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Heilige – zum Greifen nah

Während der letzten Jahre wurden die 87 Heiligenfiguren des Chorgewölbes im Münster restauriert. Die ­Figuren kann man auf der Internetseite der Stiftung als 3-D-Animationen bestaunen.

Noch bis im Juni arbeiten Restauratorinnen und Restauratoren auf einem Gerüst am Chorgewölbe.
Noch bis im Juni arbeiten Restauratorinnen und Restauratoren auf einem Gerüst am Chorgewölbe.
Beat Mathys
Gregor der Grosse: Eine von 87 Heiligenfiguren im Berner Münster.
Gregor der Grosse: Eine von 87 Heiligenfiguren im Berner Münster.
Beat Mathys
Respekt vor dem Original sei das «oberste Gebot» der Berner Münster-Stiftung.
Respekt vor dem Original sei das «oberste Gebot» der Berner Münster-Stiftung.
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Respekt vor dem Original. Das ist das oberste Gebot der Berner Münster-Stiftung. Es geht nicht darum, das Münster «fertig» oder gar «richtig» zu bauen, wie manche denken.

Es geht darum, das Bauwerk so lange wie möglich so zu erhalten, wie es ursprünglich war. «Einen Picasso würde man ja auch nicht einfach übermalen», sagt Jürg Schweizer von der Münster-Stiftung.

In diesem Sinne haben Res­tauratoren während der letzten drei Jahre das Chorgewölbe von einem Gerüst aus nicht renoviert oder gar optimiert, sondern einfach von Dreck und Staub befreit – damit der «Steinhimmel» wieder so erstrahlt wie vor 500 Jahren.

«Wir haben keine Kübel mit weisser Farbe hier oben. Die Restauratoren reinigen einfach.»

Annette Löffelstv. Münsterarchitektin

«Wir haben keine Kübel mit weisser Farbe hier oben», sagte die stellvertretende Münsterarchitektin Annette Löffel auf dem Gerüst. «Die Restauratoren reinigen die Decke einfach.» Teilweise mit Schwämmen, manchmal auch mit Wattestäbchen.

3-D – so nah wie nie

Noch bis zum Juni wird das Chorgewölbe restauriert. Doch bereits jetzt erklärt die Ausstellung «Im Steinhimmel» den himmlischen Hof mit seinen 87 Heiligenfiguren. Zur Ausstellung gehören ­Stelen im Innern des Münsters, draussen, auf den Bauabschrankungen in Richtung Münsterplattform, gibt es zudem Fotos und Erläuterungen.

Greifbar nah sind die meisten Figuren ab sofort auf dem Smartphone. Auf der Internetseite der Münster-Stiftung kann der User die einzelnen Figuren anklicken und sie nach Belieben dreidimensional drehen und wenden.

«Das neue Medium erschliesst die spätmittelalterlichen Kunstwerke und ihre ausserordentliche Schönheit in bislang nicht dagewesener Qualität», heisst es in der Medienmitteilung. Für das ­3-D-Erlebnis wurden von den Heiligenfiguren mehrere Hundert Fotos aus allen Richtungen gemacht.

Original seit 500 Jahren

Die letzte Teilrestaurierung hatte in den Jahren 1910 und 1911 stattgefunden. Allerdings nur mit Besen und etwas Farbe, wie die Münster-Stiftung weiss. Die Heiligenfiguren wurden in ihrem Originalzustand belassen.

Einzigartig am Berner Chorgewölbe ist unter anderem, dass jeder Knotenpunkt mit einer Heiligenfigur befestigt ist, wie Annette Löffel erklärt. «Das gibt es ansonsten in ganz Europa nirgendwo.»

Die Figuren wiegen zwischen 100 und 200 Kilogramm. Aus praktischen Gründen wurden manche Heilige beim Einbauen kurzerhand «beschädigt». Löffel: «Dem heiligen Andreas hat man zum Beispiel sein An­dreaskreuz abgeschlagen, weil er sonst nicht Platz gehabt hätte.»

Hemmungen, die Kunstwerke von Heiligen pragmatisch in das Bauwerk einzupassen, sind anno 1517 offenbar nicht verbreitet gewesen. Insofern zeigt die Münster-Stiftung heute deutlich mehr Respekt vor dem Original als die damaligen Handwerker.

www.bernermuensterstiftung.ch

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