Klee unter der «Pickelhaube»

Mit der Sammlungsausstellung «Klee im Krieg» wirft das Zentrum Paul Klee einen interessanten Blick auf den Sonderstatus, den der Maler im Ersten Weltkrieg hatte.

Klee veräppelt die Preussen: «Der grosse Kaiser, zum Kampf gerüstet» von 1921. Eine Schenkung von Livia Klee für das ZPK.

Klee veräppelt die Preussen: «Der grosse Kaiser, zum Kampf gerüstet» von 1921. Eine Schenkung von Livia Klee für das ZPK.

(Bild: zvg/Zentrum Paul Klee)

Helen Lagger@FuxHelen

«Nachdem ich nun vollständig entfettet und geistig durchaus ­erholt bin, dürfte der Weltkrieg ein Ende nehmen.» Diese Zeilen schrieb Paul Klee an seine Frau Lily während seiner Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg. Ein ironischer Tonfall, der sich durch seine ganze Korrespondenz zieht. Die aktuelle Sammlungsausstellung «Klee im Krieg» wirft einen Blick auf Klees Haltung zum Krieg und wie dieser seinen Erfolg mehr befeuerte als stoppte. Während seine Kollegen Franz Marc und August Macke sich freiwillig zum Heeresdienst gemeldet hatten und früh verstarben, blieb Klee erst mal verschont.

Malerei statt Schützengraben

Im März 1916 wurde der in Münchenbuchsee geborene Künstler, der wegen der Herkunft seines Vaters deutscher Staatsbürger war, schliesslich doch noch eingezogen. An der Front blieben Klee die Schützengräben allerdings erspart, er konnte sogar in einem eigenen Zimmer weiterhin malen. Über diesen Sonderstatus wurde bereits viel spekuliert. Hatte möglicherweise gar Kaiser Wilhelm seine schützende Hand über die Künstler gehalten, weil so viele von ihnen weggestorben waren?

Kuratorin Fabienne Eggelhöfer hat eine spannende Schau konzipiert, die das Thema mithilfe verschiedener Medien auffächert. Hörstationen erlauben es, in Tagebuchaufzeichnungen einzutauchen, während Briefe und Postkarten Aufschluss darüber geben, wie Klee den Krieg wahrnahm: als grosses Schauspiel. «Kostüm geschnappt» oder «Heute schon lustig exerciert», schrieb er seiner Frau, die sich wunderte, dass er als Einziger auf einem Gruppenfoto lachte.

Während manche an der Länge der getragenen Röcke den Zeitgeist festmachen wollen, glaubte Paul Klee an die Kunst als Gradmesser.

Künstlerisch war die furchtbare Zeit für Klee durchaus fruchtbar. Er war auf Militärflugplätzen stationiert oder arbeitete in der Kassenverwaltung. Seine später oft angewandte Schablonentechnik entdeckte Klee, als er Kennzeichen auf Flugzeuge malen musste. Flugzeugleinen diente ihm als Malgrund ebenso wie die Rechnungen, die er in der Kassenverwaltung sortieren musste. Bei dieser Tätigkeit erfasste ihn «gelindes Gruseln vor den krabbelnden Zahlen».

Scham und Graus

Ein Graus war ihm seit je auch der militärische Drill der «Pickelhauben». Noch bevor er selbst eine solche tragen musste, machte er sich mit der Zeichnung «Der grosse Kaiser, zum Kampf gerüstet» (1921) über die Preussen lustig. Klee war nicht nur der apolitische Träumer, als den er sich gerne gab. Er hatte vor dem Ersten Weltkrieg in Frankreich den Kubismus für sich entdeckt und machte sich Sorgen um die Beziehung zu den Nachbarn. Scham über die Vernichtung würde über beide Seiten kommen, war er überzeugt. Während manche an der Länge der getragenen Röcke den Zeitgeist festmachen wollen, glaubte Klee an die Kunst als Gradmesser: «Je schreckvoller diese Welt (wie gerade heute), desto abstrakter die Kunst, während eine glückliche Welt eine diesseitige Kunst hervorbringt», notierte er in sein Tagebuch.

Ausstellung:bis 3. Juni 2018 im Zentrum Paul Klee, Bern.

Berner Zeitung

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