Im Kindergarten hält die Holzklasse Einzug

Ostermundigen braucht 13 neue Kindergärten. Um die Kosten tief zu halten, werden fast alle gleich aussehen. Nun ist der Prototyp fertig.

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Esel weiden seit einigen Jahren keine mehr auf der Ostermundiger Eselweid, der Grünfläche neben der Schulanlage Bernstrasse. Dafür steht hier nun ein Modulbau aus Holz, modern, zwei Stockwerke hoch, mit Fenstern vom Boden bis zur Decke. An die Fenster sind Kinderzeichnungen geklebt.

Auf der blauen Sitzbank vor dem Holzgebäude wartet Peter U. Müller, der Leiter der Ostermundiger Hochbauabteilung. Er betreut das Grossprojekt «Neubau Kindergärten». Bis Sommer 2021 muss die Gemeinde neun baufällige Kindergärten abreissen und durch Neubauten ersetzen. Zudem braucht sie zwei zusätzliche Kindergärten. Und zwei baufällige Kindergärten dürfen aus denkmalschützerischen Gründen nicht abgerissen werden: Sie werden bis 2022/23 komplett saniert.

Viele konnten mitreden

Vielerorts kostet ein neuer Kindergarten samt Nebenräumen eine Million Franken oder mehr. Ostermundigen hat weniger zur Verfügung: 11,7 Millionen Franken für 13 Exemplare. «Es war also Kreativität gefragt», sagt Müller. In Teamarbeit haben er, ein Burgdorfer Architekturbüro sowie Kindergärtnerinnen und Schulleitung einen Prototyp entwickelt, der überall eingesetzt werden kann. So lassen sich bei Planung und Ausführung Kosten sparen.

Der Prototyp steht auf der Eselweid. Vor kurzem zogen hier zwei Klassen ein, am Freitag findet die Einweihung statt. «Schauen wir uns das Resultat von innen an», sagt Müller und schreitet auf der Aussentreppe hinauf in den ersten Stock. Er öffnet die Türe, zieht in der Garderobe die Schuhe aus und führt in den grossen Hauptraum. Hier sieht es aus wie in jedem Kindergarten: Im Kreis stehen 18 kleine Stühle, daneben Tischchen mit Farbstiften und Gestelle mit Bauklötzen. Die Kinderzeichnungen an den Wänden zeigen verschneite Bäume in 18 Variationen.

Je grösser, desto teurer

In den Socken schreitet Müller vorbei am Spülbecken, an dem sich die Kinder die Hände waschen, in den Gruppenraum. Hier sitzen die Kinder zum Beispiel mit der Logopädin oder können sich auch mal zurückziehen. Nebenan befinden sich WC und Technikraum sowie der Stauraum mit Gestellen voller Spielsachen und das kleine Büro der Kindergärtnerinnen.

«Wir haben uns überall auf das Minimum beschränkt», sagt Peter U. Müller. Denn ein zusätzlicher Quadratmeter Grundfläche und 10 Zentimeter mehr Raumhöhe kosten mehrere Tausend Franken. Die Wände bestehen aus weiss gestrichenen Holzschnitzel-Platten. «Das ist sicher kein Luxus. Aber bisher hat sich niemand darüber beklagt», berichtet Müller. Im Gegenteil: «Die Kinder fühlen sich wohl hier.»

Das Geld reicht

Die elf Kindergarten-Neubauten sind auf acht Standorte verteilt. An drei Orten – unter anderem auf der Eselweid – ist je ein Doppelkindergarten gefragt. Dort können einfach zwei Holzbau-Module auf- oder nebeneinandergestellt werden. Die Module sind zum grössten Teil vorgefertigt, die Bauzeit vor Ort beträgt weniger als zwei Wochen. Der Eselweid-Chindi wird in der Anfangszeit als Reserve dienen. Hier sind jene Klassen einquartiert, deren Kindergärten abgerissen und neu gebaut werden. Später werden in der Eselweid reguläre Klassen untergebracht. Denn Ostermundigen wächst – und braucht in den nächsten Jahren zwei zusätzliche Kindergartenklassen.

Eine Zeitlang glich die Ostermundiger Kindergartenplanung einem Drama. Die Behörden, die damals am Drücker waren, planten luxuriöse Neubauten, welche die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde überstiegen. Doch jetzt zeichnet sich ein versöhnliches Ende ab. 11,7 Millionen Franken für 13 neue Kindergärten – «falls nicht noch etwas Aussergewöhnliches passiert, wird das Geld reichen», sagt Peter U. Müller.

Berner Zeitung

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