Kehrsatz

Haus steht der neuen Strasse im Weg

KehrsatzDie Gemeinde will ein Haus an der Zimmerwaldstrasse kaufen – und es wohl abreissen. Denn es behindert die Pläne für eine Strasse.

Zimmerwaldstrasse 19: Hier soll eine neue Strasse gebaut werden.

Zimmerwaldstrasse 19: Hier soll eine neue Strasse gebaut werden. Bild: Beat Mathys

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Das Haus an der Zimmerwaldstrasse 19 in Kehrsatz ist ein Bijou. Es ist von hohen Bäumen umgeben, der Umschwung ist grosszügig, die Aussicht prächtig. Doch es ist hier fehl am Platz, jedenfalls sieht das die Gemeinde Kehrsatz so. Denn sie will von der Zimmerwaldstrasse eine neue Verbindung zur Umfahrungsstrasse bauen. Dieser geplanten Strasse steht das Haus im Weg.

«Für uns ist das Projekt eine grosse Chance», sagt Gemeindepräsidentin Katharina Annen (FDP). Damit könne das Problem des Bahnübergangs, der ein Nadelöhr darstellt, gelöst und der Durchgangsverkehr minimiert werden.

Zuerst keine Freude

Eine andere Lösung als die vorgesehene Variante existiert laut Annen nicht. «Ob das darauf stehende Haus wirklich abgebrochen werden muss, werden die Planungen zeigen», sagt sie. Auf den aktuellen Plänen allerdings führt die Strasse durch die Liegenschaft (siehe Karte). Am 26. November entscheiden die Stimmbürger über den Kauf.

Die Liegenschaft gehört der Familie Haemmig, die am Anfang überhaupt nicht erfreut über die Pläne der Gemeinde war. Das wurde an einem Informationsabend der Gemeinde im Herbst 2015 deutlich, als sich Christoph Haemmig in einer emotionalen Rede zur Bedeutung des Hauses für die Familie äusserte. Mittlerweile hat die Familie einem Verkauf jedoch zugestimmt. Was zum Meinungsumschwung geführt hat, bleibt offen. Haemmig erklärte gegenüber dieser Zeitung, seine Familie werde sich nicht dazu äussern.

Einig über den Preis

«Wir haben uns mehrmals getroffen», sagt Gemeindepräsidentin Annen zu den Verhandlungen mit der Eigentümerschaft. Dabei sei der Familie die Idee der Strasse aufgezeigt worden. «Am Ende haben die Eigentümer gesehen, dass das Projekt wichtig für Kehrsatz wäre.» Deshalb hätten sie dem Verkauf letztlich zugestimmt. Zum Kaufpreis habe es keine grossen Verhandlungen gegeben. Die Gemeinde habe einen renommierten Schätzer engagiert, «dem beide Parteien ihr Vertrauen geschenkt haben», so Annen. Er bezifferte den Verkehrswert für das 3200 Quadratmeter grosse Grundstück samt Haus und Autounterstand auf 2,62 Millionen Franken. Zu diesem Betrag kommen noch Handänderungskosten hinzu, womit sich der Kaufpreis 2,64 Millionen Franken beläuft.

«Für uns ist das Projekt eine grosse Chance.»Katharina Annen

Auch Heim betroffen

Vom Verkauf ist nicht nur die Familie Haemmig betroffen, sondern auch der Wohnverbund der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD). Er ist in der Liegenschaft eingemietet und bietet dort 8 Plätze für psychisch kranke Menschen an. Das Z19, so der Name, ist einer von mehreren Standorten in Kehrsatz und Oberburg, wo der Wohnverbund total 59 Plätze anbietet.

«Wir wurden von der Gemeinde früh informiert», sagt Res Hertig, Direktor der psychiatrischen Rehabilitation der UPD. Er nimmt die Pläne der Gemeinde gelassen, denn sie decken sich mit der neuen Strategie der Direktion. Eigene Studien haben nämlich ergeben, dass Psychischkranke genauso gut in einer eigenen Wohnung wie in einem Heim leben können und die Betroffenen diese Lösung bevorzugen.

Ausserdem gebe es im Kanton Bern tendenziell zu viele Wohnheimplätze. «Deshalb arbeiten wir ohnehin auf eine Reduktion solcher Plätze hin.» Die UPD könnten es also verkraften, wenn das Z19 dereinst nicht mehr zur Verfügung stünde, sagt Hertig. Und vorerst ändere sich ja nichts. «Wir rechnen damit, dass der Auszug in etwa drei Jahren ein Thema werden könnte.» Bis dahin bleiben die UPD-Mieter an der Zimmerwaldstrasse.

Offene Fragen

Bei einem Ja wird die Gemeinde zusammen mit dem Kanton und der Burgergemeinde Bern, der Grundeigentümerin der Bahnhofmatte, eine Testplanung vornehmen. Dabei werde die Frage geklärt, wie die neue Strasse optimal an die Umfahrungsstrasse angebunden werden könne, sagt Annen. Zudem soll die Planung Auskunft über die Siedlungsentwicklung im Gebiet geben. Die Strasse wird frühestens 2021 gebaut. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.11.2017, 20:21 Uhr

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