem Bundesasylzentrum Kappelen, das jenseits der Gemeindegrenze bereits auf Kappeler Boden steht. «Bisher haben wir mehrheitlich gute Erfahrungen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern gemacht», sagt Gemeindeschreiber Daniel Strub.

Natürlich kann es rasch auch zu Unstimmigkeiten kommen – beispielsweise wenn eine grössere Gruppe Asylsuchende am Lyssbach zusammensitzt und es etwas lauter wird. In solchen Fällen könne sich manch ein Dorfbewohner durchaus gestört fühlen.

Wie man in solchen Situationen genau vorgeht, wer informiert wird und welche Schritte unternommen werden – all dies ist mittlerweile fix geregelt. Gemeinsam mit dem Bund, dem Kanton und Kappelen erarbeitete Lyss eine Betriebs- sowie eine Sicherheitsvereinbarung für das Bundesasylzentrum, welche nun von allen Parteien genehmigt wurden.

Ein direkter Kontakt

Besonders wichtig sei das Thema Sicherheit gewesen, erklärt Daniel Strub. Konkret vereinbart wurde mit dem Kanton, dass die Gemeinde bei weniger gravierenden Situationen selbst geeignete Massnahmen anordnen kann.

Im Falle der Gruppe am Lyssbach würde wohl ein Gemeindemitarbeiter den ersten Kontakt herstellen und schlichten. «Wenn der Fall hingegen grössere Auswirkungen hätte, es zu einer Gefahr oder einem Strafdelikt käme, müsste die Kantonspolizei eingreifen», sagt Strub.

In der Vereinbarung sind auch die genauen Abläufe sowie die konkreten Zuständigkeiten von Kanton und Gemeinde geklärt. Unter anderem verfügt Lyss über einen direkten Kontakt zum Asylzentrum.

Dort könnte man im Beispiel der feiernden Gruppe nachfragen, ob nicht auch die Betreuer mit den Bewohnern sprechen würden. «Die Angestellten des Zentrums könnten dann an die Asylsuchenden appellieren, ihr Verhalten im öffentlichen Raum entsprechend anzupassen.»

Gegen ein zweites Zentrum

Grundsätzlich handle es sich bei der Vereinbarung um eine präventive Massnahme, so Strub: «Zurzeit sind die Lysserinnen und Lysser den Asylsuchenden gegenüber positiv gestimmt. Wir wollen einfach nicht, dass etwas passiert, was die Stimmung kippen lässt.» Künftig könnte sich die Situation nämlich durchaus ändern. Aktuell leben etwas über 50 Menschen im Bundesasylzentrum Kappelen. Im August soll indes mit dessen Ausbau auf270 Plätze begonnen werden.

Hinzu kommt, dass der Bund nach wie vor das Zeughaus als möglichen Standort für ein zweites Bundesasylzentrum in Betracht zieht. Dieser Umstand verunsichere die Bevölkerung sehr, betont Daniel Strub. «Wir stehen zwar hundertprozentig hinter dem aktuellen Zentrum, lehnen ein zweites aber zweihundert prozentig ab.»

Berner Zeitung

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