Männerchor Bolligen auf Zeitreise

Der Männerchor Bolligen feierte sein 175-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Reberhaus. Das Konzert war eine Zeitreise zurück bis ins Gründungsjahr 1844.

Seit der Fusion mit dem Bündnerchor «Coro Viril di berna» singt der Männerchor Bolligen auch rätoromanische Lieder.

Seit der Fusion mit dem Bündnerchor «Coro Viril di berna» singt der Männerchor Bolligen auch rätoromanische Lieder.

(Bild: Iris Andermatt)

Helen Lagger@FuxHelen

Die Herren vom Männerchor Bolligen tragen weisse Hemden mit einer blauen Schärpe, die mit dem Vereinslogo bestickt ist. Früher hätten sie grüne Hemden getragen, sagt Peter Hieke, ein langjähriges Mitglied und OK-Präsident. Doch als der Chor mit fünf Mitgliedern des Bündnerchors «Coro Viril di berna» fusionierte, entschied man sich für etwas, das alle im Schrank haben: ein weisses Hemd und schwarze Hosen.

Damals versprach Chorleiterin Susanne Kiener-Sterchi den neuen Mitgliedern vom Bündnerchor, fortan Liedgut auf Rätoromanisch ins Repertoire aufzunehmen. Mit grosser Offenheit hätte sich der Chor auf die Lieder und die neue Sprache eingelassen. Am Samstag war es so weit: Der Chor feierte sein 175-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Reberhaus und sang dabei sowohl Lieder auf Deutsch wie auf Rätoromanisch.

Nicht nur singen

Als Auftakt sang die Truppe, die aus 15 Mitgliedern besteht, das Lied «Uras Festivas», was sich mit «Festliche Stunden» übersetzen lässt. «Freundschaften sind Schutz und Schirm», heisst es da unter anderem. Die Geselligkeit hat bei den Männerchören immer schon eine wichtige Rolle gespielt.

«Wir haben nicht vergessen, was diejenigen vor uns geleistet haben.»Peter Sterchi, Präsident Männerchor Bolligen

Das Recht, einen Verein zu gründen, war 1844 im Gründungsjahr des Männerchors Bolligen noch ein relatives Novum. Erst die neue liberale Ordnung hatte es möglich gemacht, sich ohne Einverständnis der gnädigen Herren zu treffen, zu singen und allenfalls zu politisieren. 

Lieder im Gottesdienst 

Präsident Peter Sterchi erinnerte in seiner Begrüssungsrede an die Pioniere. «Wir haben nicht vergessen, was diejenigen vor uns geleistet haben.» Neun Männer hätten 1844 angefangen, unter der Leitung eines Bolliger Lehrers zu singen. Anfangs hätte man vor allem Kirchenlieder im Gottesdienst gesungen. Doch auch Volkslieder hätten bald eine Blütezeit gehabt.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts sei man in Bolligen mit dem Gemischten Chor Bolligen aufgetreten und habe gemeinsam Theater gespielt. Warum der Männerchor Bolligen selbst ein reiner Männerchor bleiben will, erklärt Susanne Kiener-Sterchi wie folgt: «Es geht mitnichten gegen Frauen, sonst wäre ich ja nicht Chorleiterin», so die ehemalige Primarlehrerin, die den Chor seit sechs Jahren leitet. Doch in gemischten Chören hätten Tenöre und Bässe eine ganz andere Funktion als im Männerchorgesang.

Gesundes Hobby

Bei der Gründung des Männerchors hatte der Vorstand seine Mitglieder noch selbst ausgewählt. Das wäre heute undenkbar. Auch der Männerchor Bolligen hat es schwer, Nachwuchs zu finden. Im Gegensatz zu früher sind heute alle Mitglieder im Pensionsalter. Gemeindepräsidentin Kathrin Zuber, die ebenfalls eine kleine Ansprache hielt, glaubt, es liege daran, dass man sich heutzutage nicht mehr so gerne einbinden lasse. Dass gemeinsames Singen gesund sei, sei mittlerweile sogar wissenschaftlich bewiesen.

«Singe tuet guet», sangen die Männer denn auch am Ende des Jubiläumskonzerts, das gemeinsam mit dem Bollitto-misto-Chor bestritten wurde. Der zweistündige Abend war eine musikalische Zeitreise zurück in das Gründungsjahr des Chors 1844.

Der Schlager «Zwei kleine Italiener» führte in die Jugendzeit der Sänger zurück, während «Margritli» an den Zweiten Weltkrieg und «Oh mein Heimatland» an die Gründung erinnerte. Und mit «Dorma bain» kam auch das Rätoromanisch zum Zug. Es sei kein Schlaflied, sagte Susanne Kiener-Sterchi, sondern ein Liebeslied.

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