GC-Ultras stehen wegen Attacke auf YB-Fans vor Gericht

Rund 30 GC-Ultras attackierten im Herbst 2016 YB-Fans, die sich im Stadionrestaurant Eleven aufhielten. Am Dientag standen deshalb drei Männer vor Gericht.

Die GC-Fans während des Cupspiels in Bern. Vor dem Match hatten rund 30 vermummte Ultras YB-Fans angegriffen.

Die GC-Fans während des Cupspiels in Bern. Vor dem Match hatten rund 30 vermummte Ultras YB-Fans angegriffen.

(Bild: Peter Klaunzer)

Michael Bucher@MichuBucher

Der 26. Oktober 2016 ist ein lauer Herbstabend. Es ist Matchtag in Bern. Vor dem YB-Cupspiel gegen die Grasshoppers herrscht beim Stadionrestaurant Eleven friedliche Stimmung. Männer, Frauen und auch Kinder – sie alle sitzen gemütlich auf der Terrasse und freuen sich auf einen spannenden Match.

Um circa 19.15 Uhr ist fertig mit friedlicher Biergartenstimmung. Blitzschnell sammeln sich auf dem Quartierplatz des Stade de Suisse rund 30 – teils vermummte – GC-Fans und stürmen das Restaurant. Tische, Stühle, Flaschen – die gewaltbereite Horde schnappt sich alles, was sie zu Greifen bekommt und wirft es nach den Gästen. Bei ihrer Flucht Richtung Sempachstrasse stellt sich den Ultras ein zweiköpfiges Dialogteam der Kantonspolizei Bern in den Weg. Die beiden werden von vier Chaoten bedroht, der eine kassiert sogar einen Fusstritt in die Rippen. Danach rennen die Täter davon.

Am Dienstag standen drei Männer vor dem Regionalgericht, die verdächtigt werden, bei der orchestrierten Gewaltorgie mit dabei gewesen zu sein. Zwei von ihnen wehren sich gegen den Strafbefehl. Gegen den dritten im Bunde wurde Anklage erhoben. Alle drei bestreiten, bei den Angriffen beteiligt gewesen zu sein. Heute wird das Urteil gefällt.

Marschbefehl via Whatsapp

Wer sind die Männer? Da hätten wir den 39-jährigen Sozialhilfeempfänger. Ein grobschlächtiger Hüne mit grauem Vollbart und voll tätowiertem Schädel. Seit sieben Jahren ist er arbeitslos. Er vermutet, dies habe mit seinem Aussehen zu tun.

Warum er trotz Stadionverbot damals in Bern war, will die Richterin wissen. Wie bei allen Antworten meint er nur: «Dazu sage ich nichts.» Der zweite Mann, der sich gegen den Strafbefehl wehrt, gibt sich etwas weniger wortkarg. Er habe den Überfall lediglich von einem Essstand aus beobachtet, beteuert der 28-jährige Chauffeur. Bleibt noch der dritte Angeklagte. Glatt rasiert, mit flach gegelten Haaren und in blauem Hemd sitzt er vor der Richterin. Auch der 33-jährige Dachdecker verweigert vor Gericht die Aussage.

Die Staatsanwaltschaft sieht in ihm den Drahtzieher des Angriffs. Neben einer Freiheitsstrafe von 11 Monaten fordert sie für den gebürtigen Deutschen einen Landesverweis. Aus der Anklageschrift geht hervor, dass der Mann mit zwei weiteren Personen über eine Chatgruppe den Aufmarsch von gewaltbereiten GC-Anhängern geplant haben soll. Am Vortag des Matchs erfolgte via Whatsapp eine Art Marschbefehl. Darin enthalten waren ein Dresscode (blaue Jeans und schwarze Jacken) und Anweisungen für die Anreise.

Von Stuhl am Kopf getroffen

Als Zeuge geladen war am Dienstag ein Mann, der beim Angriff von einem Stuhl getroffen worden war. Er sei mit einem Kollegen auf der Terrasse gestanden, «da hat es plötzlich an meinem Kopf «tschäderet» und ich ging zu Boden». Verletzt hat er sich dabei nicht gross. Was ihn mehr beschäftigte: «Ich war sonst immer mit meinen Töchtern dort, an jenem Tag zum Glück nicht.» Einer der Polizisten bringt bei der Zeugenbefragung den Wahnsinn an diesem Tag mit einer rhetorischen Frage auf den Punkt: «Ich fragte mich: Was hat das noch mit Fussball zu tun?»

Berner Zeitung

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