Glück nach 29 Jahren

Münsingen

Bernhard und Maria Lüthi haben ihre Drogerie verkauft. Dass sie zwei Nachfolgerinnen gefunden haben, ist in einer immer schwieriger werdenden Branche nicht selbstverständlich.

Die alten und die neuen Inhaber: Bernhard und Maria Lüthi, Sarina Antener und Michelle Krügel (v.l.) vor der Naturathek.

Die alten und die neuen Inhaber: Bernhard und Maria Lüthi, Sarina Antener und Michelle Krügel (v.l.) vor der Naturathek.

(Bild: Christian Pfander)

Julian Seidl

In der Drogerie Lüthi in Münsingen ist viel los. Gerade betritt ein Kunde das Fachgeschäft. Die Ladentür öffnet sich, und ein Klingeln ertönt. Bernhard Lüthi grüsst freundlich. Ein gewohntes Bild, das es aber schon bald nicht mehr geben wird. Lüthi und seine Frau Maria haben entschieden, ihre Drogerie nach 29 Jahren zu verkaufen und verfrüht in den Ruhestand zu gehen.

Einige Wochen geht es aber noch bis zur Pensionierung. Bis dahin stehen die beiden noch in ihrem Fachgeschäft. So wie an diesem Novembermorgen. Bernhard Lüthi stützt sich mit dem rechten Arm auf eine weisse Kunststofftheke im hinteren Ladenbereich. «Naturathek» steht darauf geschrieben.

«Unser Markenzeichen», meint er, dreht sich um und zeigt auf die grasgrünen Regale hinter sich. Darin sind viele kleine Fläschchen zu erkennen. Lüthi und sein Team stellen diese Heilmittel selber her und bieten so den Kunden eine Palette aus Pflanzenheilkunde, Spagyrik, Schüssler-Salzen, Homöopathie und Aromatherapie an.

Das Erfolgsrezept

Die Naturathek ergänzt das Sortiment seit dem Umbau der Drogerie 2011. Dabei sei das neue Therapiekonzept zum Herzstück der Drogerie geworden. Es ermögliche dem Drogerieteam, die Bedürfnisse der Kunden auf ganz persönliche Art und Weise abzudecken. «Wir können Produkte herstellen, die ganz auf die Kunden und ihre Beschwerden abgestimmt sind», sagt Lüthi.

Der direkte Austausch mit seinen Klientinnen und Klienten ist für Lüthi das, was seine Drogerie ausmacht und womit sie sich gegen die vielen anderen Angebote der Online- und Detail­handelkonkurrenz behauptet: «Durch unser Fachwissen können wir unsere Kundinnen und Kunden kompetent und vor allem so informieren, dass sie verstehen, was sie brauchen und kaufen. Und das auf eine sehr individuelle Art und Weise.»

Der Erfolg der Drogerie Lüthi überrascht auch Heinrich Gasser nicht. Der Leiter Medien und Kommunikation des Schweizerischen Drogistenverbandes weiss, was es braucht, um als kleiner Betrieb im Dschungel der grossen Detail- und Onlinehändler bestehen zu können: «Das Gespräch mit dem Kunden, die ganz persönliche Beratung, ist ein zentraler Aspekt.

Damit können sich die Drogerien von anderen Angeboten wie beispielsweise dem eines Onlineverkäufers abheben. Der Einkauf im Internet kann das Kauferlebnis im Laden, wo man von Fachpersonal persönlich beraten wird, nicht ersetzen», sagt Gasser.

Zeit, zu gehen

Trotz dem Erfolg und Innovationen wie der Naturathek – Lüthis Entscheidung steht fest: Ende Dezember ist Schluss. Die beiden 60-Jährigen wollen wieder mehr Zeit für sich. «Wir haben 45 Jahre gearbeitet. Das reicht», sagt Bernhard Lüthi. Nach beinahe drei Jahrzehnten hinterlassen sie einen zukunftsweisenden und vielversprechenden Betrieb.

Das zeigt auch die Tatsache, dass sie zwei Nachfolgerinnen gefunden haben, die an ihren ­Betrieb glauben und ihn weiterführen wollen. Keine Selbstverständlichkeit, wie ein Blick auf die Website des Drogistenverbandes zeigt. Dort sind Ausschreibungen von Inhaberinnen und Inhabern von Drogerien aufgeschaltet, die nach einer Nachfolgelösung suchen. Und bei genauerem Hinsehen wird schnell klar: Nicht alle haben das Glück, so schnell Abnehmer für ihren Betrieb zu finden. Einige suchen monatelang.

Nicht so Lüthis. Die Nachfolge habe man bereits im Sommer 2015 geregelt. Und mit den langjährigen Mitarbeiterinnen, Sarina Antener und Michelle Krügel, habe man eine tolle Lösung gefunden, findet Bernhard Lüthi. Antener hat die Höhere Fachschule für Drogisten abgeschlossen. Sie weiss, wie man einen Betrieb führt. Krügel ist Drogistin und hat sich zur Tierheilpraktikerin und diplomierten Spagyrikerin weitergebildet.

«Eine tolle Kombination, nicht?», sagen Bernhard und Maria Lüthi und lachen. Dass sie schon bald nicht mehr jeden Tag in der Drogerie verbringen werden, mache ihnen keine Angst: «Im Gegenteil, wir freuen uns darauf, auch mal unter der Woche Zeit zu haben. Sonst hatten wir ja immer nur sonntags frei.»

Erneut öffnet sich die Ladentür. Eine neue Kundin steht im Eingang. Noch steht dort «Drogerie Lüthi». Bald wird es «üsi Drogerie» sein. Das «üsi» stehe auch für ihre Vorgänger, denen sie für ihr Vertrauen sehr dankbar seien, sagen Sarina Antener und Michelle Krügel.

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