Integration durch Landsleute

Kehrsatz

Sogenannte Schlüsselpersonen aus verschiedenen Kulturen sollen ihren Landsleuten die In­tegration erleichtern.

In Kehrsatz gibt es schon zahlreiche Integrationsprojekte. Hier das Young Caritas Deutschkaffee.

In Kehrsatz gibt es schon zahlreiche Integrationsprojekte. Hier das Young Caritas Deutschkaffee.

(Bild: Christian Pfander)

Kehrsatz ist ein kultureller Schmelztiegel. Menschen aus 72 Ländern leben in der Agglomerationsgemeinde. Das sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Probleme im Zusammenleben. Der Gemeinderat reagierte letztes Jahr mit verschiedenen Massnahmen wie etwa einem «Deutschkaffee» oder einem Flyer mit Verhaltensregeln. Seit diesem Jahr läuft zudem eine Respektkampagne.

Und nun lanciert die Gemeinde ein neues Projekt. Sogenannte Schlüsselpersonen sollen ihren Landsleuten die Integration in der Gemeinde erleichtern. Die Gemeinde hat acht Personen mit Migrationshintergrund bestimmt, die schon seit vielen Jahren in Kehrsatz wohnen und gut integriert sind. Das Projekt wird ehrenamtlich von Therese Junker geleitet.

Sie sprechen die Sprache ihres Herkunftslands, verfügen aber auch über gute Deutschkenntnisse und über eine hohe Sozial­kompetenz. «Dadurch finden sie niederschwellig Zugang zu ihren Landsleuten und gewinnen rasch deren Vertrauen und Akzeptanz», schreibt die Gemeinde in einer Mitteilung. In einer ersten Phase beschränke sich das Projekt auf die Bevölkerung aus Eri­trea, Somalia, Syrien und Kosovo.

Rechte, Pflichten, Werte

Die Schlüsselpersonen sollen ihren Landsleuten bei Fragen und Alltagsproblemen beratend zur Seite stehen, ihnen die Lebensbedingungen näherbringen und sie über Rechte und Pflichten, Werte und Normen und Regeln für das Zusammenleben aufklären. Auch sollen sie über das Gesundheitssystem, die Schule, Kitas, den Sozialdienst, Sprachkurse oder Anlässe informieren. Pro Einsatz erhalten sie eine kleine Entschädigung.

«In der Praxis werden Schlüsselpersonen ihren Landsleuten beispielsweise erklären, wie der Abfall korrekt sortiert und entsorgt wird oder dass sie zu Terminen mit Behörden oder Ärzten pünktlich erscheinen müssen», sagt Gemeinderätin Elisabeth Stalder (FDP) in der Mitteilung.

Darin wird auch die 38-jährige Ada Tesfay aus Eritrea zitiert, eine der Schlüsselpersonen. Sie kam vor achtzehn Jahren als Kriegsflüchtling in die Schweiz und arbeitet als Dolmetscherin und pädagogische Familienbe­raterin: «Mit meinem Engagement möchte ich mich auch beim Gastland und der Gemeinde für das gute Leben, das mir hier ermöglicht wurde, bedanken.»

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