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Läden in der Altstadt sollen auch am Sonntag offen haben

Die Läden in der unteren Berner Altstadt sollen künftig auch am Sonntag öffnen können. Der bernische Grosse Rat hat am Montag einen Vorstoss überwiesen, der die Ladenöffnungszeiten für touristisch frequentiere Orte weiter liberalisieren will. Die Umsetzung des Vorstosses dürfte aber ihre Tücken haben.

Mathias Tromp liess sich von den Gewerkschafterinnen nicht umstimmen. Er setzte seine Forderung für den Sonntagsverkauf durch.
Mathias Tromp liess sich von den Gewerkschafterinnen nicht umstimmen. Er setzte seine Forderung für den Sonntagsverkauf durch.
Andreas Blatter

Die Forderung stammt von keinem geringerem als dem ehemaligen Präsidenten von Bern Tourismus und heutigem BDP-Grossrat Mathias Tromp.

Er wolle keine generelle Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten, sondern nur Lockerungen für Gebiete, wo das Gästeaufkommen stark sei, wie eben in der unteren Berner Altstadt. Selbstverständlich bleibe es den Ladeninhabern überlassen, ob sie von dieser Möglichkeit Gebrauch machten, betonte Tromp.

Der Vorstoss verlangt, dass in echten Tourismuszonen wie der Berner Altstadt die Läden täglich beziehungsweise verlängert geöffnet werden können.

Probleme bei der Umsetzung

Seine mit viel Herzblut und Verve vorgetragene Forderung wurde selbst in links-grünen Kreisen mit gewissem Wohlwollen aufgenommen. Er verstehe die Forderung durchaus, räumte etwa Gewerkschafter Corrado Pardini (SP/Lyss) ein. Doch Tromps Vorstoss sei unausgegoren und verursache Probleme in der Umsetzung.

Der Bund habe klare Kriterien, welche Gebiete als Tourismusorte gelten würden, betonte Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher (SP). Dort müssten rund 50 Prozent der wirtschaftlichen Leistung vom Tourismus geprägt sein. Das sei in Bern nicht der Fall.

Rickenbacher zweifelte auch das Bedürfnis bei den Ladeninhabern an. Bereits heute schöpften sie die bestehenden Möglichkeiten nicht aus. Eine solche Tourismuszone könnte ausserdem den Nutzungsdruck steigern, indem internationale Ladenketten das einheimische Gewerbe bedrängten.

Und auch das Verkaufspersonal habe keinen Bedarf, auch noch am Sonntag und Abends noch länger zu arbeiten, sagte Natalie Imboden (Grüne/Bern). Vor dem Rathaus hatten am Nachmittag einige Dutzend Verkäuferinnen und Verkäufer sowie Gewerkschafter gegen eine weitere Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten protestiert.

«Kein Sonntagsspaziergang»

«Die Umsetzung des Vorstosses ist kein Sonntagsspaziergang», räumte Tromp ein. Dennoch brauche es eine Belebung der unteren Berner Altstadt, um touristisch attraktiv zu sein.

Bern stehe in Konkurrenz zu europäischen Städten wie Paris oder London, wo Touristen auch am Sonntag shoppen könnten, gab Anita Luginbühl (BDP/Krattigen) zu bedenken.

Es sei verfrüht, jetzt schon über die Umsetzung zu diskutieren, sagte Thomas Brönnimann (GLP/Mittelhäusern). Es gehe vorderhand um ein grundsätzliches Ja oder Nein zur Belebung der unteren Altstadt.

Der Grosse Rat überwies Tromps Vorstoss schliesslich relativ knapp mit 76 zu 65 Stimmen bei 3 Enthaltungen.

Ein weiterer Vorstoss, der eine generelle Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten auch ausserhalb touristisch relevanter Gebiete forderte, wurde zurückgezogen.

SDA/mau

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