Legaler Hanf soll Jugend schützen

Bern

Ob beim Autofahren, beim Geschlechtsverkehr oder beim Konsum von Cannabis – überall gehe man Risiken ein. Die Droge zu verbieten, sei darum falsch, sagen die Referenten des Drogenforums der Stadt Bern.

«Die repressive Drogenpolitik hat versagt», sagte Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss gestern am Suchtforum der Stadt Bern.

«Die repressive Drogenpolitik hat versagt», sagte Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss gestern am Suchtforum der Stadt Bern.

(Bild: Susanne Keller)

Wie kann man den Cannabismarkt sinnvoll regulieren? Wie schützt man Jugendliche am besten vor Schäden? Und ist Cannabis gefährlicher als Alkohol? Diese Fragen diskutierten Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss (SP), Sozialdirektorin Franziska Teuscher (GB) und Toni Berthel, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen, gestern am Suchtforum der Stadt Bern. «Klar ist, dass die repressive Drogenpolitik versagt hat», sagte Dreifuss, die heute Leiterin der Genfer Kommission für Suchtfragen ist.

Trotz Verbot gibt es in der Schweiz bis zu 500'000 Cannabiskonsumenten. In einem regulierten Markt könnte man die Leute besser schützen, beispielsweise Menge und Qualität des Stoffes kontrollieren.

Cannabis versus Alkohol

«Um eine gute Regulierung umzusetzen, braucht es harte Fakten», so Dreifuss. Diese könnten nur über Pilotprojekte gewonnen werden. Aus Genf kommt die Idee, in Clubs versuchsweise Cannabis an Erwachsene abzugeben. Die Stadt Bern will sich am Projekt beteiligen.

Toni Berthel unterstützt ebenfalls eine Liberalisierung des Cannabismarktes: «Jugendliche müssen lernen, mit Risiken umzugehen.» Das gelte auch beim Autofahren oder für den Geschlechtsverkehr.

Aus dem Cannabiskonsum einen Spezialfall zu machen, sei falsch. Cannabis mache im gleichen Masse süchtig wie Alkohol, weise aber ein geringeres Gefahrenpotenzial auf. Für Jugendliche, deren Hirn sich noch entwickle, könne der Cannabiskonsum allerdings sehr schädlich sein.

Teuscher betonte, dass die Prävention sehr wichtig sei. Sie werde durch eine Liberalisierung ebenfalls erleichtert. «Wenn der Konsum legal ist, können Jugendliche einfacher mit Eltern oder Lehrpersonen über Probleme sprechen.»

«Nur Drogenbefürworter»

Nicht einverstanden mit den Ansichten der drei Referenten war Stadtrat Roland Jakob (SVP), der im Publikum sass. Er kritisierte, dass nur Befürworter einer liberaleren Drogenpolitik am Forum eingeladen waren.

Teuscher entgegnete, dass zuerst eine fachliche Diskussion stattfinden müsse, damit die Möglichkeiten einer Regulierung geklärt würden. Für eine politische Diskussion bleibe später noch Zeit.

Berner Zeitung

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