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Historisches Museum muss sparen

Mit einer Ausstellung über «Mord und Totschlag» will das Historische Museum Bern in diesem Jahr die Besucher anlocken. Die Schau wurde nicht selber konzipiert, sondern in Luxemburg eingekauft – denn das Museum muss sich nach der Decke strecken.

Blick in die Ausstellung «Mord und Totschlag».
Blick in die Ausstellung «Mord und Totschlag».
zvg

Zurzeit stünden 600'000 Franken weniger zur Verfügung als im Mittel der letzten zehn Jahre, sagte Museumsdirektor Jakob Messerli am Mittwoch an der Jahresmedienorientierung. Das liege unter anderem daran, dass der Lotteriefonds deutlich weniger ausschütte.

Ausserdem stagnierten die Subventionen von Kanton und Stadt Bern, Burgergemeinde und den 80 Regionsgemeinden bei rund 6,5 Millionen Franken, obwohl das Museum neuerdings noch die Betriebskosten des neuen Kubus-Anbaus tragen müsse.

Im Jahr 2012 werde es eine Verbesserung geben, wenn die Burgergemeinde ihren Anteil um 400'000 Franken erhöhe. Bis dahin «wollen wir nicht jammern», beteuerte Messerli: «Wir akzeptieren die Rahmenbedingungen und bemühen uns um ein attraktives Angebot.»

«Wofür würden Sie töten?»

Die Wechselausstellung «Mord und Totschlag» wird am 6. Oktober eröffnet. Sie stammt aus dem Musée de la Ville de Luxembourg und wird nun «eingebernert». Die Schau beschäftigt sich mit dem Phänomen Gewaltverbrechen, sie konfrontiert den Besucher mit seiner eigenen Schaulust und mit moralphilosophischen Fragen.

«Sind Soldaten Helden oder Mörder?», lautet eine dieser Fragen. Die Besucher sollen sich in einer Art Abstimmung auch äussern, in welchen Fällen sie selber bereit zum Töten wären. Die Ausstellung zeigt Überreste der Terrorattacken vom 11. September 2001 und ethnologische Sammlungsstücke ebenso wie Exponate aus Bern.

Mit der Schau aus Luxemburg kann das Berner Museum Geld sparen. Man rechne mit einem Budget von etwa einem Drittel bis einem Viertel verglichen mit einer grossen eigenen kulturhistorischen Ausstellung, sagte Messerli, der seit vergangenem Frühling im Amt ist.

Starker Besucherrückgang

Vor seiner Zeit hatte das Museum mehrere spektakuläre Erfolge mit eigenen Grossausstellungen verbucht. «Albert Einstein», «Karl der Kühne», «Die Kunst der Kelten» und die Haller-Ausstellung zogen in den letzten Jahren zahlreiche Besucher an. Noch 2008 wurden gut 155'000 Eintritte gezählt.

Im vergangenen Jahr musste sich das Haus mit 80'773 Besuchern begnügen. Etwa die Hälfte davon kamen wegen der James-Cook- Ausstellung, die noch bis 13. Februar zu sehen ist.

Messerli betonte, das Museum trage den Besucherrückgang mit Fassung. Schliesslich habe er den Auftrag, mit den knappen Mitteln auch die anderen Museumsaufgaben zu finanzieren.

So müsse man die gut 300'000 Objekte des Hauses pflegen, konservieren und mitunter restaurieren. «Und das bringt uns alles gar nichts, wenn wir dann die Objekte nicht mehr finden.» Deshalb müsse er auch Mittel für die Dokumentation einsetzen.

Erfolg in China

Messerli verwies im weiteren darauf, dass das Museum im Ausland einen grossen Erfolg verbuchen konnte: Die Einstein-Ausstellung tourt zurzeit durch China, allein in Peking kamen 200'000 Besucher. Ob das Auslandengagement dem Museum einen Gewinn einträgt, ist laut Messerli noch offen.

Sicher ist nach seinen Worten, dass das Historische Museum dereinst wieder eine grosse eigene Schau präsentieren will. Mit dem Thema «Pfahlbauer» könnte das Haus an die grossen Erfolge der letzten Jahre anknüpfen. Die Vorbereitungen laufen, die Schau wird laut Messerli frühestens 2013 zu sehen sein.

SDA/met

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