Hunderte stürzen sich an der BEA in die Tiefe

Bern

Gleich neben dem berühmten Riesenrad können sich wagemutige BEA-Besucher in luftige Höhe ziehen lassen und die Aussicht geniessen, ehe sie rasant wieder gegen Boden fallen.

Aussicht geniessen oder sich fragen, warum man sich das antut. Der Moment vor dem Fall lässt einem die Wahl.
Martin Bürki@tinubuerki27

«...dann wird die Plattform ausgeklinkt und man fällt.» Ganz sachlich beschreibt Hanspeter Maier den Moment, kurz bevor das Kreischen beginnt, hoch oben über Bern. Maier ist der Besitzer des angeblich höchsten transportablen Free-Fall-Towers der Welt. Doch so sachlich seine Wortwahl sein mag, das Funkeln in seinen Augen verrät, dass doch mehr dran ist an der Sache. «Geil» nennt er das Gefühl, wenn die Sitze aus über 80 Metern nach unten rasen. Keine Seile, keine Zahnräder. Im freien Fall eben.

Der Turm ist wahrlich nichts für Menschen mit Höhenangst. Es sei denn, diese wollen eine Schocktherapie machen. Denn bevor man runterfallen kann, muss die Plattform erst einmal in die Höhe steigen. Und das tut sie – im Gegensatz zum Fall – äusserst gemächlich. Schon beeindruckend, das Riesenrad einmal von oben zu sehen. Dieses war in den vergangenen Jahren stets die höchste Attraktion. Der «Swiss Tower» überragt es aber um gute 22 Meter.

In luftiger Höhe

Oben angekommen, haben die Fahrgäste erst einmal eine Weile Zeit, die Aussicht zu geniessen. Je nach dem, auf welcher Seite des Turms man sich befindet, sieht man das Münster oder kann die Sitze im oberen Rang des Sektors C im Stade de Suisse zählen. Bei schönem Wetter sind auch die Alpen gut zu erkennen.

Genau zu dem Zeitpunkt, da der bevorstehende Fall vor lauter Aussicht schon fast vergessen gegangen ist, reisst einem der Speaker aus seiner Trance. «Streckt doch eure Füsse einmal gerade heraus», fordert er die Passagiere auf. Was oben als überflüssige Turnübung anmutet, sieht vor allem für die am Boden gebliebenen Leute witzig aus – Vorsicht: Es besteht Gefahr zur Nackenstarre!

Was dann folgt, darüber scheiden sich die Geister: Der Countdown. Von sechs an zählt eine Stimme runter. Will man eigentlich so genau wissen, wann es losgeht? Wäre der Schock nicht grösser, käme der Fall unangekündigt? So jedenfalls erhält man die Gelegenheit, sich noch einmal zu überlegen, warum man sich den Nervenkitzel eigentlich antut. Denn kitzeln tut es. Spätestens bei «drei» verspürt man eine gewisse Enge in der Brust.

Es geht abwärts

Und dann wird eben die Plattform ausgeklinkt. Gnadenlos. Das Kreischen beginnt. Jedenfalls bei den weiblichen Fahrgästen. Die meisten Männer begnügen sich mit einem «Woah» – jedoch kaum weniger inbrünstig. Mit fast 100 Kilometern pro Stunde saust man dem Boden entgegen. Beim Abbremsen verspürt man ungefähr das zweieinhalbfache des eigenen Körpergewichts. Magnetbremsen sorgen für eine sanfte Entschleunigung. «Und sie funktionieren sogar ohne Strom. Das ist absolut sicher», sagt Hanspeter Maier.

Rasch hat der Spuk sein Ende genommen. Noch leicht zitternd, lacht Besucherin Jeannette Hänggi: «Also die Auffahrt war wunderschön!» Oben sei es ihr schon etwas mulmig geworden, aber am Ende überwiege dann doch die Freude: «Man muss sich einfach gehen lassen. Man kann gar nicht anders. Eigentlich ein cooles Gefühl.» Ob sie eine weitere Fahrt wagt? «Nicht in den nächsten fünf Minuten, aber vielleicht mache ich es nochmal...»

10 Franken kostet der Spass. «Manche Leute wollen für wenig Geld viel erleben», seufzt Hanspeter Maier. Tatsächlich entfernen sich immer wieder Messebesucher vom Kassenhäuschen, nachdem sie nach dem Preis gefragt haben. Doch gehe es darum, erklärt Maier, die drei Millionen Franken teure Investition in den Turm irgendwann zu amortisieren. «Die meisten finden diesen Preis angemessen.»

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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