Hitzige Debatte zum E-Prix

Bern

Zum wiederholten Mal hat der Berner Stadtrat am Donnerstag über das bevorstehende Formel-E-Rennen debattiert.

Was gibt es für Mehrkosten, wenn der E-Prix gegen Widerstandsaktionen polizeilich abgeschottet werden müsse? Das wollte Stadträtin Zora Schneider (PdA) vom Gemeinderat wissen.

Was gibt es für Mehrkosten, wenn der E-Prix gegen Widerstandsaktionen polizeilich abgeschottet werden müsse? Das wollte Stadträtin Zora Schneider (PdA) vom Gemeinderat wissen.

(Bild: Urs Jaudas)

Anlass zur Debatte über das Formel-E-Rennen im Stadtrat war eine Interpellation von Zora Schneider (PdA). Sie wollte vom Gemeinderat wissen, mit welchen finanziellen Kosten er rechne, wenn der E-Prix gegen Widerstandsaktionen polizeilich abgeschottet werden müsse. Er rechnet mit keinen ausserordentlichen Widerstandsaktionen und keinen ausserordentlichen Kosten.

Dass solche Aktionen überhaupt in einem Vorstoss thematisiert werden, sorgte bei SVP-Stadtrat Henri-Charles Beuchat für laute Kritik. «Das ist nichts anderes als ein indirekter Aufruf zu Gewalt und Landfriedensbruch», sagte er.

Offenlegen der Sponsoren

In ihrem Vorstoss fragte Zora Schneider ausserdem, ob der Gemeinderat in der Lage und bereit sei, die Verträge mit den Organisatoren und Sponsoren des E-Prix vollumfänglich offenzulegen.

Dazu schreibt der Gemeinderat in seiner Antwort, dass er mit dem Veranstalter eine Grundsatz- und eine Zusatzvereinbarung ausgehandelt habe, welche von beiden Seiten unterzeichnet worden sind. Im Rahmen einer Stimmrechtsbeschwerde wurden schliesslich die Vereinbarungen mit dem Akteneinsichtsrecht bereits offengelegt.

Hintergrund der Kritik von Zora Schneider: Laut Medienberichten ist der Staat Saudiarabien als Sponsor involviert. Für den Gemeinderat gelte das Sprichwort «einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul», sagte Schneider. Offenbar wolle die Stadtregierung nichts über die Sponsoren der Formel-E-Rennserie wissen.

Imageschaden bei Störmanövern

«Alle Veranstalter sind gleich, manche sind gleicher», sagte Tom Berger namens der Fraktion FDP/Jungfreisinn. Es stehe in keinem Gesetz oder Reglement geschrieben, dass ein Veranstalter seine Sponsoren und Geldgeber offenlegen müsse, sagte Berger.

Mit Blick auf die Ratslinke meinte er: «Aber es geht halt um einen Anlass, der nicht ins eigene Weltbild passt.» Einen Imageschaden für die Stadt Bern sieht seine Fraktion nicht in möglichen Sponsoren, sondern eher darin, dass die Veranstaltung allenfalls mit Störmanövern verhindert werden soll.

Rahel Ruch (GB) räumte ein, dass man schon zum wiederholten Mal über den E-Prix debattiere. Aber: «Die Frage der Kosten und der Transparenz ist für unsere Fraktion von grosser Wichtigkeit.»

Grosse Transparenz vorhanden

Das Schlusswort in der zum Teil lauten Debatte hatte Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP). Gelassen sagte er: «Ich kann es unaufgeregt machen: Es gibt keine Veranstaltung in der Stadt Bern, bei der solch grosse Transparenz herrscht wie beim E-Prix.» Die Sponsoren seien alle bekannt.

«Wenn wir alle Veranstaltungen so bemessen würden wie den E-Prix, würden nicht mehr viele Anlässe in Bern stattfinden», sagte Nause. Schliesslich stellte er dem Parlament eine rhetorische Frage: «Muss ich bei der Uefa nachfragen, ob allenfalls saudische Firmen Sponsor sind, wenn YB in der Champions League spielt?»

ehi

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