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Für Teuscher gehört der Gaskessel zu Berns Sehenswürdigkeiten

Am Tag der offenen Clubtür herrschte auf einem Podium Einigkeit, dass der Gaskessel eine Zukunft hat und sich nicht einfach verschieben lässt - oder höchstens an den Rand des heutigen Areals.

Was macht den Gaskessel so einzigartig? Zum Beispiel, das die Gebäudehülle Sprayern zur Verfügung gestellt werden kann, findet Max Reichen vom Gaskessel-Vorstand.
Was macht den Gaskessel so einzigartig? Zum Beispiel, das die Gebäudehülle Sprayern zur Verfügung gestellt werden kann, findet Max Reichen vom Gaskessel-Vorstand.
Urs Baumann

42 Jahre nach der Gründung steht das Berner Jugend- und Kulturzentrum Gaskessel offenbar zur Disposition. Ein Podium am Tag der offenen Clubtür der Bar- und Clubkommission Bern (Buck) jedenfalls diskutierte die Frage: «Gibt es eine Zukunft für den Gaskessel?» Für die Teilnehmer des Podiums unter der Leitung von BZ-Stadtchef Wolf Röcken stand fest: Ja, solange sich Jugendliche dort engagieren wollen und ein Publikum finden, solange gehört der «Chessu» zu Bern.

Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) strich die Einzigartigkeit des Gaskessels hervor. «Die Mitwirkung Jugendlicher im Gaskessel ist schweizweit einmalig.» Für Teuscher müsste deshalb Bern Tourismus eigentlich dafür sorgen, dass Touristen nicht nur Bundeshaus und Münster, sondern auch den Gaskessel besichtigten.

2010 in der Krise

«Der Gemeinderat hält am Gaskessel fest, etwas anderes hat er nie gesagt», so Teuscher. Damit drückte sie indirekt aus, dass es sich um Sololäufe handelt, wenn Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) gelegentlich verbal am «Chessu» rüttelt. «Ich mache mir um den Gaskessel keine grossen Sorgen», sagte Teuscher. «In Bern ist kaum ein Projekt politisch so breit abgestützt.»

Auch für Stephan Wyder, den Geschäftsleiter des Trägervereins für die offene Jugendarbeit der Stadt Bern (TOJ), ist der Gaskessel «aus dem Nachtleben und der Jugendkultur Berns nicht wegzudenken». 2010 sei dies noch anders gewesen, als finanzielle Probleme bekannt wurden und umstritten war, ob der Gaskessel sein Zielpublikum erreiche.

Zu den kritischen Stimmen gegenüber dem Gaskessel hatte auch Christian Pauli gehört, der Präsident des Verbands Berner Kulturveranstalter bekult. Heute sieht er das Zentrum wieder auf Kurs und glaubt, dass die Diskussionen über den «Chessu» ihren Anteil daran haben. Zudem sei es «ganz normal und gut, dass Institutionen mit einem gewissen Alter regelmässig in Frage gestellt werden», so Pauli.

«Konflikte lassen sich lösen»

Angesichts der Einigkeit auf dem Podium stellte sich die Frage, wieso überhaupt über die Zukunft des Gaskessels diskutiert wird. Weil er der Planung auf dem Gaswerkareal offensichtlich im Weg steht, zum Beispiel.

Der vierte Podiumsteilnehmer, Max Reichen vom Gaskessel-Vostand, glaubt indes an die Koexistenz von Neubau-Wohnungen und Jugendzentrum. «Wohnen und Jugendkultur gehen schon heute aneinander vorbei», sagte er. «Aber Luxuswohnungen gleich neben unserem Hinterausgang, das funktioniert natürlich nicht.»

Gemeinderätin Teuscher wies darauf hin, dass der Gaskessel Teil der Gaswerkplanung sei. «Nutzungskonflikte lassen sich lösen», sagte Teuscher, die sich allenfalls eine Verschiebung des Gaskessels auf dessen heutigem Areal vorstellen könnte.

Einig war sich die Runde in einem weiteren Punkt: Der neue Jugendraum, der an der Nägeligasse entstehen soll, ist eine Ergänzung des Gaskessels. Es brauche heute ein breiteres Angebot als das bestehende, sagte Pauli. «Das grösste Defizit gibts bei Angeboten für 14- bis 18-Jährige», ergänzte Wyder vom TOJ.

Dass in der Innenstadt nicht möglich ist, was im «Chessu» funktioniert, davon ist Max Reichen überzeugt. Nur schon deshalb, weil im Gaskessel die Gebäudehülle Sprayern zur Verfügung gestellt werden könne. «Ich bin nicht sicher, ob dies an der Nägeligasse auch in Frage käme.»

Drei von vier von auswärts

Ein Problem des Gaskessels ist, dass bei den ganz Jungen nicht viel Geld zu holen ist.Um das schmale Budget aufzubessern, versuche man, die Räume möglichst oft zu vermieten, erzählte Reichen.

Wie Teuscher hofft er, dass die Finanzierung des Gaskessels wieder in den kantonalen Lastenausgleich integriert wird. Schliesslich stamme nur ein Viertel der Besucher aus der Sadt Bern. «Im Februar entscheidet das Kantonsparlament über einen entsprechenden Vorstoss», so Teuscher. Falle der Entscheid negativ aus, werde sie auf die Regionsgemeinden zugehen.

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