Zum Hauptinhalt springen

Gespräch mit Mutterhaus - Mayr-Melnhof beharrt auf Position

Der österreichische Karton-Hersteller Mayr- Melnhof hat sich am Mittwoch mit einer Delegation der geschlossenen Karton Deisswil in Wien getroffen. Im Gegenzug für das Gespräch verzichteten über 100 nach Wien gereiste «Deisswiler» auf eine Protestkundgebung vor Ort.

Gewerkschafter Pardini: Er stimmt die Gewerkschafter auf einen harten Kampf ein.
Gewerkschafter Pardini: Er stimmt die Gewerkschafter auf einen harten Kampf ein.
Stefan Anderegg
Der Kampf ist vorbei, die schwarze weht Flagge als Symbol für Trauer, Wut und Ohnmacht: Deisswil wird definitiv geschlossen
Der Kampf ist vorbei, die schwarze weht Flagge als Symbol für Trauer, Wut und Ohnmacht: Deisswil wird definitiv geschlossen
Iris Andermatt
Die Demonstranten skandierten Slogans wie «Giu le mani»: Finger weg von der Fabrik.
Die Demonstranten skandierten Slogans wie «Giu le mani»: Finger weg von der Fabrik.
Claudia Salzmann
1 / 22

Mayr-Melnhof-CEO Wilhelm Hörmanseder hatte der Deisswiler Delegation am Mittwochmorgen seine Gesprächsbereitschaft signalisiert und sich bereit gezeigt, persönlich an Verhandlungen über Alternativen zur Schliessung der Kartonfabrik im bernischen Deisswil zu diskutieren.

In dem Gespräch hätten die Mitglieder der Delegation kritische Fragen gestellt und «Dampf gemacht», schilderte Roland Herzog von der Gewerkschaft Unia die Situation. Hörmanseder habe sich konziliant gezeigt und Verständnis für die rund 250 von der Schliessung betroffenen Mitarbeitenden gezeigt. Von seiner Position und dem Schliessungsentscheid sei Hörmanseder aber nicht abgerückt.

Wichtige Forderung erfüllt

Mit der Gesprächszusage habe Mayr-Melnhof eine wichtige Forderung erfüllt, teilte die Gewerschaft bereits am Vormittag mit. Die Belegschaft hatte die Rücknahme des Schliessungsentscheids und die Einrichtung eines Runden Tisches gefordert, um Alternativen zur Schliessung zu suchen.

Eine Möglichkeit wäre nach Ansicht der betroffenen Schweizer Belegschaft, dass ein anderes Unternehmen die Kartonfabrik übernimmt und weiterführt. Ein endgültiger Entscheid des Mayr-Melnhof- Verwaltungsrates wird am 10. Mai erwartet.

Knall auf Fall geschlossen

Am 7. April hatte Mayr-Melnhof die Karton Deisswil AG im Berner Mittelland Knall auf Fall geschlossen. Betroffen sind von dem Entscheid über 250 Mitarbeiter, viele von ihnen langjährige.

Die österreichischen Besitzer der Karton Deisswil bezeichneten den «drastischen Anstieg der Schweizer Emissionssteuern» als einen der Hauptgründe für die Schliessung. Dem widersprach das Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) heftig.

Die Kartonfabrik Deisswil müsse die CO2-Abgabe gar nicht zahlen. Sie habe sich 2008 verpflichtet, den CO2 mit verschiedenen Massnahmen - etwa der teilweisen Umstellung von Schweröl auf Erdgas - zu senken und sei deshalb von der CO2-Abgabe befreit worden.

Fahrt nach Wien

Rund die Hälfte der Deisswiler Belegschaft fuhr am Dienstag mit mehreren Bussen Richtung Wien. Anlässlich der Aktionärsversammlung des Mutterhauses wollten die «Deisswiler» eine Protestkundgebung durchführen und die österreichische Öffentlichkeit über die Vorkommnisse in der Schweiz informieren.

Der Verzicht auf die Kundgebung vom Mittwochmorgen sei ein «Zeichen des guten Willens» gewesen, schrieb die Gewerkschaft. Man habe nicht breitwillig auf die Kundgebung verzichtet, sondern den Entscheid intensiv in den eigenen Reihen diskutiert, sagte Herzog.

Da aber nicht die Kundgebung an sich das Ziel der Wien-Fahrt gewesen sei, sondern die Möglichkeit, den eigenen Standpunkt zu vertreten, habe man sich für den Verzicht entschieden.

Mayr-Melnhof kauft Aktien zurück

Anlass der Wien-Fahrt der «Deisswiler» war die Aktionärsversammlung des österreichischen Mutterhauses. An dieser Versammlung wurde beschlossen, das Grundkapital der Firma um acht Millionen Euro auf 80 Millionen zu senken und zwei Millionen eigene Aktien einzuziehen.

Die Gewerkschaft Unia hatte schon früher kritisiert, das österreichischen Mutterhaus schliesse «Deisswil», obschon es ihm finanziell gut gehe.

SDA

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch