Jenische Kinder schwänzen Schule

Bern

Wenn jenische Kinder die Schulpflicht nicht erfüllen, soll es keine Sanktionen mehr geben – oder doch? Beim Schulamt Bern und bei der Direktion für Bildung herrscht Uneinigkeit.

Wie verbindlich ist die Schulpflicht für Kinder von Fahrenden?

Wie verbindlich ist die Schulpflicht für Kinder von Fahrenden?

(Bild: Keystone)

Üblicherweise gehen Kinder mit 7 Jahren in die Schule und wechseln mit 13 Jahren in die Oberstufe. Im Anschluss besuchen sie weiterführende Schulen oder machen eine Berufslehre – es bestehen die sogenannte Schulpflicht und das Recht auf Bildung. Auch für die jenischen Kinder, die im Buech im Westen der Stadt Bern stationiert sind, gilt die Schulpflicht. Nun aber sollen sie von dieser befreit werden. Das berichtet das Bundeshaus-Radio.

Anzeigen und Bussen haben keine Wirkung bei Jenischen

Bereits seit 2005 besteht für die Fahrenden eine schulische Sonderregelung. Beim Erreichen des 15.Lebensjahres können die Jenischen ihre Schulzeit beenden. Bis dahin wird von ihnen erwartet, dass sie ebenfalls in die Schule gehen – zumindest in den Wintermonaten. Denn im Sommer reisen sie mit ihren Eltern umher, um deren Handwerk zu erlernen, die Schuldbildung ist dabei zweitrangig.

Viele Kinder besuchen aber auch im Winter die Schule nicht, worauf die Stadt Bern bis jetzt mit Sanktionen reagierte, wie es im Beitrag des Bundeshaus-Radios heisst. Vielfach kam es zu Bussen oder Anzeigen gegen die Eltern, weil ihre Kinder der Schulpflicht nicht nachgekommen sind.

Uneinigkeit zwischen Amt für Bildung und Schulamt

Weil diese Sanktionen keine Wirkung zeigten, nimmt das Schulamt der Stadt Bern einen Paradigmenwechsel vor. In Zukunft würden Eltern von jenischen Kindern, die der Schule fernbleiben, nicht mehr geahndet, sagt Irène Hänsenberger, Leiterin des Schulamts Bern, im Radiointerview. Anscheinend sind sich das Schulamt und die städtische Direktion für Bildung, Soziales und Sport dabei nicht einig. Denn Sven Baumann, der Generalsekretär der Direktion, sagt: «Sanktionen, die nicht gegriffen haben, sollen aufgehoben und durch solche ersetzt werden, die besser fruchten.»

«Wir haben Angst, dass wir unsere Flexibilität verlieren»

Bei Fino Winter, er lebt im Winter auf dem Standplatz Buech, kommt der angebliche Entscheid des Schulamts gut an. Er sagt im Radiobeitrag: «Wir haben Angst, dass wir vom Staat zu stark sozialisiert werden und dadurch unsere Kultur verlieren. Wenn unsere Kinder feste Tagesabläufe haben, leidet unsere Flexibilität zu reisen darunter.» Es sei zwar gut, wenn die Kinder Schreiben, Lesen und Rechnen lernten, für das traditionelle Handwerk brauche es nicht mehr.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt