Luzern hat XL-Busse als Alternative

Bern

Der Doppelgelenkbus als Alternative: Nach dem Nein zur Tramvorlage plädiert Tramkritiker Ruedi Gygax vehementer denn je für den Bus. Als Vorbild dient ihm Luzern.

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Stephan Künzi

«Sieht er nicht schnittig aus?» Eben fährt der nächste Bus um die Ecke, und Ruedi Gygax ist begeistert. Der Tramkritiker aus Ostermundigen steht am Bahnhof Luzern und will eins zu eins zeigen, wie er sich den öffentlichen Verkehr der Zukunft vorstellt. Die Linie 1 der Verkehrsbetriebe Luzern bietet ihm dafür besten Anschauungsunterricht, denn hier sind nicht einfach Busse unterwegs: In die Haltestelle biegt ein Fahrzeug ein, das an ein Tram erinnert.

Mit seinen 24,7 Metern Länge sprengt es die Dimensionen eines landläufigen Busses, und statt nur über ein Gelenk verfügt es gleich über deren zwei. Sie unterteilen diesen sogenannten Doppelgelenkbus in drei Abschnitte und garantieren ihm so eine gewisse Wendigkeit.

Auffällig ist auch das Design. Mit seiner schrägen, leicht abgerundeten Front. Den Verkleidungselementen über den Rädern. Und der überdimensionierten Anschrift «1er» an den Seiten.

Ohne Vibrationen

Im Innern weist Ruedi Gygax zuerst auf ein Schild neben der Fahrerkabine hin, das die Kapazität auf 220 Sitz- und Stehplätze beziffert. Das sei fast so viel wie in einem Tram, sagt er und rechnet vor, dass sich dieser Makel mit einem dichteren Takt wettmachen lasse. Dann schwärmt er von der guten Aufhängung und der komfortablen Federung, die das Fahrzeug auszeichneten – und wirklich: Der Bus scheint regelrecht durch den Verkehr zu gleiten.

Keine unangenehmen Vibrationen und kein lästiges Dröhnen stören die 20-minütige Reise in den Vorort Kriens. Das hat sicher auch damit zu tun, dass der Doppelgelenkbus auf den althergebrachten Dieselmotor verzichtet und als elektrisch betriebener Trolley unter einer Oberleitung verkehrt. Für kräftiges Schütteln sorgt nur noch hie und da eine Unebenheit in der Fahrbahn.

Ohne starres Gleis

Der Bus ist auch nach dem Nein zum Tram Region Bern das Thema von Ruedi Gygax. Erst letzte Woche informierte er sich an einer Tagung des Bundesamts für Energie über die neusten Entwicklungen in der Branche – dass sein Engagement auch aus eigener Betroffenheit entstanden ist, sagt er dabei offen. Immerhin sollte das Tram am Ende seiner Fahrt von Köniz nach Ostermundigen direkt vor seiner Wohnung wenden, und das störte ihn. Zumal er, wie er sagt, beim Einzug vor drei Jahren von niemandem auf die geplante Gleisanlage aufmerksam gemacht worden sei – «ich wollte nicht ständig einem Quietschen ausgesetzt sein».

Das alles ändert nichts daran, dass Ruedi Gygax das Tram und die Technologie dahinter grundsätzlich infrage stellt. Heute seien flexible Konzepte ohne starres Gleis gefragt, Konzepte auch, die nicht annähernd so viel kosteten. Der Doppelgelenkbus sei in dieser Hinsicht ideal – und bringe dank seines Platzangebots auch die nötige Kapazität.

Eine weitere Linie

Das denken auch die Verantwortlichen der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL). Ein Tram als Alternative zu den Doppelgelenkbussen sei für die Linie 1 gar nie zur Debatte gestanden, führt Sprecher Christian Bertschi aus. Allein der Bau von Gleis und Fahrleitung hätte 275 Millionen Franken verschlungen. Dazu komme, dass die VBL heute nur Busse betrieben. In dieser Situation isoliert eine Tramlinie zu betrieben, sei schlicht zu teuer.

Weil sich der Verkehr auch auf den Strassen in Luzern regelmässig staut, versuchen die VBL nach Möglichkeit, separate Busspuren zu schaffen und den öffentlichen Verkehr über die Ampeln zu bevorzugen. Ziel ist laut Bertschi eine Art Schnellbusnetz, das den Passagieren «sozusagen die Vorteile eines Tramsystems» bietet. Entsprechend bleiben die Doppelgelenkbusse nicht auf die Linie 1 beschränkt: In knapp zwei Jahren will Luzern eine weitere Linie für die Grossfahrzeuge herrichten.

Berner Zeitung

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