Keine Angst vor der Nadel

Tätowierer aus der ganzen Welt treffen sich dieses Wochenende in Bern. Am Anlass sind Grössen aus dieser Szene dabei. Auch Victor Portugal zeigt seine Künste.

Victor Portugal tätowiert seiner Kundin einen Totenkopf auf den Unterarm.

Victor Portugal tätowiert seiner Kundin einen Totenkopf auf den Unterarm.

(Bild: Christian Pfander)

Anastasia Presta

Die Nadel surrt monoton und sticht mit schnellen Bewegungen die schwarze Tinte unter die Haut. Der Tätowierer Victor Portugal führt die Tätowiermaschine So entsteht eine präzise Linie auf dem Körper seiner Kundin.

Eine Handvoll Zuschauer beobachtet seine ruhigen Bewegungen. Er ist ein bekanntes Gesicht an der Tattoo-Convention in der Bernexpo. 

Totenkopf auf der Haut

Seit etwa zwanzig Jahren tätowiert Victor Portugal. Er kommt ursprünglich aus Uruguay und hat sein Studio nun in Polen. «Ich habe mich auf düstere Motive mit surrealen Akzenten spezialisiert», sagt der Tätowierer. Seine erste Kundin an der Convention möchte genau diesen Stil auf ihrer Haut tragen. Sie hat sich für ein etwa zehn Zentimeter grosses Totenkopfmotiv auf ihrem Unterarm entschieden.

«Ich liebe seine düsteren Zeichnungen», sagt seine Kundin, die ihren Namen nicht sagen möchte. Sie ist extra aus Deutschland angereist. Jedoch hat sie schon mehr Kilometer für Victor Portugal zurückgelegt. Bereits mehrmals besuchte sie ihn in seinem Studio in Polen und liess sich ihren ganzen linken Arm tätowieren. Wie viel das Totenkopftattoo am Ende kosten wird, möchte der Portugal aber nicht verraten. 

Fans treffen ihr Idol

Neben Victor Portugal sind rund 200 Tattookünstler aus Ländern der ganzen Welt an der Tattoo-Convention. Hier können sich die Besucher unter die Nadel legen. «Die Tattoo-Convention gibt den Leuten die Möglichkeit, internationale Künstler zu treffen», sagt die deutsche Kundin.

Dieses Jahr ist es nicht anders: Immer wieder möchten die Besucher mit dem polnischen Tätowierer für ein Foto posieren. «Victor Portugal ist für viele ein Idol, dem man nicht oft so nahe kommt», sagt ein Besucher aus Litauen. Sein Kollege meint: «Er hat diesen düsteren Stil entwickelt. Das macht ihn als Tätowierer aussergewöhnlich.»

«Der Kunde ist exponiert»

In den Zeiten von Fussballern mit riesigen Tattoos boomt die Körperkunst mehr denn je. Dies wird auch an der Messe in Bern bemerkbar. Fast jede Liege an den 200 Tätowierständen ist belegt. Die meisten Besucher haben mindestens ein sichtbares Tattoo.

Hier ist für jeden etwas dabei, denn die Bandbreite der Motive ist gross: Der Besucher kann sich hier zwischen riesigen Oberschenkel-Tattoos und filigranen Zeichnungen am Handgelenk entscheiden. «Die Dauer des Sitzung kann so stark variieren. Manche Besucher verbringen mehrere Stunden hier», erklärt die Kundin aus Deutschland. 

Trotzdem hat das Tätowieren an der Messe einen Nachteil: «Als Kunde ist man hier exponiert», sagt sie weiter. Da hat sie nicht ganz unrecht: Der Stand eines Künstlers besteht aus einer Liege, seinen ausgestellten Motiven und der Tätowiermaschine. Eine Schutzwand gibt es nicht. «Das ist auch nicht das Ziel. Als Kunde ist man hier gleichzeitig das Model, das die Motive des Künstlers präsentiert», sagt sie.

Wettbewerb für Tätowierer

An der vierten Tattoo-Convention in der Bernexpo wird jedoch nicht nur gestochen. Es gibt auch das nötige Zubehör rund um das Tätowieren an den Ständen zu kaufen: Von farbigen Nadeln bis Tätowier-Maschinen in verschiedenen Varianten bieten die Tattookünstler alles an. Auch Artikel zur Pflege vom Tattoo finden die Besucher an der Messe. 

An allen drei Expotagen gibt es Wettbewerbe für die Tattookünstler. Sie messen sich in verschieden Kategorien. Zum Beispiel werden die besten Schwarz-Weiss-Motive des Tages gekürt. Bei einer anderen Kategorie wird der beste Schriftzug ausgewählt. Am Samstababend um 21 Uhr wird der Sieger der Wettbewerbe bekannt gegeben.

Der letzte Schliff

Mittlerweile verpasst Victor Portugal dem Totenkopf auf dem Arm seiner Kundin die letzten Schattierungen. Mit schnellen Bewegungen füllt er die dunklen Augen des Kopfes fertig aus. Dann legt er die Nadel zur Seite und wischt ein letztes Mal mit einem Tuch über das Motiv. Die Kundin betrachtet lächelnd ihren Unterarm: «Ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat», meint sie.

Die Tattoo-Convention läuft am Samstag von 12 Uhr bis 23 Uhr und am Sonntag von 12 Uhr bis 19 Uhr.

Berner Zeitung

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