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Kommentar: Goodwill nicht verspielen

Das Anliegen der Schweizer Jenischen ist absolut berechtigt. Sie müssen jedoch aufpassen, dass sie den Goodwill der Bevölkerung nicht verspielen.

Das Anliegen der Schweizer Jenischen ist absolut berechtigt. Es gibt in der Schweiz zu wenig Stellplätze, der Bedarf ist erwiesen. Bund, Kanton und Gemeinden stehen seit Jahrzehnten in der Pflicht. Jenische werden noch immer als Bürger zweiter Klasse behandelt. Dabei sind sie Schweizer, zahlen Steuern und leisten Militärdienst. Dass die Jenischen für ihr Anliegen demonstrieren, ist darum ihr gutes Recht. Oft genug wurden sie in der Vergangenheit vertröstet.

Dank ihrem Protestcamp in Bern hat die ganze Schweiz von der misslichen Situation der Jenischen erfahren. Das Verständnis der Behörden war gross: Man bedaure, dass es zur Räumung habe kommen müssen, hiess es beim Kanton. Ja, es gebe zu wenig Stellplätze, bekundete die Berner Stadtregierung. Auf allen Seiten wurden daraufhin viele Versprechen gemacht. Man suche nach neuen Stellplätzen, versprach Regierungspräsident Christoph Neuhaus. Man bleibe friedlich, versicherten wiederum die Fahrenden.

Beide Seiten müssen nun beweisen, dass dies nicht nur leere Worte waren. Die Jenischen haben versprochen, friedlich auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Bei ihrer erneuten Protestaktion in Nidau sind die Fahrenden aber gewaltsam auf das ehemalige Expo-Gelände eingedrungen. Ein solches Vorgehen ist kontraproduktiv. Die Jenischen müssen aufpassen, dass sie den Goodwill der Bevölkerung nicht verspielen. Es wäre schade, wenn durch weitere solche Aktionen ihre berechtigte Forderung untergehen würde. Mit ihrem Vorgehen in Nidau, das aus Sicht der Gemeinde an Nötigung grenzt, können die Jenischen ihre Ziele nicht erreichen.

Aber auch die Behörden müssen ihren Worten nun Taten folgen lassen. Solange sich Bund, Kanton und Gemeinden gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben und sich keiner zuständig fühlt, können keine zusätzlichen Stellplätze geschaffen werden.

Mail: tobias.marti@bernerzeitung.ch

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