Zum Hauptinhalt springen

Heimatgefühle des Elefantenflüsterers

Wendel Huber lebt seit 21 mit seinen Elefantenkühen Somali und Moçamba zusammen. Derzeit gastiert das Trio in Konolfingen und zeigt täglich eine Show. Ein Besuch mit Spaziergang.

Gefrässig: Somali (links) und Moçamba naschen fürs Leben gern.
Gefrässig: Somali (links) und Moçamba naschen fürs Leben gern.
Iris Andermatt

Aus dem Zelt neben dem Fussballplatz Konolfingen dringt ein strenger Geruch. Ein lautes Grunzen macht stutzig, ein Blick hinter die Zeltblache löst das Rätsel: Zwei afrikanische Elefanten stehen drin und wackeln mit den Ohren. «Kommt, wir gehen spazieren», sagt Wendel Huber. Der 55-Jährige stellt sich vor die mächtigen Tiere, die sich ihrem Chef nähern. In gemächlichem Schritt verlassen sie das Zelt und gehen zielstrebig zu den Platanen auf dem Parkplatz. Geschickt streifen sie Blätter ab, ohne die Äste abzureisen. Kauend schaut Somali (23) dann auf den Fussballplatz und entdeckt einen Ball. Rasch geht sie hin und rollt ihn mit Rüssel und Beinen vor sich hin. Moçamba (24) dagegen hat keine Lust auf ein Spielchen und frisst weiter. Die Tiere vertilgen rund 150 Kilo Futter: Heu, Gras, Gemüse, Brot, Obst. Wendel Huber ist dankbar, wenn ihm oft Bäcker oder Bauern Futter für die Elefanten bringen.

Eingespieltes Team

Wendel Huber hat Somali und Moçamba als zwei- und dreijährige Jungtiere von einem belgischen Grosstierhändler gekauft. «Sie stammen aus Zimbabwe, ihre Mütter sind wahrscheinlich abgeschossen worden», erzählt er. Verängstigte Waisen seien die beiden gewesen, dazu nicht ungefährlich. «Ich verbrachte dann viel Zeit mit ihnen und konnte ihr Vertrauen gewinnen.»

Bald trainierten die beiden Elefanten mit Huber und dessen Bernhardinerhunden öffentlich. Es folgten Auftritte. «Dass Elefanten mit so viel Spass arbeiten und erst noch zusammen mit Hunden, ist wirklich aussergewöhnlich.» Für die Arbeit mit Elefanten brauche es sehr viel Feingefühl. «Natürlich, ohne Zwang geht es nicht. Aber Kinder müssen ja auch zur Schule.»

Immer auf Achse

Bevor er sich selbständig machte, hatte Wendel Huber im Zirkus Knie als Tierpfleger gearbeitet. Es folgten Gastspiele und Auftritte bei Knie, am Zirkusfestival Monte Carlo, Holiday on Ice und Zirkus Krone. Vor sieben Jahren zog Huber seine eigene Show auf. Seither tingelt er mit seinen Tieren durch die ganze Schweiz. Zuletzt war er in Riehen BS, bis Mitte November bleibt er in Konolfingen um dann im Cirque Père Noël in Genf aufzutreten. «Unsere Show ist ganz ohne Glanz und Glitter. Ich trete in meinen Arbeitskleidern auf und die Elefanten sind auch nicht herausgeputzt.»

Wichtig sei der Spass – sowohl für das Publikum als auch die Elefanten und die Bernhardiner. «Die Tiere zeigen Humor und sind gern zusammen. Mir kommt oft vor, als ob Somali den Rüden Marzipan als ihr Kind betrachten würde.» Die Elefantenkuh will, dass Marzipan beim Spazieren vorausgeht. «Sonst bleibt sie immer stehen und schaut, wo der Hund bleibt», sagt Huber.

Spazieren und baden

Den Sommer verbrachte Wendel Huber mit den Tieren in Braunwald GL und in Lenzerheide GR. «Wir machten täglich lange Spaziergange und die Elefanten konnten regelmässig im See baden», sagt der Elefantenflüsterer, der daran denkt, demnächste seine Selbständigkeit aufzugeben und wieder im Zirkus aufzutreten. «Ich denke, das ist unser letzter -Live-Auftritt in Konolfingen.» Huber ist im Thurgau aufgewachsen. Seine Mutter hiess Rothenbühler und stammte aus Mirchel. «Ich habe die Hälfte meiner Verwandtschaft hier in der Region. Wenn ich nach Konolfingen komme, spüre ich immer Heimatgefühle», sagt Huber und schaut auf die grünen Hügel. Die Elefanten kümmerts nicht. Sie sind dort zuhause, wo ihr Meister ist. In gemächlichem Tempo entlauben sie Ast um Ast und kauen genüsslich.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch