Hornusser auf Zeitreise

Trimstein

Helm statt Hut, Mineral statt Bier: Das Hornussen hat sich stark gewandelt. Das zeigt ein Besuch bei der HG Trimstein, die in diesen Tagen ihr Hundertjähriges feiert.

Damals und heute: Die Trimsteiner Hornusser am Umzug zur Fahnenweihe. (Bilder: Raphael Moser/pd)

Das Schwarzweissfoto stammt aus der Zeit, als die Hornusser­gesellschaft Trimstein ihre erste Fahne einweihte. Es gab ein Fest mit Reden und einem Umzug durch das Dorf. Dabei trugen die Hornusser ihre Sportbekleidung: weisses Hemd, brauner Halbleinenanzug, Krawatte und Hut. Natürlich hatten sie auch ihre Spielgeräte dabei: einen Haselstecken auf den Schultern, eine einfache Holzschindel am Rücken.

An den kommenden beiden Wochenenden weiht die HG Trim­stein wieder eine Fahne ein, die insgesamt dritte, und feiert den 100. Geburtstag. Um zu zeigen, was sich in diesem Jahrhundert verändert hat, haben sich die Hornusser bereit erklärt, das alte Schwarzweissfoto mit den heutigen Sportkleidern und den heu­tigen Spielgeräten nachzustellen.

Auf der Naturstrasse zum Hor­nusserhüttli im Eichimoos beziehen neun Mann Aufstellung. Sie tragen ihren atmungsaktiven, rot-schwarz-gelben Trainingsanzug. Der Stecken, den sie geschultert haben, besteht aus Kohle­fasern der neusten Generation. Auf der Schindel prangt auf der einen Seite das poppige Vereinslogo, auf der anderen Seite die Sponsorenaufschrift. Ein paar der Männer haben auch ihren weissen Helm dabei.

Leistungssport

Hätte ein Hornusser früher einen Helm getragen, wäre er ausgelacht worden. «Dafür verlor halt ab und zu einer ein Auge oder ein paar Zähne, wenn ihn der Nouss im Gesicht traf», sagt Heinz Tschanz (70). Heute ist der Helm für alle Hornusser mit Jahrgang 1984 oder jünger obligatorisch. Aber auch die älteren Semester trügen ihn «ganz selbstverständlich», erklärt Tschanz.

«Ein 10- und ein 80-Jährigerim gleichen Team: Wo sonst ist das möglich?»Peter AeschlimannTrimsteiner Hornusser

Nach dem Fototermin stehen die neun Männer im Hüttli, erzählen von vergangenen und aktuellen Zeiten. «Das Hornussen hat sich vom Feierabend- zum Leistungssport gewandelt», sagt Fritz Holzer (73). Spitzenathleten trainieren praktisch jeden Tag, gehen bis zu dreimal pro Woche in den Kraftraum und arbeiten mit Mentalcoachs zusammen. Selbstverständlich haben die Hornusser heute auch fix eingerichtete Spielfelder. «Früher musste man jeweils am Sonntagmorgen eine gemähte Wiese suchen und das Ries jedes Mal von neuem einrichten», erzählt der 84-jährige Werner Wahlen, der noch heute regelmässig trainiert.

Mehrere Generationen

Die älteren Hornusser wissen noch manch solches Müsterchen zu erzählen. Interessant ist aber auch, den jüngeren zuzuhören. Dabei spürt man: Die Grundwerte des Hornussens haben sich im Laufe der Zeit kaum verändert.

Damals wie heute kommen mehrere Generationen im gleichen Team zusammen. Die ambitionierten Trim­steiner Hornusser spielen in der ersten Mannschaft in der NLB. In der zweiten Mannschaft (5. Liga) dagegen tut der 10-Jährige ebenso mit wie der ­80-Jährige. «In welcher anderen Sportart ist das sonst möglich?», fragt Peter Aeschlimann (55). Er selbst hat erst mit 47 Jahren mit Hornussen begonnen.

Andere bekommen die Begeisterung für die traditionelle Sportart schon in der ­Wiege mit. Zum Beispiel Michael Moser (33), Spieler der NLB-Mannschaft: Sein Urgrossvater war Gründungsmitglied der HG Trimstein, sein Grossvater und Vater waren ebenfalls aktiv – und der 3½-jährige Sohn wird in der bevorstehenden Saison ebenfalls bereits bei den Junghornussern mittun. Der Onkel des Kleinen, Vereinspräsident Patrick Moser, sagt denn auch: «Trotz Konkurrenz durch andere Sportarten haben wir keine Nachwuchsprobleme.» Aktuell zählt der Verein gut 20 Nachwuchshornusser und knapp 50 Aktivmitglieder.

Bier-Klischee

Während die Hornusser im Hüttli stehen und erzählen, nippen sie ab und zu an der Flasche – nein, nicht Bier, sondern Mineralwasser. Noch vor 20 Jahren haftete den Hornussern das Image an, sie täten vor allem eines: Bier trinken. Heute dagegen sei es verpönt, vor dem Wettkampf Alkohol zu trinken, erklären die Trimsteiner unisono.

Bier gibt es selbstverständlich auch heute noch. Aber erst im zweiten Teil. Dann sitzen das Heim- und das Auswärtsteam nach dem Match zusammen und haben es gemütlich. Genau so, wie es schon vor 100 Jahren üblich war.

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