Hirschhorn-Ausstellung wird verschoben

Biel

Wegen Einsprachen und Finanzproblemen kann der skandalumwitterte Berner Künstler Thomas Hirschhorn Biel erst 2019 in ein Kunstwerk verwandeln.

Muss noch ein Jahr warten: Künstler Thomas Hirschhorn vor seinem Plan für eine Walser-Skulptur (Archivbild/Julie Lovens)

Muss noch ein Jahr warten: Künstler Thomas Hirschhorn vor seinem Plan für eine Walser-Skulptur (Archivbild/Julie Lovens)

Stefanie Christ@steffiinthesky

«Es ist das schönste, aber auch das schwierigste Genre», sagt Thomas Hirschhorn. So schwierig, dass der 60-jährige Künstler am Montagabend den Entscheid fällen musste, seine für Juni geplante Robert-Walser-Skulptur auf dem Bieler Bahnhofplatz auf Sommer 2019 zu verschieben. So schwierig auch, dass ein Beschrieb des geplanten, konzeptuellen Kunstwerks kaum möglich ist.

Anfang Jahr versuchte der in Paris lebende Berner Künstler der teils skeptischen lokalen Bevölkerung die Idee zu vermitteln: Eine Installation aus Plattformen und Pavillons, gefertigt aus Alltagsmaterialien wie Karton, soll nicht nur den Bieler Schriftsteller Robert Walser ehren, sondern als Begegnungsort für die gesamte Bevölkerung dienen und den Bieler Bahnhofplatz, ein verkehrslogistischer Unort, neu beleben.

Die Bielerinnen und Bieler sind Teil des Entstehungsprozesses und werden verschiedene Programmteile mitgestalten. Dafür forscht Hirschhorn zusammen mit der Kuratorin Kathleen Bühler seit zwei Jahren in der Seeland-Metropole.

Startschuss im April unmöglich

Vor allem Taxifahrer zeigten sich wenig begeistert davon, dass der Bahnhofplatz, ihr wichtigster Umschlagplatz, vom Künstler und seiner Entourage den Sommer über in Beschlag genommen werden soll. Auf ein entsprechendes Baugesuch reagierten einige mit Einsprachen. Da die Aufbauarbeiten bereits im April hätten starten sollen, führten diese Einsprachen nun zu einer Verzögerung des ganzen Projekts.

Aber hätte das Hirschhorn-Team diesen Widerstand nicht kalkulieren und im Zeitmanagement berücksichtigen können? Immerhin ist allgemein bekannt, dass das Wirken des Künstlers im öffentlichen Raum immer wieder für rote Köpfe und entsprechenden behördlichen Widerstand sorgt.

«Rückblickend kann gesagt werden, dass das Baugesuch in der Tat etwas kurzfristig eingereicht wurde», räumt die Kommunikationsverantwortliche Ruth Gilgen ein. «Lange war aber nicht klar, was auf dem Platz genau entsteht. Im Laufe der Monate konkretisierte sich die Idee», ergänzt Kuratorin Kathleen Bühler.

«Es ist das grösste Kunstwerk, an dem Hirschhorn je gearbeitet hat, eine Auseinandersetzung mit dem Platz und seiner Geschichte, da ist nicht alles plan- und bestimmbar», so Bühler. Oder mit den Worten des Künstlers: «Es wird nie alles scheitern, aber auch nie alles gelingen.»

Das Positive an der Verzögerung

Was Hirschhorn gelingt: Den Aufschub als Gewinn für das Projekt darzustellen. Er wolle die Bedenken ernst nehmen und die Kritiker des Projekts in den weiteren Prozess miteinbeziehen. Darum sei die Ausstellung auf 2019 verlegt worden. Und somit die gesamte 13. Schweizerischen Plastikausstellung, die heuer mit der Hirschhorn-Skulptur auf eine Einzelausstellung setzte.

«Die Expo 02 erlebte einen ähnlichen Schnitt und wurde unvergesslich», sagt Kathleen Bühler. Keine Frage: Im Team Hirschhorn herrscht Zuversicht, jede Hürde wird als Teil der Kunst betrachtet.

Hinzu kommen Geldsorgen

Dabei gibt es einen weiteren Verzögerungsgrund, und dieser ist ganz profaner Natur: Die Stiftung Schweizerische Plastikausstellung, der unter anderem Biels Stadtpräsident Erich Fehr angehört, konnte bisher nicht genug Geld für die Finanzierung zusammentragen. Die Suche nach Investoren geht weiter, durch die Verzögerung fallen Mehrkosten an. Hirschhorn will auch privat ins Projekt investieren.

Nichts zu tun hat der Aufschub damit, dass Biel mit dem Lakelive Open-Air-Festival im Sommer einen weiteren Grossevent zu stemmen hat.

Ob 2018, oder nun halt 2019, die «Robert Walser-Sculpture» wird ein typischer Hirschhorn: sperrig, partizipativ und begleitet von Nebengeräuschen.

Öffentliches Gespräch mit Thomas Hirschhorn zum Projekt: Donnerstag, 15. März, 19 Uhr in der Stadtbibliothek Biel.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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