Landshut-Debakel war kein Zufall

Landshut

In kaum einer anderen Region im Kanton Bern ist es dermassen schwierig, eine Gemeindefusion durchzubringen, wie im Emmental. Gründe lassen sich dafür keine finden. Immer wieder fällt aber ein Wort: Identifikation.

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Philippe Müller

Hasle und Rüegsau, Rüderswil und Lauperswil, Hindelbank und Mötschwil, Trubschachen und Langnau. Und ganz aktuell: Landshut. Die Liste von gescheiterten Fusionsbemühungen im Emmental ist seit letztem Sonntag um einen Eintrag reicher.

Dass die Stimmberechtigten von Utzenstorf, Wiler und Zielebach die Viererfusion klar ablehnten und Bätterkinden nur knapp Ja sagte, ist ein weiterer Beweis dafür, dass Gemeindefusionen im Emmental generell einen schweren Stand haben. Noch überhaupt nie ist es Fusionsbefürwortern gelungen, ein Projekt durchzubringen. Stets haben die Skeptiker die Oberhand behalten.

«Der Druck ist zu klein»

Warum ist das so? Auf diese vermeintlich simple Frage weiss niemand eine wirklich befriedigende Antwort. Annäherungen sind aber dennoch möglich. So sagt etwa der Emmentaler Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher: «Ich stelle immer wieder fest, dass sich die Emmentaler stärker mit ihrer Gemeinde identifizieren, als dies anderswo der Fall ist.» Diese Verwurzelung sei womöglich tatsächlich bis zu einem gewissen Grad eine Emmentaler Spezialität.

Grossenbacher hat noch einen weiteren Erklärungsansatz parat: Der Druck auf die Gemeinden sei schlicht zu wenig gross. «Kleine Emmentaler Gemeinden haben vielfach noch eine relativ tiefe Steueranlage und einfache Strukturen. Teilweise haben sie die Verwaltung an eine grössere Gemeinde ausgelagert. Ein Fusionszwang besteht unter diesen Voraussetzungen nicht.» Zudem werde offenbar in den Gemeinden die lose Zusammenarbeit einer endgültigen Fusion bevorzugt.

Sind Gemeindefusionen im Emmental überhaupt zeitgemäss, oder müsste man mangels Erfolg eher auf das unverbindlichere Kooperationsmodell setzen? «Fusionen sind der richtige Weg», sagt der Regierungsstatthalter bestimmt. «Möglicherweise braucht es noch einen Generationenwechsel, bis solche Zusammenschlüsse mehrheitsfähig sind.» Grossenbacher ist überzeugt, «dass es keine zwanzig Jahre mehr dauert, bis im unteren Emmental eine gewisse Bereinigung stattfindet». Dort tummeln sich momentan auf wenig Platz mehr als zwanzig Gemeinden.

Der Statthalter glaubt übrigens fest daran, dass das noch hängige Emmentaler Fusionsprojekt, welches die Gemeinden Ersigen, Ober- und Niederösch betrifft, im Juni angenommen wird. «Dort ist die Ausgangslage anders, der Finanzdruck ist vorhanden.»

Sonderfall Emmental

Dass das Emmental in Sachen Gemeindefusionen tatsächlich ein Spezialfall ist, bestätigt das kantonale Amt für Gemeinden und Raumordnung. Zwar gibt es mit Obersimmental-Saanen und Frutigen-Niedersimmental zwei weitere Verwaltungskreise, in denen bis heute noch kein Gemeindezusammenschluss vollzogen worden ist. Allerdings ist das Emmental der einzige Bezirk, in dem sämtliche Projekte gescheitert sind. Denn in Obersimmental-Saanen und Frutigen-Niedersimmental gab es bisher noch keine ernsthaften Fusionsbemühungen.

Berner Zeitung

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