Jetzt wird das Gelände des Autofriedhofs saniert

Kaufdorf

Bald sind alle Spuren des Gürbetaler Autofriedhofs verwischt. Das Gelände wird saniert, das belastete Material entsorgt. Das macht Franz Messerli überhaupt nicht glücklich.

Franz Messerli: Das Profil zeigt an, wie hoch das Gelände aufgeschüttet wird.

Franz Messerli: Das Profil zeigt an, wie hoch das Gelände aufgeschüttet wird.

(Bild: Nicole Philipp)

Johannes Reichen

Die Welt von Franz Messerli besteht in erster Linie aus Autos und Töffs, aus Motoren und Karosserien. Das sah man früher auf seinem Autofriedhof in Kaufdorf, der 2010 geräumt wurde. Man sieht es in seiner Autowerkstatt beim Bahnhof. Und man sieht es bei ihm daheim am Wiesenweg. Sein Haus erinnert fast mehr an ein Töffmuseum denn an eine Wohnung.

In den letzten Jahren hat sich Messerlis Welt aber auch etwas gewandelt. Sie besteht neuerdings auch aus Insekten und ­Vögeln, aus Schilf und Brombeersträuchern. Wo früher die ausrangierten Autos deponiert ­waren, da befindet sich heute ein Naturparadies. «Es ist unglaublich, was hier alles kreucht und fleucht», sagt er.

Baubeginn nächstes Jahr

Aber wie einst schon der Autofriedhof verschwand, so verschwindet jetzt auch das Paradies. Denn das Gelände muss saniert werden. Bis Montag lag das Baugesuch öffentlich auf. Beim Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland gingen bisher keine Einsprachen ein. Wenn alles reibungslos läuft, beginnen die Bauarbeiten Anfang des nächsten Jahres. Die Akte «Autofriedhof Kaufdorf» soll 2018 definitiv geschlossen werden.

«Es geht jetzt darum, dass die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden», sagt Messerlis Anwalt Roger Lerf. 2007 urteilte das Bundesgericht, dass Betreiber Messerli seinen Autofriedhof räumen muss. Und 2011 entschied ein Schiedsgericht, wie der ursprüngliche Zustand des Areals wieder hergestellt werden muss.

Das Ziel der Sanierung ist klar: «Das Areal soll als ökologische Ausgleichsfläche wieder landwirtschaftlich genutzt werden können», sagte Stephan Bögli vom kantonalen Amt für Wasser und Abfall vor anderthalb Jahren. Das Areal ist etwa mit Blei und Kohlenwasserstoff belastet.

Ein Teil des Bodens wird ab­getragen und durch unbelastetes Material ersetzt. Dann wird das Gelände um bis zu 1,1 Meter aufgeschüttet. Es wird eine sichtbare Veränderung geben, das deuten die Profile an.

Geld liegt auf Sperrkonto

Die Aufschüttung sorgte bereits für grosse Verzögerungen im Verfahren. Denn bei einem ersten Projekt wurde nicht berechnet, wie sie sich auf allfällige Über­flutungen auswirkt. Dieser Aspekt ging schlicht vergessen.

Jetzt weist das Büro Geotest nach, dass bei einem Hochwasser, wie es alle 300 Jahre vorkommt, keine «Gefahrenverlagerung» auf benachbarte Grundstücke vorliegt. Nur zwei Parzellen von Messerli sind gefährdet. Diese «Mehrgefährdung» müsse der Grundeigentümer aber akzeptieren, schreibt Geotest. Während der Auflage des Baugesuchs wandte sich aber dennoch eine besorgte Anwohnerin an die Fachleute.

Für die Räumung und Rekultivierung musste Messerli rund 300'000 Franken auf ein Sperrkonto beim Schiedsgericht einzahlen. «Dieses Geld reicht, um sämtliche Kosten zu begleichen», sagt Lerf. Aus seiner Sicht ist die vorliegende Lösung gut und angemessen.

Rehe, Füchse, Milane

Der 69-jährige Messerli aber bedauert das Ende des Naturparadieses. «Es ist schade um die vielen Pflanzen und Tiere.» Im Sommer verbringt er Stunden damit, von der Laube aus das Treiben auf der Wiese vor seinem Haus zu beobachten. Rehe springen dann übers Gras, und die Fischreiher stehen in Reih und Glied.

Während er das sagt, läuft ein Fuchs durchs Gebüsch und verschwindet im Wald. Und über den hohen Pappeln zieht ein Milan seine Kreise in die Luft. «So schön», sagt Franz Messerli.

Aus seiner Sicht gäbe es eine bessere Lösung statt der Sanierung: Das Areal so belassen, wie es ist.

Berner Zeitung

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