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«Ich bin sehr zufrieden»

Organisator Roger Merguin über das Programm, die Finanzen, die fehlende Atmosphäre und die Zukunft des Festivals.

Roger Merguin, wie sieht Ihre Bilanz aus? Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf des Festivals, sowohl in künstlerischer als auch in organisatorischer Hinsicht. Auf der logistischen Ebene hat alles funktioniert. Das ist nicht selbstverständlich. Früher bei den Tanztagen war die gesamte Organisation ausgelagert. Es gab ein eigenes Büro, auch die Technik kam nicht von der Dampf-zentrale. Jetzt haben wir alles selber gemacht, zusätzlich zum normalen Programm mit hauseigner Technik und eigenem Personal. Das war eine grosse Herausforderung.

Die Tanztage hatten jeweils eine stolze Auslastung von 80 bis 90 Prozent. Daran konntet ihr kaum anknüpfen. Die Auslastung war tatsächlich sehr unterschiedlich. Aber damit haben wir auch gerechnet. Mir war es wichtig, möglichst viele verschiedene Leute zu erreichen. Mit Susanne Linke, Jean-Claude Gallotta und Alias haben wir eher das traditionelle Segment der Tanztage bedient. Daneben gab es speziellere Formate für ein anderes Publikum. Insgesamt setzte sich das Publikum aus verschiedenen Altersschichten zusammen, wir haben aber das Gefühl, auch ein jüngeres Publikum neu begeistert zu haben.

Der Schwerpunkt lag allerdings auf anspruchsvollen Produktionen. Auch das Motto «Copyleft» erschien etwas verkopft. Beim zeitgenössischen Tanz geht es eben nicht mehr nur um schöne Körper, die sich schön bewegen. Die Tänzer sind zu Autoren geworden, sie haben was zu sagen, mit einer klaren Ästhetik. Da ist eine spannende Entwicklung. Als Programmmacher konnte und wollte ich dieser Entwicklung nicht hinterherhinken. Die Produktionen dürfen intellektuell und bizarr sein, solange sie auch lustvoll und inspirierend sind. Das war für mich der Fall.

Weniger lustvoll war die Festivalatmosphäre, verglichen mit den Tanztagen. Ich habe das Drumherum bewusst reduziert. Ich wollte, dass die Künstler im Zentrum stehen und die finanziellen Mittel primär in die Programmation fliessen. Aber es gab nicht nur pure Kunst. Die Atmosphäre war vorhanden, gerade bei der Verleihung des Schweizer Choreografiepreises. Zudem war das Restaurant länger offen, es gab spezielle Menüs, abgestimmt auf das Festival. Und mit dem Tanzparcours von Willi Dorner waren wir auch ausserhalb der Dampfzentrale präsent.

Wie steht es um die Finanzen? Die Abrechnung liegt noch nicht auf dem Tisch, aber wir liegen ungefähr im Budget von 650'000 Franken, das zur Hälfte von Stadt und Kanton getragen wird. Da wir keine externe Organisation hatten, konnten wir einiges an Lohn- und Technikkosten einsparen. Zudem haben wir bewusst auf kleinere Produktionen und Soloabende gesetzt. Mehr als eine Grossproduktion wie «Cher Ulysse» liegt allerdings nicht drin.

Was gilt es zu ändern im Hinblick auf Zukunft? Wir müssen erst eine Evaluation machen. Die ersten Rückmeldungen von den Künstlern und Helferteam waren allerdings positiv. Ich denke, bei der nächsten Ausgabe wird es nur kleine Anpassungen geben. Die grosser Frage, ob es dieses Festival braucht, ist ja beantwortet. Wir haben den Leistungsnachweis erbracht, und ich gehe davon aus, dass wir auch im nächsten Jahr von der öffentlichen Hand unterstützt werden. Die ersten Signale sind jedenfalls positiv.

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