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Ihre Liebe sprengt Normen

Die Theatersaison von Belp ist eröffnet: Gespielt wird «Romeo und Julia auf dem Dorfe» in der Version von Beat Ramseyer. Die Laiendarsteller konnten das Premierenpublikum überzeugen.

ImageCaption. Foto: Fotograf Sali und Vrenchen im Rausch der Liebe. Er hat ihr Tanzschuhe gekauft. Foto: PD
ImageCaption. Foto: Fotograf Sali und Vrenchen im Rausch der Liebe. Er hat ihr Tanzschuhe gekauft. Foto: PD

Zu Beginn ist ein Geigenspiel zu hören, an der Premiere im Aaresaal in Belp. Die Töne führen das Publikum sachte an die Zeit von Gottfried Keller heran. Er war es, der «Romeo und Julia auf dem Dorfe» als Novelle schrieb. Aus der Novelle wurde mit der Textgestaltung von Beat Ramseyer und unter der Regie von Hans Peter Incondi ein Drama in zwei Akten. Von Sanftheit und leisen Tönen ist die Inszenierung weit entfernt. Es wird getobt, Gewalt angewendet, und das Liebespaar Vrenchen und Sali drohen im Strudel dieser Mischung aus Hass, Gekränktheit und falschem Ehrgeiz unterzugehen. Am Schluss ist es der Fluss, der sie davonträgt in die absolute Freiheit, wie Ramseyer den Freitod der beiden interpretiert.

Ausbruch aus Normen

Mit dieser geballten Ladung an gesellschaftskritischem Stoff hat sich das Theater Belp an eine Geschichte herangewagt, die 100-fach inszeniert und auch verfilmt wurde. Das Duo Ramseyer/Incondi verleiht der Inszenierung jedoch einen ganz eigenen Dreh. Zwar treten die Laiendarsteller in Kleidern aus früheren Zeiten auf, doch Vrenchen und Sali sprechen die Sprache der heutigen Zeit.

Die Sittlichkeitsfrage, die Ehe als höchstes Gut und die Seitenhiebe auf das fahrende Volk stehen nicht im Zentrum der Handlungen. Auch die reine, unschuldige und verklärende Liebe wird neu verpackt, in eine gewisse Unbeschwertheit, sich über Normen hinwegzusetzen. Trotzdem: Die Gesellschaftsnormen sind da, und das Paar kann ihnen letztlich nur durch den Eintritt in eine andere Welt entrinnen.

Denis Kriegesmann – er spielt Sali – ist froh um die recht freizügige Auslegung von Ramseyer beim Verfassen der Geschichte für die Bühne. So erhält für ihn die Inszenierung etwas Zeitloses, lässt die rigiden Moralvorstellungen von früher aussen vor und konzentriert sich auf Themen wie Hass, Gekränktheit und das Sprengen von Normen.

Neuling in der Hauptrolle

Normen gesprengt hat der 25-Jährige nicht nur auf der Bühne als Sali. Er ist ein Neuling im Theaterspiel und hat trotzdem gleich in einer Hauptrolle brilliert. «Anfänglich konnte ich mir das schon nicht vorstellen», sagt er dazu. Er sei angefragt worden, ob er nicht einmal vorbeischauen wolle. Dann schritt die Theatergruppe gleich zu Taten, drückte ihm das Textbuch in die Hand und hoffte auf ihn als Ersatzmann für den ausgefallenen Hauptdarsteller.

Der frisch diplomierte Umweltingenieur hatte etwas freie Zeit zur Verfügung und nahm die Herausforderung an. Die Komplimente nach der Premiere reicht er gleich an Patricia Müller weiter. Müller spielt im Stück Vrenchen. Sie habe ihm gezeigt, wie man Theater spielt, sprich: sich auf der Bühne bewegt.

Die 19-Jährige kennt das Schauspielern bereits, und für sie geht es auch beruflich in Richtung Gesang und Schauspiel. Als sie im Sommer die Ausbildung am Gymnasium abschloss, bot sich dadurch die Gelegenheit, unter Führung ihr Schauspieltalent weiter voranzutreiben. Ein Sprungbrett sei ihre Rolle als Vrenchen nicht, aber eine gute Basis für die Weiterarbeit an Gestik, Mimik und Sprache.

Das Premierenpublikum verdankte am Donnerstag die Leistungen der Laiendarsteller mit einem lang anhaltenden Applaus und viel Lob.

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