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Grosse Wellen im Kino

Nächsten Dienstag ist Surffilmnacht in Bern. Ex-Surfprofi Takuji Masuda präsentiert vor Ort sein Werk «Bunker 77». Der Japaner porträtiert darin eine Kultfigur seines Sports. Leider ­fasert der Film zusehends aus.

Stefan Volk
Weiss, worüber er Filme macht: «Bunker 77»-Regisseur Takuji Masuda in Aktion.
Weiss, worüber er Filme macht: «Bunker 77»-Regisseur Takuji Masuda in Aktion.
PD

Noch nie von Bunker Spreckels gehört?

Kein Problem, es geht den meisten so. Unter eingefleischten Surffreaks freilich gilt er als Legende. Es ist daher kein Zufall, dass Takuji Masuda, Regisseur von «Bunker 77», einst selbst als Profisurfer aktiv war.

Masuda ist in den einschlägigen Kreisen bestens vernetzt. Seinen Film realisierte er mit der in Wollerau SZ ansässigen Produktionsfirma Endangered Spirit.

Dass es ihm nicht nur gelang, Surfgrössen wie Laird Hamilton oder Skateboard-Ikone Tony Alva vor die Kamera zu locken, sondern dass er neben Anthony Kiedis, dem Frontmann der Red Hot Chili Peppers, auch Trevor Groth vom Sundance Film Festival, Drehbuchautor und Oscarpreisträger Stephen Gaghan («Traffic») sowie Schauspieler Edward Norton («Fight Club») als ausführende Produzenten für sein Projekt zu gewinnen, liegt an der schillernden Biografie seines Protagonisten und dem wilden, halsbrecherischen Leben, das dieser auch jenseits der grossen Wellen führte.

Bunker Spreckels wurde 1949 als Adolph Bernard Spreckels III in ein Familienimperium hineingeboren, das sein Urgrossvater Claus Spreckels im 19. Jahrhundert zunächst in Kalifornien und später auf Hawaii als Zuckerfabrikant aufgebaut hatte. Bunker war 6 Jahre alt, als seine Mutter, die Schauspielerin Kay Williams, in vierter Ehe Hollywoodstar Clark Gable heiratete.

Schnittige Bretter

Als Jugendlicher mit prinzenblondem Haar versurfte Bunker seine Tage in den Wellen von Sunset und Pipeline Beach an der North Shore O’ahu. Mit extrem kurzen, schnittigen, bunt lackierten Brettern revolutionierte er den Surfsport, ehe er an seinem 21. Geburtstag 50 Millionen Dollar erbte. Fortan stürzte er sich nicht mehr nur in die grossen Wellen, sondern auch in ein ausschweifendes Jetset-Leben. Er war erst 27 Jahre alt, als er 1977 starb.

Ein kurzes, heftiges Leben, das genug Stoff für eine schrille Tragikomödie im Stile von «Boogie Nights» geliefert hätte. Masuda aber wählt für sein Regiedebüt einen dokumentarischen Ansatz, der in seiner buntscheckigen Vielfalt aus Interviews, Archivaufnahmen und animierten Sequenzen zusehends ausfasert.

Gut möglich, dass Masuda eine stringente Erzählform bewusst vermied. Wollte er für den tollkühn-lässigen Surferspirit jedoch ein stilistisches Äquivalent finden, gelingt ihm das nicht.

Grobkörnige Bilder

Zu Beginn seines Films taucht in einer kurzen Szene «Jack­ass»-Star Johnny Knoxville auf, dem es vor Freude die Sprache verschlägt, als er von bislang unveröffentlichten Aufnahmen erfährt, die Bunker beim Surfen zeigen.

Damit befeuert er die Hawaiiwellen-grossen Hoffnungen auf spektakuläre Surfbilder, die schon die Plakate und Trailer anheizten, die der Film dann aber zu keiner Zeit einzulösen vermag.

Natürlich ist es beeindruckend, mit welch spielerischer Leichtigkeit Bunker auf, unter und in sich turmhoch brechenden Wellen reitet. Solche Bilder aber bleiben zu selten, zu grobkörnig, zu unscharf, zu angestaubt, um dem Film ihren Stempel aufzudrücken.

«Bunker 77» ist ein spannender, experimentell – um nicht zu sagen ungelenk – montierter Streifen über einen Kultsurfer aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Ein Surffilm ist das Werk von Takuji Masuda nicht.

Surffilmnacht: Di, 13. Februar, 20.30 Uhr, Kino Bubenberg, Bern. Regisseur Takuji Masuda ist anwesend. Die Organisatoren der Surffilmnacht touren seit 2010 mit Surffilmen durch 20 europäische Städte. www.surffilmnacht.de

Die besten Surffilme aller Zeiten

The Endless Summer (USA 1966)

Die Urmutter des Surffilm-Genres. Ein Klassiker. Regisseur Bruce Brown begleitet zwei Surfer bei ihrer Suche nach den besten Surfspots von Kalifornien in den Senegal, nach Ghana, Nigeria, Südafrika, Aus­tralien, Neuseeland, Tahiti, Hawaii – und filmt sie beim Surfen. Das ist schlicht beeindruckend! 2002 wurde der Film von der amerikanischen Library of Congress als «kulturell, historisch oder ästhetisch besonders herausragend» ins National Film Registry aufgenommen.

Riding Giants (USA 2004)

Skateboard-Legende Stacy Peralta liefert in seinem Dokumentarfilm nicht nur einen Überblick über die Geschichte des Surfens, sondern auch atemberaubende Bilder vom Rodeo auf Riesenwellen, den Big Waves. Zu Wort kommen Surflegenden wie Jeff Clark und Laird Hamilton, der den Film mitproduzierte.

North of the Sun (Norwegen 2012)

Was man nicht alles tut, um ungestört zu surfen! Die norwegischen Freunde Inge Wegge und Jørn Ranum ziehen sich dafür neun Monate in eine abgelegene Bucht am Polarkreis zurück. Sie bauen sich eine Hütte aus Treibholz, sammeln Müll, surfen und filmen sich dabei. Zum Glück. Ein berührender Film über die verrückte Liebe zum Surfen, zum Meer und zu unserem Planeten.

Soul Surfer (USA 2011)

Sean McNamaras Hollywooddrama erzählt die wahre Geschichte der US-Profisurferin Bethany Hamilton (Annasophia Robb), die 2003 nach einem Angriff eines Tigerhais den linken Arm verlor. Bereits vier Wochen später stand sie wieder auf einem Surfbrett. Big-Budget-Produktion mit Starbesetzung (Helen Hunt, Dennis Quaid). Manchmal ziemlich kitschig. Aber eben auch wirklich schön kitschig!

Morning of the Earth (Australien 1971)

Alby Falzon und David Elfick proträtieren in diesem legendären Streifen spirituelle Surfer, die auf ihren Reisen rund um die Welt versuchen, im Einklang mit der Natur zu leben. Sie tun dies in Australien, auf Hawaii und als eine der Ersten auch auf Bali. Durch den Film wurde die indonesische Insel schnell zum Geheimtipp für Surfer und schliesslich zu einem beliebten Reiseziel des Massentourismus.

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