Immer in Bewegung für die Gemeinde

Laupen

19 Jahre lang wirkte Michel Brönnimann als Laupener Gemeindeschreiber. Ende August wird er pensioniert. In seiner Funktion erlebte er auch emotionale Momente.

Gemeindeschreiber Michel Brönnimann blickt von Laupens Schlossterrasse zurück auf seine Laufbahn.

Gemeindeschreiber Michel Brönnimann blickt von Laupens Schlossterrasse zurück auf seine Laufbahn.

(Bild: Christian Pfander)

Sheila Matti

Mit den Händen stützt sich Michel Brönnimann auf der Schlossmauer ab, während sein Blick über das Städtli schweift. Am Fuss der Wehranlage erstreckt sich Laupen: zuerst die Altstadt, dann die Einfamilienhaussiedlungen entlang der Sense und, an der Grenze zu Bösingen, die weissen Wohnblöcke aus den 1970er-Jahren.

Während der Wind durch die Blätter des Ahornbaumes streicht, zeigt Brönnimann dorthin, wo Sense und Saane zusammenfliessen: «Die Regio Badi Sense etwa, da habe ich auch mitgewirkt. Im Hintergrund habe ich geholfen, die administrativen Strukturen aufzubauen.» Es sei wie bei so vielen Projekten, bei denen er dabei war: «Wenn Laupen irgendwo involviert ist, dann muss sich der Gemeindeschreiber bewegen. Das ist einfach so.»

19 Jahre lang hat sich Michel Brönnimann für Laupen bewegt. Mal freiwillig, mal gezwungenermassen, aber stets im Sinne der Bevölkerung. «Das war für mich immer das Wichtigste», sagt er, «dass auch diejenigen am Tisch vertreten sind, die nicht daran Platz nehmen dürfen.» Ende August nun geht Brönnimanns Ära zu Ende. Der Gemeindeschreiber verabschiedet sich in die wohlverdiente Pension.

Ein breites Engagement

«Wenn Michel Brönnimann geht, geht mit ihm auch jede Menge Wissen», sagt Gemeindepräsident Urs Balsiger (SVP), der voll des Lobes für den Schreiber ist. «Meist wusste er aus dem Stegreif, ob und wann ein Thema wie besprochen worden war.»

Nicht nur die Regio Badi Sense hat Brönnimann begleitet. Der gebürtige Bieler wirkte in einer Vielzahl von Projekten mit. So übernahm er etwa ehrenamtlich die Administration des Laupner Mietamts, als sich dieses 2008 aufzulösen drohte. Die Vorstandsmitglieder wollten ihre Mandate bereits niederlegen. Nur dank Brönnimann, der den ganzen Papierkram übernahm, blieben sie weiter dabei.

Ein anderes seiner Projekte war der Verein Region Laupen, in welchem die elf Gemeinden des ehemaligen Amtes Laupen planerisch zusammenwirkten. Auch hier sprang der Familienvater in die Bresche und führte das Sekretariat, las Berichte, bereitete Geschäfte vor oder verfasste Stellungnahmen. Er hinterliess ebenfalls in der Gemeindeverwaltung Spuren: «Als ich angefangen habe, gab es ganze 28 Kommissionen. Heute sind es nur noch 7.»

Ein Fable für Technik

Gemeindepräsident Urs Balsiger bezeichnet Michel Brönnimann als sehr loyal, als «einen Mann der alten Schule halt». Doch der angehende Pensionär hat auch moderne Seiten: Er fotografiert leidenschaftlich gern, fliegt eine Drohne für Landschaftsaufnahmen und fährt ausserdem gerne seinen 5-Tonnen-Allradcamper. Unter anderem bekam er die Stelle in Laupen, weil er sich gut mit der elektronischen Datenverarbeitung (EDV) auskennt. «Erst vor wenigen Tagen habe ich in der Verwaltung die neue EDV organisiert, die Software aktualisiert und zwei neue Server installiert – zu einem Bruchteil der veranschlagten Kosten von 350'000 Franken», erzählt Brönnimann stolz.

«Das Wichtigste war für mich, dass auch diejenigen am Tisch vertreten sind, die nicht daran Platz nehmen dürfen.»Michel Brönnimann, abtretender Gemeindeschreiber von Laupen

Nicht nur technisch brachte er viel Erfahrung mit nach Laupen: Zuvor amtete er in Stettlen als Schreiber, davor mehrere Jahre in Kerzers. In der Freiburger Gemeinde wohnt er noch heute mit seiner Ehefrau und den fünf Hunden. Auch aus geografischen Gründen habe er sich für die Stelle in Laupen beworben. «Das Städtli ist mit dem Fahrrad aus gut zu erreichen. So kann ich am Morgen, am Mittag und am Abend gemütlich mit dem Mountainbike pendeln.» Heute bezeichnet Brönnimann das Städtli, insbesondere das Schloss, als seinen Lieblingsort. «Würde mich das Haus nicht in Kerzers halten, würden wir schon lange in Laupen wohnen.»

Ein weicher Kern

Ein Charakterzug, der Michel Brönnimann auszeichne, sei sein Pflichtbewusstsein, so Gemeindepräsident Urs Balsiger: «Er hatte immer sehr hohe Ansprüche an sich selbst – und eben auch an jene, die mit ihm zusammenarbeiteten.» Deshalb hinterlasse er manchmal vielleicht einen etwas harten Eindruck. «Aber er hat einen weichen, sehr emotionalen Kern.»

Dass ihm der Job manchmal naheging, auch das erzählt Brönnimann auf der Schlossterrasse. Etwa bei Exmissionen. «Einmal mussten wir die Wohnung eines Mannes räumen lassen, der an Krebs litt», sagt er, und seine Stimme wird leiser. Dem Mann sei es während der Räumung sichtlich schlecht gegangen. Und nur wenige Tage später starb er. «Das beschäftigt mich heute noch.»

Es seien jene Momente, die er während seiner Pensionierung nicht vermissen werde. Vielleicht werden sie ihn während seiner Fahrten durch den Norden, die er mit Frau, Hunden und Camper angehen will, noch einige Male beschäftigen. Grundsätzlich freue er sich aber auf die viele freie Zeit. Und ganz auf Brönnimann muss Laupen dann doch nicht verzichten: In das laufende Projekt der Verkehrssanierung ist er so tief verstrickt, dass er auch in den kommenden Jahren noch mitarbeiten wird. Einfach, weil er nach 19 Jahren nicht anders kann, als sich für Laupen zu bewegen.

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