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Jegenstorf als Vorbild für Südkorea

Wie funktioniert eine Gemeindeversammlung in der Schweiz? Eine südkoreanische Delegation wollte das miterleben.

Ein südkoreanisches Journalistenteam besuchte die Jegenstorfer Gemeindeversammlung (Symbolbild).
Ein südkoreanisches Journalistenteam besuchte die Jegenstorfer Gemeindeversammlung (Symbolbild).
Andreas Blatter

Eine Gemeindeversammlung sei offenbar eine sehr ernste Angelegenheit: Zu diesem Schluss kommt am Freitag Jinsung Choi, Journalist der renommierten Zeitung «Herald Business». Der Südkoreaner hatte soeben an der GV in Jegenstorf teilgenommen. Und was er dort zu hören und zu sehen bekam, erstaunt ihn.

Die Leute seien extrem gut vorbe­reitet und mit einem hohen Wissensstand zur Versammlung ­gekommen, resümiert der asiatische Journalist. «Sie verhielten sich ruhig, waren konzentriert, und ihre Mienen blieben stets ernst.»

Dies mochte nach hiesigem Verständnis für das erste Traktandum zutreffen: Der Verpflichtungskredit von 1,226 Millionen Franken für die Sanierung der Oberdorfstrasse wurde einstimmig angenommen.

Auch Gelächter zu hören

Doch danach amüsierte sich ein Grossteil der Anwesenden bei der Diskussion zur nächsten Kreditvergabe: Asiatische Arbeitsbedingungen wurden angesprochen. Ob man garantieren könne, dass die Tablets und Notebooks, welche man kaufen wolle, nicht aus Betrieben mit Kinderarbeit stammen würden, fragte eine Frau nach.

Alle Köpfe drehten sich in Richtung der Südkoreaner, und Gelächter war zu hören. «Eine hundertprozentige Garantie gibt es nicht», lautete die Antwort von Gemeinderat Robert ­Alder (EVP). Die Südkoreaner lächelten selbstbewusst zurück – in ihrem Land existieren Gesetze gegen Kinderarbeit.

Während der GV filmten die beiden Medien- und Staatsvertreter das Geschehen im Kirch­gemeindesaal. Choi wird nun in weitere Länder reisen, um die jeweiligen Demokratieverständnisse zu erforschen. Sein Arbeitskollege Yu Jin Jang stellt aus dem Gefilmten eine Dokumentation zuhanden der auftraggebenden Kommission zusammen.

Südkorea ist eine Republik, welche nach zentralistischen Ansätzen aufgebaut ist. Nun soll die Autonomie der Gemeinden überdacht werden. Doch für eine ­Änderung des demokratischen Kulturverständnisses werde die Bevölkerung viel Zeit brauchen, sind sich die Delegationsmitglieder einig. Die Schweiz habe ein einmaliges Demokratieverständnis aufgebaut, das weltweit starke Beachtung finde. Jetzt wolle man schauen, ob einzelne Inhalte auch für Südkorea geeignet ­wären.

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