Klimajugend muss ihr Hauptquartier verlassen

An der Hallerstrasse in Bern planten die Aktivisten den Klimastreik. Nun läuft die Zwischennutzung aus.

Klimakundgebungen wie diese (April 2019) wurden von der Hallerstrasse 5 aus geplant. Das ist nicht weiter möglich.

Klimakundgebungen wie diese (April 2019) wurden von der Hallerstrasse 5 aus geplant. Das ist nicht weiter möglich.

(Bild: Susanne Keller)

Jann Kessler ist enttäuscht. Bis zuletzt hat er gehofft, dass die Berner Klimastreik-Bewegung ihr Hauptquartier an der Hallerstrasse 5 im Länggassquartier nicht aufgeben müssen würde. Vergeblich. «Am Dienstagabend sind wir ausgezogen», sagt das Mitglied der Arbeitsgruppe Presse des Klimastreiks Bern.

In der Jugendstilvilla hatte die Gruppe einen Raum zum Videosschneiden, dazu Sitzungszimmer, um Kundgebungen zu planen oder sich auszutauschen. «Manchmal arbeiteten hier dreissig bis fünfzig Jugendliche aus der ganzen Schweiz an Projekten rund um die Klimastreiks», sagt Kessler.

Die Villa gehört dem Kanton Bern. Für eine befristete Zwischennutzung stellte er sie den Studierenden der Universität Bern zur Verfügung. Diese be­trieben im unteren Stock des Hauses unter anderem ein Café und stellten einzelne Räume unentgeltlich der Berner Regionalgruppe der Klimastreik-Bewegung zur Verfügung.

Bis jetzt. Am Mittwoch ist die befristete Zwischennutzung abgelaufen. Dies sei von Anfang an so abgemacht gewesen, teilt das zuständige Amt für Grundstücke und Gebäude (AGG) auf Anfrage mit. Das kantonale Jugendamt ziehe in die Villa, am 5. August werde die Liegenschaft übernommen und mit der Sanierung gestartet. Stellt sich die Frage: Warum machten sich die Aktivisten dennoch Hoffnung auf einen weiteren Verbleib?

«Ende Mai haben wir dem AGG ein Konzept für die Nutzung einzelner Zimmer oder für eine Co-Nutzung der Räume unterbreitet», sagt Klimastreik-Sprecher Kessler. Letztere wäre aus seiner Sicht gut möglich, weil die Treffen der Aktivistinnen und Aktivisten meist nach den Büroöffnungszeiten stattfinden würden. «Das Amt ging jedoch nicht darauf ein.» E-Mails seien un­beantwortet geblieben. Erst als die Gruppe bei Regierungsrätin Evi Allemann (SP) intervenierte, sei Bewegung in die Sache gekommen – die allerdings vor zwei Wochen in der Form einer Absage ihr abruptes Ende fand.

Das AGG bestätigt den Erhalt des Konzepts. «Wir konnten nicht darauf eingehen, weil das kantonale Jugendamt sämtliche Flächen benötigt», schreibt das Amt. Und eine Co-Nutzung während und nach den Büroöffnungszeiten sei aus betrieblichen Gründen nicht möglich. Man habe die Gruppe an die Koordinations­stelle für Zwischennutzung der Stadt Bern verwiesen.

Tatsächlich sind die Aktivisten schon fündig geworden:auf dem Meinenareal an der Schwarztorstrasse, das der Wohnbaugenossenschaft Schönbächli als Zwischennutzung übergeben wurde. Allerdings seien die Räume nicht gratis, sie müssten gemietet werden – keine optimale Lösung für die Gruppe, die von Spenden lebt, heisst es bei Klimastreik Bern. Daher werde parallel nach einem ge­eigneteren Platz für ein neues Hauptquartier gesucht.

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