Im Zaubergarten

Niederscherli

Ein Biotop, mit Pflanzen überwucherte Schwellen, schöne Sitz- und Liegemöglichkeiten, ein grosser Haselbaum als Schattenspender – und viele Tiere: Das und mehr bietet der Garten von Regula (64) und Urs Fasel (69) aus Niederscherli.

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Raphael Hadorn

Urs Fasel ist freischaffender Zauberer. An Hochzeiten, Kindergeburtstagen oder Firmenjubiläen sorgt er für staunende Gesichter, überrascht er seine Zuschauer mit viel Witz und noch mehr Magie. Um aus dem Garten das zu machen, was er jetzt ist, reichte ein Zaubertrick jedoch nicht aus.

«Leider», sagt er – und lacht. Im Gegenteil: «Das war harte Arbeit.» Unzählige Stunden, Tage und Wochen haben er und seine Frau investiert. Das Ergebnis lässt sich sehen. Es ist schlicht... zauberhaft.

«Pfuuse» unter dem Baum

«Der Garten ist im Sommer wie ein grosses Wohnzimmer für uns», sagt Regula Fasel. «Wir sind immer draussen, geniessen jede freie Minute.» Das Ehepaar, seit 43 Jahren verheiratet, sitzt auf einem Stein am Ende des Gartens. «In der freien Natur sucht man solche Plätze, wir haben ihn vor der Haustür», sinniert Urs Fasel. Hier hält sich der langjährige Industrie-Elektroniker am liebsten auf. Gerade vor seiner Bypass-Operation habe er auf diesem Stein sehr viel Zeit verbracht, Energie und Kraft getankt.

«In der freien Natur sucht man solche Plätze, wir haben ihn vor der Haustür.»Urs Fasel 

Oft im Beisein seiner Frau, die sich hier auch gerne aufhält. Noch lieber aber «pfuuset» sie auf dem Liegestuhl unter dem grossen Haselbaum. «Ich könnte hier stundenlang liegen und den Libellen zuschauen», sagt die seit einem Monat pensionierte Gesundheits- und Sportleiterin STV. Könnte, denn lange nichts tun widerstrebt Fasels. «Wir sind Macher», sagen beide. «Die Arbeit geht uns nie aus.» Den Garten betitelt Urs Fasel denn auch mal als Wohlfühl-, später wieder als Arbeitsoase. Wie alles im Leben sei auch der Umschwung mit Arbeit verbunden, wenn man es schön haben wolle. Was auffällt: die Liebe zum Detail.

Eine Hauswand des Nachbarn, die zu ihrem Garten hin steht, haben sie 1987 gemeinsam bemalt. Auch das grosse Schachspiel ist handgemacht. Je nach Besuch spiele er gerne mal eine Partie», sagt Urs Fasel. Spielen tut er auch oft mit seiner Frau. «Am Tisch im Garten können wir stundenlang ‹chärtle›», bestätigt sie.

Alles selber gemacht

1979 haben Fasels auf dem fast 1200 Quadratmeter grossen Grundstück, das an der Grenze zu Oberscherli und meistens knapp über der Nebelgrenze liegt, gebaut. Ein Jahr später sind sie eingezogen. Ein Garten damals? Fehlanzeige. Der ist in mehreren Etappen entstanden, Schritt für Schritt. «Wir haben alles selber gemacht – und hatten Hilfe von guten Freunden.» Eigenhändig gepflanzt haben Fasels vor fast 40 Jahren auch den heute mächtigen Haselbaum. «Der war damals noch ein Bäumchen. Der Stamm nur etwa fünf Zentimeter dick», erinnert sich Urs Fasel.

Vieles in der Oase ist aber auch notgedrungen entstanden. Weil der Hang bei viel Regen abrutschte, wurden Schwellen eingebaut, weil das Wasser nicht ablaufen konnte, entstand ein Biotop. «Ursprünglich hatten wir mal einen Schwimmteich ins Auge gefasst», erzählt Regula Fasel. Unter anderem aus Kostengründen habe man diesen Plan aber schnell wieder verworfen.

Paradies für Tiere

Das Biotop hat sich denn auch bewährt. In Spitzenjahren zählten Fasels über 160 Frösche. Auch Kröten, Teichmolche, Moderlieschen, Blindschleichen und Libellen halten sich im oder in der Nähe des Wassers auf – und sorgen dafür, dass die Mücken einen schweren Stand haben. Wie auch die Wespen. «Ein grosses Volk frisst jährlich ein Kilo Insekten, die Wespen sind deshalb genauso wichtig für den Garten wie die Bienen», sagt Urs Fasel, der sich selber als Naturfan bezeichnet. Leben und leben lassen ist denn auch das Motto des Ehepaars.

«Ich könnte hier stundenlang liegen und den Libellen zuschauen.»Regula Fasel 

Und so wachsen im Garten Efeu, Fuchsien, Vergissmeinnicht und Farn neben Hauswurz, Johanniskraut, Weiden, Frauenmantel, Fetthennen, Storchenschnabel oder Lavendel. Und nebst den Tieren im Teich sowie den vielen Insekten sichten Fasels hier unter anderem auch verschiedene Vogelarten, Füchse, Igel, Hermeline, Marder, Rehe. «Der Rotmilan kommt, wenn ich pfeife», erzählt Urs Fasel, der für die Eidechsen einen Nistplatz hergerichtet hat.

Neue Projekte im Garten sind derzeit keine geplant. Regula und Urs Fasel wollen nun geniessen, was sie sich erschaffen haben. Und mit ihrer Oase möglichst viele Besucher verzaubern.

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