Illegale Party endet mit Angriff gegen die Polizei

Ittigen

Ein 27-jähriger Schweizer aus der Gruppierung 031 soll einen Polizisten mit Anlauf gegen den Kopf getreten und zwei weiteren in den Finger gebissen haben. Zuvor hatte die Polizei in Worblaufen eine illegale Party aufgelöst.

Ein 27-jähriger Schweizer muss sich seit Dienstag wegen des Angriffs auf die Polizisten vor Gericht verantworten.

Ein 27-jähriger Schweizer muss sich seit Dienstag wegen des Angriffs auf die Polizisten vor Gericht verantworten.

(Bild: Fotolia)

Ralph Heiniger

Etwa fünfzehn Partygäste formierten sich um sieben Polizisten. Die jungen Gesetzeshüter waren plötzlich mit einem massiven Angriff von mehreren Seiten konfrontiert. Es flogen Steine, sie wurden mit Pfefferspray besprüht, einem Polizisten wurde gegen den Kopf getreten, zwei wurden gebissen. Durch einen Steinwurf erlitt ein Polizist einen dreifachen Kieferbruch, durch den Fusstritt wurde einem anderen der Kiefer verstaucht, ein Finger musste nach einem Biss genäht werden, die Polizisten erlitten weiter Schürfungen und Prellungen.

Der Vorfall ereignete sich im August 2012 auf einem unbewohnten Grundstück in Worblaufen. Rund sechzig Personen feierten dort eine Party, als die Polizei gegen Mitternacht wegen Lärmklagen aus der Nachbarschaft zum ersten Mal intervenierte. Zuerst liess man das Partyvolk gewähren, nach weiteren Lärmklagen löste die Polizei die Veranstaltung etwa um zwei Uhr morgens auf. Die meisten Gäste machten sich darauf friedlich auf den Heimweg.

Getreten «wie ein Fussballer»

Doch etwa fünfzehn Partygänger provozierten die Polizisten und bewaffneten sich mit herumliegenden Gegenständen. In diesem angriffslustigen Mob befand sich auch der 27-jährige Schweizer, der sich seit Dienstag vor dem Regionalgericht verantworten muss. Gemäss Anklageschrift hat der Beschuldigte Polizisten massiv beschimpft und zum Zweikampf herausgefordert. Einen Polizisten soll er gegen den Kopf getreten haben, als dieser am Boden kniete. Weil ein anderer Polizist den Beschuldigten im letzten Moment stossen konnte, soll der Fuss den Kopf nicht mit voller Wucht getroffen haben. Das Resultat war ein verstauchter Kiefer.

Der 27-Jährige soll weiter zwei Polizisten in den Finger gebissen haben, um zu entkommen. Er konnte später bei einer Hausdurchsuchung an seinem Domizil festgenommen werden. Die beteiligten Polizisten identifizierten den Beschuldigten «eindeutig», «klar», «hundertprozentig» als denjenigen, der «wie ein Fussballer» gegen den Kopf ihres Kollegen getreten haben soll.

Beissen als Reflex

Dem Beschuldigten wird unter anderem Landfriedensbruch, Beschimpfung, einfache Körperverletzung und versuchte schwere Körperverletzung vorgeworfen. Er anerkennt alle Vorwürfe bis auf jenen der schweren Körperverletzung. Zum Zeitpunkt des Tritts habe er sich um eine Frau gekümmert, die Pfefferspray abbekommen habe, sagte er. Ansonsten waren seine Aussagen vor Gericht primär unterschiedliche Versionen von «Das weiss ich nicht» und «Das sage ich nicht». Der Biss – daran konnte er sich erinnern – sei bestimmt nicht beabsichtigt gewesen. «Man muss sich eher fragen, wie die Finger in meinen Mund gekommen sind», so der Beschuldigte. Da sei der Biss ein normaler Reflex gewesen.

Der Beschuldigte wohnt zurzeit in einem besetzten Haus in Bern. Er ist wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung vorbestraft, aktuell läuft noch ein Verfahren wegen Diebstahl gegen ihn. Er hat keine Ausbildung abgeschlossen, manchmal arbeitet er temporär. Auf die Frage des Gerichts, wie er sich seine Zukunft vorstelle, meinte er: «Ich schaue, wie es kommt.» Eine Festanstellung sei nicht das, was er anstrebe, er habe aber jetzt eine Ausbildung ins Auge gefasst.

«Kein unbeschriebenes Blatt»

Staatsanwalt Roman Sigrist sprach von einem «feigen und hinterhältigen» Angriff. «Der Beschuldigte nahm schwere und bleibende Verletzungen seines Gegenübers gleichgültig in Kauf.» Reue sei bei ihm nicht zu erkennen, im Gegenteil: «Er probierte sich selbst als Opfer darzustellen.» Der Beschuldigte sei kein unbeschriebenes Blatt. «Er ist Teil einer Szene, die sehr polizeifeindlich eingestellt ist. Ich sage nur das Stichwort 031», so Sigrist. Er forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von 23 Monaten.

«Internes 031-Dossier?»

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Fabian Vollmer, stellte die Ermittlungsvorgänge bei der Polizei infrage. «Bei der Polizei gibt es offenbar ein internes Dossier zu dieser 031-Gruppierung.» Jedenfalls sei unklar, ob wirklich sein Klient den Tritt ausgeführt habe. Man müsse sich fragen, inwiefern der Ermittlungsbericht der Polizisten abgesprochen sei. Aus seiner Sicht sei der ganze Vorfall «auch etwas unglücklich vom Alter der Polizisten her», sagte der amtliche Verteidiger und wies darauf hin, dass es sich bei allen Beteiligten um junge Polizisten handele. Er plädierte für eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen. Das Urteil wird voraussichtlich heute eröffnet.

Wer den Stein geworfen hatte und damit für den dreifachen Kieferbruch bei einem der Polizisten verantwortlich ist, konnte nicht ermittelt werden.

Berner Zeitung

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