Kirchdorf: Keinen Zaun mehr für die Frösche

Kirchdorf

Dieses Jahr sind die Frösche und Kröten vor allem auf sich selbst angewiesen, wenn sie den Gerzensee erreichen wollen.

Die Froschzäune werden nicht mehr aufgebaut. Nun müssen in Kirchdorf Warnschilder für Autofahrer genügen (Symbolbild).

Die Froschzäune werden nicht mehr aufgebaut. Nun müssen in Kirchdorf Warnschilder für Autofahrer genügen (Symbolbild).

(Bild: Andreas Blatter)

Johannes Reichen

Seit Jahren stellen Freiwillige in Kirchdorf jeweils im Frühling Froschzäune und Eimer auf. So fangen sie Frösche und Kröten ein und tragen sie dann über stark befahrene Strassen. Die Amphibien gelangen so gefahrlos zu den Laichgebieten am Gerzensee. Dieses Jahr aber gibt es keinen Zaun mehr. Organisator Martin Rüdisühli nennt zwei Gründe. Zum einen sei die Zahl der Tiere stark rückläufig. Zum anderen werde es immer schwieriger, Helfer für die Arbeit zu finden. Darum müssen nun Warnschilder für Autofahrer genügen.

Der eine von zwei Zäunen wurde schon letztes Jahr nicht mehr aufgestellt. «Wie sich herausstellte, war der Entscheid richtig», so Rüdisühli. Es seien dort – an der Strasse nach Wichtrach – keine Tiere zu Schaden gekommen. Nun wird auch der zweite Zaun zwischen Kirchdorf und Mühledorf nicht mehr aufgestellt. Letztes Jahr trugen dort die Helfer gerade noch 34 Frösche und Kröten über die Strasse.

Insgesamt wurden 2014 noch 195 Tiere gerettet. Vor zehn Jahren waren es noch 2000 gewesen. Rüdisühli: «Unsere 15-jährige Erfahrung zeigt, dass die Anzahl Amphibien stetig rückläufig ist.» Das Phänomen zeigt sich nicht nur am Gerzensee.

Wird Gemeinde aktiv?

Trotz Rückgang: Derzeit klärt Rüdisühli ab, ob die Gemeinde die Arbeit übernehmen könnte – nicht zuletzt, weil dem Ortsverein die Auflösung droht. Die Gemeinde könne nicht selbst Leute bereitstellen, sondern sei auf Mithilfe angewiesen, sagt Gemeindepräsident Paul Messerli. «Aber wir unterstützen die Arbeit, das ist eine gute Sache.»

Anders als in Kirchdorf sind in Gerzensee die Froschhelfer auch dieses Jahr aktiv. «Auf unseren Flyer melden sich immer Leute», sagt Marianne Horst, die jahrelang die Aktivitäten koordinierte. «Auch die Schule hilft mit.» Die Zahl der Tiere geht aber auch in Gerzensee zurück.

Berner Zeitung

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