Ins Museum mit Marx

Bern

Die Schützenmatte hat neu ein Museum über Kapitalismus.

Die Schützenmatte in Bern.

Die Schützenmatte in Bern.

(Bild: Barbara Héritier (Bund))

Michael Feller@mikefelloni

«Museum des Kapitalismus» steht über dem Eingang zum Zelt auf der Schützenmatte. Ja, die «Schütz» hat jetzt auch ein Museum. Der ehemalige Parkplatz wird seit Frühling durch den Verein Platzkultur zwischengenutzt, seither gab es schon einiges: Bars und Restaurants, Konzerte und Kurse, eine Skyline aus ausgedienten Futtersilos. Für Schlagzeilen haben indes vor allem Entreissdiebstäle und Raufhändel gesorgt. Doch wer sich auf die Schützenmatte wagt, kann auch Kulturelles erleben.

Im «Museum des Kapitalismus» – statt Eintritt gibts Kollekte – zeigt sich auf den ersten Blick: Hier ist alles selbst gezimmert. In vielen Stunden Frei-willigenarbeit hat eine Gruppe junger Menschen ihr Museum gebaut. Sie hat Wände aus Pressholzplatten aufgestellt und damit erst einen ausstellungstauglichen Raum geschaffen in diesem Zelt.

Weil der Raum ungeheizt ist, schlagen die aufgeklebten Saaltexte vor Feuchtigkeit Wellen. Alles wirkt zwar improvisiert, aber doch sorgfältig gemacht. Laut Angaben des Ausstellungskollektivs wurden die Inhalte zu einem grossen Teil vom «Museum des Kapitalismus» in Berlin übernommen und «eingeschweizert», und ergänzt durch Eigenes.

Eine rote Linie führt durch die Ausstellung, von Posten zu Posten, an denen Themen wie wirtschaftliche Sorgen, Gentrifizierung und Lohnungleichheit behandelt werden. Der Fall ist klar: Das Museum versteht sich als Fürsprecher der Systemverlierer, der Ausgegrenzten und Unzufriedenen.

Wie gerecht ist das alles?

Als Besucher wird man immer wieder mit der Frage konfrontiert: Wie gerecht ist es, so, wie es ist? Es gibt immer etwas zu tun: Am Anfang steht die Aufforderung, mittels goldener Bälle die Verteilung des Vermögens auf die Bevölkerungsschichten aufzuteilen. Die Auflösung zeigt: Den Reichen gehört fast alles.

An Hörstationen erzählen Menschen vom Rand der Gesellschaft ihre Schicksale und wie sie sich ausgeschlossen fühlen. Eine Installation aus Lego erklärt den Kapitalkreislauf. Am prägnantesten ist eine Hau-den-Lukas-Station. «Schaffst du es bis ganz nach oben?» lautet die Frage. Es gibt Hämmer aller Grössen, um das Metallstück in die Höhe schnellen zu lassen. Klarer Fall: Nicht alle haben die gleiche Chance auf den Aufstieg.

Die Ausstellung ist interaktiv und deshalb kurzweilig. Und doch beschleicht einen ein wenig das Gefühl, hier werde einem eine Wahrheit aufs Auge gedrückt, die sich am Gut und Böse nach Marx orientiert und es verpasst, verschiedene Alternativen des guten Zusammenlebens offen zu lassen.

Ausstellung bis 2. November; mdk-bern.ch

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