Zum Hauptinhalt springen

Jura-Konflikt: Es begann 1815

Der Jura-Konflikt besteht seit gut 200 Jahren. Mit der Abstimmung vom Juni 2017 sollte er beigelegt sein.

tag
So wird sich die Landkarte verändern: Moutier wechselt zum Kanton Jura. Am 17. September 2017 stimmten die bernjurassischen Gemeinden Belprahon und Sorvilier für einen Verbleib beim Kanton Bern.
So wird sich die Landkarte verändern: Moutier wechselt zum Kanton Jura. Am 17. September 2017 stimmten die bernjurassischen Gemeinden Belprahon und Sorvilier für einen Verbleib beim Kanton Bern.
Sabine Glardon
Laut Kantonspolizei blieb es ruhig.
Laut Kantonspolizei blieb es ruhig.
Keystone
Jura-Fahnen dominierten die Nacht.
Jura-Fahnen dominierten die Nacht.
Keystone
51,7 % zu 48,3 %: Es wird wohl noch lange Diskussionen in Moutier geben.
51,7 % zu 48,3 %: Es wird wohl noch lange Diskussionen in Moutier geben.
Keystone
...und Marcel Winistoerfer, Stadtpräsident von Moutier (rechts), riefen dazu auf, den Probernern die Hand zu reichen und alte Gräben zuzuschütten.
...und Marcel Winistoerfer, Stadtpräsident von Moutier (rechts), riefen dazu auf, den Probernern die Hand zu reichen und alte Gräben zuzuschütten.
Keystone
Die gesamte jurassische Regierung war am Sonntag nach Moutier gereist. Regierungsratspräsidentin Nathalie Barthoulot (rechts) feiert mit den Projurassiern.
Die gesamte jurassische Regierung war am Sonntag nach Moutier gereist. Regierungsratspräsidentin Nathalie Barthoulot (rechts) feiert mit den Projurassiern.
Keystone
Gemeinsam halten sie eine Karte hoch, auf der die Stadt Moutier bereits zum Kanton Jura gehört.
Gemeinsam halten sie eine Karte hoch, auf der die Stadt Moutier bereits zum Kanton Jura gehört.
Keystone
Champagner für die Sieger.
Champagner für die Sieger.
Keystone
Ein historisches Datum: Der Tag, an dem sich Moutier vom Kanton Bern abgewendet hat.
Ein historisches Datum: Der Tag, an dem sich Moutier vom Kanton Bern abgewendet hat.
Enrique Muñoz Garcia
Mit einem grossen Rammbock ziehen die Abstimmungssieger durch Moutier.
Mit einem grossen Rammbock ziehen die Abstimmungssieger durch Moutier.
Enrique Muñoz Garcia
Gesenkte Köpfe auch bei den Berner Regierungsräten Christoph Neuhaus, Bernhard Pulver und Pierre Alain Schnegg (v.l.), die ihre Pressekonferenz extra in Moutier abgehalten haben.
Gesenkte Köpfe auch bei den Berner Regierungsräten Christoph Neuhaus, Bernhard Pulver und Pierre Alain Schnegg (v.l.), die ihre Pressekonferenz extra in Moutier abgehalten haben.
Philippe Müller
Der Kanton Bern hat vergeblich um einen Verbleib Moutiers gebuhlt, entsprechend gross ist die Enttäuschung bei den Antiseparatisten.
Der Kanton Bern hat vergeblich um einen Verbleib Moutiers gebuhlt, entsprechend gross ist die Enttäuschung bei den Antiseparatisten.
Keystone
Korkenknallen und Jubelschreie hingegen bei den Pro-Jurassiern kurz nachdem das Resultat verkündet worden ist.
Korkenknallen und Jubelschreie hingegen bei den Pro-Jurassiern kurz nachdem das Resultat verkündet worden ist.
Enrique Muñoz Garcia
Wer gedacht hat, die Jurafrage würde die jüngeren Generationen kaum mehr interessieren, lag falsch.
Wer gedacht hat, die Jurafrage würde die jüngeren Generationen kaum mehr interessieren, lag falsch.
Enrique Muñoz Garcia
Die Separatisten hatten sich rund um den Bahnhof versammelt.
Die Separatisten hatten sich rund um den Bahnhof versammelt.
Enrique Muñoz Garcia
Von Anfang an war dort die Stimmung ausgelassen optimistisch.
Von Anfang an war dort die Stimmung ausgelassen optimistisch.
Enrique Muñoz Garcia
Im Lager der Berntreuen herrschte im Vergleich dazu eher gedämpfte Stimmung, die Anspannung war hoch.
Im Lager der Berntreuen herrschte im Vergleich dazu eher gedämpfte Stimmung, die Anspannung war hoch.
Keystone
Im Lager der Pro-Berner wurde gejasst, während die Auszählung der Stimmen weiter andauerte.
Im Lager der Pro-Berner wurde gejasst, während die Auszählung der Stimmen weiter andauerte.
Keystone
Rund um das Hôtel de la gare, der Hochburg der Separatisten, herrschte schon am Nachmittag Volkfsfeststimmung.
Rund um das Hôtel de la gare, der Hochburg der Separatisten, herrschte schon am Nachmittag Volkfsfeststimmung.
Philippe Müller
In diesem Puzzle ist Moutier schon dem Kanton Jura angehängt worden.
In diesem Puzzle ist Moutier schon dem Kanton Jura angehängt worden.
Philippe Müller
Rien ne va plus, nichts geht mehr: Um 12 Uhr wurden sämtliche Wahlurnen versiegelt.
Rien ne va plus, nichts geht mehr: Um 12 Uhr wurden sämtliche Wahlurnen versiegelt.
Keystone
Ein Wahlbeobachter des Bundesamtes für Justiz brachte eine der Urnen höchstpersönlich...
Ein Wahlbeobachter des Bundesamtes für Justiz brachte eine der Urnen höchstpersönlich...
Keystone
... zur Auszählung. Wie schon die Stimmabgabe fand diese unter den Augen von Wahlbeobachtern statt.
... zur Auszählung. Wie schon die Stimmabgabe fand diese unter den Augen von Wahlbeobachtern statt.
Keystone
Am Vormittag warf Patrick Röthlisberger vom Komitee Moutier-Prévôté, das sich für einen Verbleib im Berner Jura ausspricht, seinen Stimmzettel in die Urne.
Am Vormittag warf Patrick Röthlisberger vom Komitee Moutier-Prévôté, das sich für einen Verbleib im Berner Jura ausspricht, seinen Stimmzettel in die Urne.
Keystone
Um etwa 10 Uhr am Sonntagmorgen trafen die Urnen mit den brieflich eingereichten Stimmcouverts unter Polizeischutz in Moutier ein.
Um etwa 10 Uhr am Sonntagmorgen trafen die Urnen mit den brieflich eingereichten Stimmcouverts unter Polizeischutz in Moutier ein.
Keystone
In der Nacht auf Freitag vor der Abstimmung hatten Unbekannte das Jura-Wappen an einem Felsen oberhalb Moutier teilweise mit einer Russland-Flagge übermalt.
In der Nacht auf Freitag vor der Abstimmung hatten Unbekannte das Jura-Wappen an einem Felsen oberhalb Moutier teilweise mit einer Russland-Flagge übermalt.
Keystone
Zwei Kantone buhlen um die Gunst von Moutier.
Zwei Kantone buhlen um die Gunst von Moutier.
Max Spring
Moutier gehört zum Kanton Bern. Autonomisten wollen dies mittels Gemeindeabstimmung ändern.
Moutier gehört zum Kanton Bern. Autonomisten wollen dies mittels Gemeindeabstimmung ändern.
Beat Mathys
Die Jura-Frage hat an Brisanz verloren, bloss in Moutier ist die Bevölkerung nach wie vor gespalten.
Die Jura-Frage hat an Brisanz verloren, bloss in Moutier ist die Bevölkerung nach wie vor gespalten.
Daniel Fuchs
«Mit dieser Abstimmung ist Moutier nicht jurassisch geworden, aber Moutier ist nicht mehr eine bernische Stadt», sagte Maxime Zuber, der damalige Stadtpräsident von Moutier und bekennender Separatist, nach der Abstimmung.
«Mit dieser Abstimmung ist Moutier nicht jurassisch geworden, aber Moutier ist nicht mehr eine bernische Stadt», sagte Maxime Zuber, der damalige Stadtpräsident von Moutier und bekennender Separatist, nach der Abstimmung.
Enrique Muñoz Garcia
Im Vorfeld der Abstimmung war es in Moutier zu Scharmützeln zwischen Pro-Bernern und Autonomisten gekommen (Juni 2013).
Im Vorfeld der Abstimmung war es in Moutier zu Scharmützeln zwischen Pro-Bernern und Autonomisten gekommen (Juni 2013).
Keystone
Kampf für die Unabhängigkeit: Jurassier demonstrieren 1965 in Delsberg gegen den Kanton Bern. Die jurassische Separatistengruppe Béliers ist seit den 1960ern aktiv.
Kampf für die Unabhängigkeit: Jurassier demonstrieren 1965 in Delsberg gegen den Kanton Bern. Die jurassische Separatistengruppe Béliers ist seit den 1960ern aktiv.
Keystone
Unruhe im Bundeshaus: Der CVP-Nationalrat und spätere Bundesrat Kurt Furgler, mit dem Rücken zur Kamera, versucht am 11. Dezember 1968 während der Session ein Handgemenge zwischen den Parlamentariern und einer Gruppe jurassischer Seperatisten zu schlichten.
Unruhe im Bundeshaus: Der CVP-Nationalrat und spätere Bundesrat Kurt Furgler, mit dem Rücken zur Kamera, versucht am 11. Dezember 1968 während der Session ein Handgemenge zwischen den Parlamentariern und einer Gruppe jurassischer Seperatisten zu schlichten.
Keystone
Flammender Protest: Jurassische Separatisten verbrennen 1969 während einer Demonstration vor dem Bundeshaus hunderte von roten Zivilverteidigungsbüchlein.
Flammender Protest: Jurassische Separatisten verbrennen 1969 während einer Demonstration vor dem Bundeshaus hunderte von roten Zivilverteidigungsbüchlein.
Keystone
In einer Aktion gegen die Baupolitik des Kantons Bern giessen Béliers 1972 in Bern heissen Asphalt in die Tramschienen.
In einer Aktion gegen die Baupolitik des Kantons Bern giessen Béliers 1972 in Bern heissen Asphalt in die Tramschienen.
Keystone
Roland Béguelin vom Rassemblement jurassien wirft am 22. Juni 1974 seinen Stimmzettel zum Plebiszit über die Gründung eines eigenen Kantons Jura in die Urne. 52 Prozent der jurassischen Bevölkerung des Kantons Bern folgen ihm.
Roland Béguelin vom Rassemblement jurassien wirft am 22. Juni 1974 seinen Stimmzettel zum Plebiszit über die Gründung eines eigenen Kantons Jura in die Urne. 52 Prozent der jurassischen Bevölkerung des Kantons Bern folgen ihm.
Keystone
Auf eidgenössischer Ebene sagen 82 Prozent des Schweizer Stimmvolks Ja zum Kanton Jura. Zahlreiche Jurassier feiern die Unabhängigkeit am 24. September 1978 in Delsberg.
Auf eidgenössischer Ebene sagen 82 Prozent des Schweizer Stimmvolks Ja zum Kanton Jura. Zahlreiche Jurassier feiern die Unabhängigkeit am 24. September 1978 in Delsberg.
Keystone
Nach der Gründung des Kantons Jura 1979 setzen sich die Béliers für die Wiedervereinigung des bernischen Südjuras mit dem Kanton Jura ein.
Nach der Gründung des Kantons Jura 1979 setzen sich die Béliers für die Wiedervereinigung des bernischen Südjuras mit dem Kanton Jura ein.
Keystone
Jurassier ziehen am 14. August 1982 mit Fahnen durch die im Berner Jura gelegene Gemeinde Vellerat, die zuvor von der Bevölkerung als «freie Gemeinde» ausgerufen wird. Nach dem positiven Ausgang einer Volksinitiative1996 wird Vellerat dem Kanton Jura zugesprochen.
Jurassier ziehen am 14. August 1982 mit Fahnen durch die im Berner Jura gelegene Gemeinde Vellerat, die zuvor von der Bevölkerung als «freie Gemeinde» ausgerufen wird. Nach dem positiven Ausgang einer Volksinitiative1996 wird Vellerat dem Kanton Jura zugesprochen.
Keystone
Weg vom Sockel: 1986 stürzen die Béliers die Statue der Justitia vom Gerechtigkeitsbrunnen in der Berner Altstadt.
Weg vom Sockel: 1986 stürzen die Béliers die Statue der Justitia vom Gerechtigkeitsbrunnen in der Berner Altstadt.
Keystone
Aus Protest gegen die Ablehnung der ersten staatsrechtlichen Beschwerde des Kantons Jura verbrennen Separatisten 1991 vor dem Bundesgericht Schweizer Fahnen.
Aus Protest gegen die Ablehnung der ersten staatsrechtlichen Beschwerde des Kantons Jura verbrennen Separatisten 1991 vor dem Bundesgericht Schweizer Fahnen.
Keystone
1993 stirbt in Bern der 25-jährige Bélier Christophe Bader nach der vorzeitigen Explosion eines Sprengsatzes, den er in seinem Auto mitgeführt hat.
1993 stirbt in Bern der 25-jährige Bélier Christophe Bader nach der vorzeitigen Explosion eines Sprengsatzes, den er in seinem Auto mitgeführt hat.
Keystone
Béliers malen 1997 ein Jura-Wappen auf den Roland-Béguelin-Platz in Moutier. Am 29. November 1998 lehnen die Stimmbürger von Moutier einen Übertritt zum Kanton Jura ab.
Béliers malen 1997 ein Jura-Wappen auf den Roland-Béguelin-Platz in Moutier. Am 29. November 1998 lehnen die Stimmbürger von Moutier einen Übertritt zum Kanton Jura ab.
Keystone
Ungewöhnliche Protestaktion: 1984 stehlen Mitglieder der Béliers den Unspunnenstein. Erst 2001 geben sie ihn zurück – im Beisein von Shawne Fielding Borer.
Ungewöhnliche Protestaktion: 1984 stehlen Mitglieder der Béliers den Unspunnenstein. Erst 2001 geben sie ihn zurück – im Beisein von Shawne Fielding Borer.
Keystone
Jurassische Separatisten demonstrieren am Rande der offiziellen Feierlichkeiten zum 25. Geburtstag des Kantons Jura in Delsberg. (24. September 2004)
Jurassische Separatisten demonstrieren am Rande der offiziellen Feierlichkeiten zum 25. Geburtstag des Kantons Jura in Delsberg. (24. September 2004)
Keystone
Und wieder ist er weg: 2005 verschwindet der Unspunnenstein aus einem Hotel in Interlaken. Er ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.
Und wieder ist er weg: 2005 verschwindet der Unspunnenstein aus einem Hotel in Interlaken. Er ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.
Keystone
Durchbruch in einem jahrzehntelangen Konflikt: Die jurassische Regierungspräsidentin Elisabeth Baume-Schneider (v.l.) und ihr Berner Amtskollege Bernhard Pulver unterschreiben im Beisein von Bundesrätin Simonetta Sommaruga eine Absichtserklärung zur Lösung der Jurafrage. (20. Februar 2012)
Durchbruch in einem jahrzehntelangen Konflikt: Die jurassische Regierungspräsidentin Elisabeth Baume-Schneider (v.l.) und ihr Berner Amtskollege Bernhard Pulver unterschreiben im Beisein von Bundesrätin Simonetta Sommaruga eine Absichtserklärung zur Lösung der Jurafrage. (20. Februar 2012)
Keystone
«Wir wollen den Jurakonflikt ein für allemal beenden», hofft Regierungsrat Pierre Alain Schnegg, selbst ein Bernjurassier, vor der Gemeindeabstimmung am 18. Juni.
«Wir wollen den Jurakonflikt ein für allemal beenden», hofft Regierungsrat Pierre Alain Schnegg, selbst ein Bernjurassier, vor der Gemeindeabstimmung am 18. Juni.
Keystone
1 / 50

«Die Jurafrage ist abgeschlossen»: Mit diesen Worten kommentierte die Berner Regierung am 18. Juni 2017 das knappe Ja von Moutier zu einem Kantonswechsel. Doch der Jura-Konflikt brodelt weiter – ein Konflikt, der seinen Ursprung im Jahr 1815 hat.

«Erklärung des Wiener Congresses vom 20. März 1815 über die Angelegenheiten der Schweiz»: So heisst das Dokument, das am Anfang des Konflikts steht. Sieben Bezirke des Bistums Basel werden darin dem Kanton Bern zugesprochen: Pruntrut, Delsberg, Freiberge, Moutier, Courtelary, Neuenstadt und Laufen.

Bald kommt es zu Spannungen: Die Bevölkerung dieser Gebiete fühlt sich von den gnädigen Herren in Bern vernachlässigt.

In den 1950er-Jahren wird der Protest lauter. Separatisten drängen auf eine Volksbefragung in den sieben jurassischen Wahlkreisen. Ihre Initiative wird von den bernischen Stimmberechtigten abgelehnt.

«Der Jura den Jurassiern»

Für Bern ist das Thema damit erledigt. Doch es kommt immer wieder zu Demonstrationen und zusehends auch zu gewaltsamen Zwischenfällen. «Der Jura den Jurassiern» lautet die Parole.

1970 ergänzt der Kanton Bern seine Verfassung und macht so den Weg frei zu mehreren Jura-Plebisziten. Der Nordjura löst sich von Bern, seit 1979 gibt es den Kanton Jura. Die drei südjurassischen Bezirke Courtelary, Moutier und Neuenstadt stimmen hingegen zweimal für den Verbleib beim Kanton Bern. Auch das Städtchen Moutier sagt mehrmals Ja zu Bern, wenn auch nur knapp.

Dass der Jura-Konflikt nun beigelegt wäre, erweist sich als Trugschluss: Separatisten im Süden kämpfen unbeirrt weiter für eine «Wiedervereinigung» mit dem Norden.

Bomben- und Brandanschläge

In den 1980er-Jahren kommt es zu gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Projurassiern und Berntreuen, Bomben- und Brandanschlägen. 1993 stirbt der Separatist Christophe Bader bei einem versuchten Bombenanschlag in Bern. Ab den 1990er-Jahren setzt sich der Bund verstärkt für eine Lösung ein. Der Kanton Bern seinerseits ergänzt die Kantonsverfassung und billigt dem Berner Jura eine «besondere Stellung» zu.

Schliesslich schafft er ein Sonderstatut für den Berner Jura und Welschbiel. Die Gebiete erhalten eine beschränkte Autonomie im Schul- und Kulturbereich. Doch der Kanton Jura und die Projurassier im Kanton Bern wollen mehr, sie streben weiter eine Vereinigung an.

2012 einigen sich die beiden Kantone unter Federführung des Bundes darauf, dass die Bevölkerung an der Urne über die Zukunft des Berner Juras entscheiden soll. Im November 2013 sprechen sich die jurassischen Stimmberechtigten klar für einen neuen Kanton aus – doch im Berner Jura wird das Projekt deutlich abgelehnt.

Allerdings gab es in Moutier eine Mehrheit für den neuen Kanton. Das Städtchen darf daher – wie vorgängig vereinbart – nochmals abstimmen – und entscheidet sich am 18. Juni 2017 mit knapper Mehrheit für den Wechsel zum Jura.

Moutiers umstrittene Identität

Mit einer Fête de la liberté feierten Moutiers Separatisten Mitte Juni den ersten Jahrestag der Abstimmung vom 18. Juni 2017. Damals votierte eine knappe Mehrheit in Moutier für den Wechsel zum Kanton Jura. Laut der Kantonspolizei Bern gab es keine probernischen Störaktionen am Fest in Moutiers Altstadt. Laut Organisationskomitee nahmen am friedlichen Fest auch Berntreue teil, viele blieben aber zu Hause.

Das zeigt, dass Moutiers Identität bis heute umstritten ist. Der Ort ist der Brennpunkt des Jura-Konflikts. Er liegt in einer Grenzzone, in der Einflüsse aus dem katholischen Bistum Basel im Norden wie auch aus dem reformierten Kanton Bern im Süden spürbar sind. Bei den drei Jura-Plebisziten von 1974 und 1975 stimmte Moutiers Bevölkerung jeweils knapp für einen Verbleib beim Kanton Bern. In Moutier begleiteten heftige Krawalle die engen Urnengänge. Seit 1986 bestimmt eine separatistische Mehrheit die Gemeindepolitik.

Bei der Jura-Abstimmung vom 24. November 2013 votierte der bernische Südjura abschliessend für den Verbleib bei Bern, Moutier aber für den Wechsel zum Jura. Diesen bestätigte es an der Gemeindeabstimmung vom 18. Juni 2017. Am Montag wurde die Beschwerde gegen diese Abstimmung gutgeheissen.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch